IAA Mobility: Automesse mit Feigenblättern | Wirtschaft | DW | 06.09.2021
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Autobranche

IAA Mobility: Automesse mit Feigenblättern

Neues Konzept, neuer Standort und viele Fragen: In München statt wie bisher in Frankfurt stellt sich die Internationale Automobilausstellung IAA jetzt ganz neu auf. Aus München Henrik Böhme.

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IAA startet in München

Das warnende Beispiel ist Detroit. Die Heimat der großen US-Autohersteller war ebenso berühmt für die Automesse, die Detroit Motorshow. Doch das Interesse bei den Herstellern, dort ihre Autos zu zeigen, nahm immer mehr ab, lieber ging man zur Consumer Electronics Show nach Las Vegas. Dann der Versuch, die Motorshow vom kalten Januar in den warmen Sommer zu verlegen, das Ganze als Eventshow rund um Mobilität und Auto unter freiem Himmel abzuhalten. Die Corona-Pandemie aber verhinderte das Experiment in den vergangenen beiden Jahren - und ob es im kommenden Jahr klappt, steht in den Sternen.

Ein ähnliches Schicksal droht der IAA. Vor zwei Jahren in Frankfurt am Main, wo die Messe bald sieben Jahrzehnte ihre Heimat hatte, wurde schon klar, dass das Konzept nicht mehr wirklich trägt, einfach Autos in Messehallen zu stellen und zu warten, dass die Massen durch die Hallen strömen.

Offenbar hat das Auto als solches seinen Nimbus verloren, selbst im Autoland Deutschland. Auch wenn im Angesicht der Pandemie die Menschen sich doch lieber in den geschützten Innenraum eines Autos setzen statt in überfüllte Nahverkehrszüge, so wird angesichts von Dauerstaus in Innenstädten und der immer größer werdenden Sorge vor den Folgen des Klimawandels klar: Wenn schon Auto, dann gerne mit möglichst emissionsfreiem Antrieb. Oder als eine Möglichkeit von vielen, von A nach B zu kommen.

Zumindest ein kleiner Andrang bei einer Pressekonferenz in einer Messehalle

Zumindest ein kleiner Andrang bei einer Pressekonferenz in einer Messehalle

Eine Messe - zwei Standorte

Um die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) zu retten und ihr das absehbare Schicksal Detroits vielleicht zu ersparen, versucht der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Veranstalter nun einen Befreiungsschlag. Mit einem neuen Namen - IAA Mobility - an einem neuen Standort, nämlich München, und einem neuen Konzept. Das trennt die Messe in zwei miteinander verbundene Teile. Der eine auf dem Messegelände in Münchens Osten und der andere an wichtigen Plätzen in Münchens Innenstadt.

Zwei Dinge fallen als erstes auf: Das Messegelände ist bei weitem nicht ausgebucht. Drei der zwölf Hallen stehen gänzlich leer, drei weitere sind auf großen Flächen mit Oldtimern gefüllt - und jede Menge Fahrrädern! Das dürfte zumindest in die IAA-Geschichte eingehen, denn in München sind mehr Fahrrad-Hersteller als Autobauer am Start. Aber - und das ist das Neue am Konzept der IAA - man will ja nicht mehr das Auto in den Mittelpunkt stellen, sondern vor allem "urbane Mobilität". Im Mittelpunkt stünden "Lösungen auf dem Weg zur Klimaneutralität", so VDA-Chefin Hildegard Müller im DW-Interview. 

Wobei am ersten der beiden vorgeschalteten Pressetage dann doch die Autos im Mittelpunkt standen. Denn während in der City noch sehr fleißig an den Open Spaces genannten Ausstellungsflächen gearbeitet wurde, durften die Autohersteller draußen auf der Messe der Weltpresse (die coronabedingt allerdings auch in deutlich kleinerer Zahl als früher üblich anwesend ist) ihre neuesten Modelle und Konzeptstudien vorstellen. Und das wiederum auf drastisch verkleinerten Ausstellungsflächen im Vergleich zu früheren Jahren, als Mercedes-Benz, Volkswagen oder BMW schon mal ganze Messehallen für sich allein beanspruchten.

Soll junge Kundschaft anlocken: Elektro-City-Auto ID.LIFE von Volkswagen

Soll junge Kundschaft anlocken: Elektro-City-Auto ID.LIFE von Volkswagen

Von kleinen und sehr großen Autos

Klein war auch das Auto, das Volkswagen in München vorstellte, nämlich die Konzeptstudie eines vollelektrischen City-Autos namens ID.LIFE. Der Wagen soll 2025 auf den Markt kommen, die junge Kundschaft erobern und um die 20.000 Euro kosten. Deutlich größer kam da schon Mercedes Benz daher, auch mit einer Studie, nämlich dem Mercedes Maybach EQS, mit dem die Schwaben einen Ausblick geben wollen auf das erste vollelektrische Maybach-Serienmodell. Das ist dann eher das Modell für diejenigen Mercedes-Kunden, denen die S-Klasse (die es als EQS schon stromangetrieben gibt) nicht nobel genug ist. Auch am Mercedes-Stand zu sehen übrigens ein von AMG getunter "GT 63 SE Performance" mit insgesamt 843 PS (200 davon steuern zwei Elektroantriebe bei) und 316 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Trotzdem sagt Daimler-Chef Ola Källenius im DW-Gespräch, Mercedes werde "zunehmend elektrischer und wird den wesentlichen Teil des Weges zu null Emissionen in dieser Dekade bewältigen". Alle neuen Fahrzeuge, die Mercedes Benz ab 2025 entwickelt, würden dann rein elektrisch sein. Das erklärt dann wohl auch den Mercedes-Messeauftritt vor der berühmten Feldherrnhalle in München, wo Arbeiter noch am Montag schwer damit beschäftigt waren, jede Menge grünen Rasen auf der großen Bühne zu verteilen, die der Konzern dort errichtet hat.

Aufbau der innerstädtischen Bühne von Mercedes Benz vor der Feldherrnhalle

Aufbau der innerstädtischen Bühne von Mercedes Benz vor der Feldherrnhalle

Zumindest spannend ist die Studie, die BMW in seiner Heimatstadt vorstellt: Der iVision Circular soll zu 100 Prozent aus Altmaterial und nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden und am Ende seines Fahrzeuglebens größtenteils recycelt werden können.   

Proteste am Wochenende

Die knapp eine Woche dauernde neue IAA ist auch Teil eines Experiments unter dem Motto: "Wie rette ich eine Messe vor dem Untergang?" Auch die vor einigen Jahren eingestellte Computermesse Cebit hatte alles Mögliche versucht, um ihr Überleben zu retten - bis hin zu einem Showevent im Sommer. Genutzt hat es bekanntlich nichts.

Es dürfte sehr spannend werden zu sehen, wie das Münchner IAA-Konzept bei Ausstellern und Besuchern ankommt. Und was am Wochenende passiert, wenn zehntausende IAA-Gegner ihre Protestaktionen in München starten, von Rad-Sternfahrten bis zu Blockaden. Die bayerische Polizei will 4500 Kräfte aufbieten, damit die Messe trotzdem ungestört stattfinden kann. 

Aus Altmaterial und nachwachsenden Rohstoffen: Die Konzeptstudie BMW iVision Circular

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