Hurrikans - Entstehung einer Naturgewalt | Wissen & Umwelt | DW | 27.08.2020
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Hurrikans - Entstehung einer Naturgewalt

"Laura" war nur der erste sehr starke Hurrikan der Saison. Die US-Klimabehörde NOAA rechnet mit einem Rekordjahr für Wirbelstürme. Die Zutaten für diese zerstörerischen Naturgewalten sind immer die gleichen.

Mit voller Wucht hatte Hurrikan "Laura" den Bundesstaat Louisiana  erreicht. Meteorologen warnten vor massiven Zerstörungen durch meterhohe Wellen und zerstörerischen Wind bis tief ins Landesinnere hinein.

"Laura" ist allerdings nur der erste sehr starke Hurrikan der Saison gewesen. Über dem ungewöhnlich warmen Meerwasser hatte "Laura" rasch an Kraft gewonnen und wurde innerhalb weniger Stunden von Kategorie zwei in Kategorie vier hochgestuft.

Die US-Klimabehörde NOAA rechnet damit, dass 2020 ein Rekordjahr für Wirbelstürme werden könnte. Erwartet werden 19 bis 25 Stürme, von denen sieben bis elf Hurrikans werden könnten, drei bis sechs sogar sehr starke mit Windgeschwindigkeiten von 178 Stundenkilometer und mehr.

USA Louisiana | Vorbereitungen auf Hurrikan Laura

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Im Durchschnitt gibt es an der US-Atlantikküste zwölf Stürme, von denen sich drei zu Hurrikans der Kategorie drei, vier oder fünf entwickeln. Die Wirbelsturm-Saison endet Ende November.

Rezept für einen Wirbelsturm

Taifun, Hurrikan und Zyklon - das sind drei Namen für das gleiche Wetterextrem: den tropischen Wirbelsturm. Vor Ost- und Südostasien heißt er Taifun, vor Indien und Australien Zyklon und vor der Küste Nordamerikas Hurrikan. Trotz unterschiedlicher Namen entstehen Wirbelstürme auf die gleiche Art, wenn mindestens 26° Celsius warmes Wasser über dem Meer verdunstet.

Das unterscheidet sie auch von Tornados. Diese nicht-tropischen Wirbelstürme können sich überall entwickeln, wo es Gewitter gibt. Durch lokale Temperaturunterschiede strebt warme Luft nach oben, kalte stürzt herab, und eine Warmluft-Säule schraubt sich immer schneller empor. Tornados haben meist auch nur einen Durchmesser von maximal einem Kilometer.

Ganz anders als bei tropischen Wirbelstürmen: "Hurrikans brauchen einige Grundvoraussetzungen, um entstehen zu können", sagt Andreas Friedrich, Meteorologe und Tornadobeauftragter beimDeutschen Wetterdienst (DWD). Zum Einen sei das eine Oberflächentemperatur des Meeres von mindestens 26 Grad Celsius. Das Gebiet mit dem warmen Meereswasser müsse zudem ausreichend, das heißt mehrere 100 Quadratkilometer groß sein.

Dazu fehlt dann noch ein Tiefdruckgebiet als weitere wichtige Voraussetzung. "Häufig ziehen kleine Tiefdruckgebiete von der Westküste Afrikas mit der Monsun-Strömung über den Atlantik in diese warmen Gewässer", sagt Friedrich. In der Entstehungsphase des Hurrikans dürfe es außerdem keine großen Windunterschiede dicht über dem Meer und in größeren Höhen geben. Die würden den Sturm auseinander treiben. 

Zerstörerische Mixtur

Kommt alles zusammen, kann aus einem Tiefdruckgebiet ein Wirbelsturm entstehen. Dabei steigt feuchtwarme Meeresluft nach oben, kondensiert in den kälteren Höhen und bildet Gewitterwolken. Durch die schnell aufsteigende Luft entsteht ein Unterdruck an der Meeresoberfläche, sodass weitere feuchte Luft aus der Umgebung angesogen wird. Wie in einem Kamin werden die Luftmassen nach oben gezogen. Es entstehen Windgeschwindigkeiten von bis zu 350 Stundenkilometern.

Die Corioliskraft, die mit der Drehung der Erde zusammenhängt, versetzt die Luftmassen in Rotation. "In der Mitte dieses Wirbels entsteht das für einen Hurrikan typische 'Auge', in dem es ganz ruhig und wolkenlos ist, während sich die Wolken am Rand des Auges immer höher auftürmen", so Friedrich. 

Je langsamer, desto verheerender

Je länger diese günstigen Wirbelsturm-Bedingungen anhalten, desto zerstörerischer wird diese Naturgewalt. "Die Wirbelstürme bewegen sich mit Hilfe von Luftströmungen in fünf bis acht Kilometern Höhe. Sie bestimmen, wo der Wirbelsturm hinzieht", erklärt Friedrich.

USA - North Carolina- Hurricane Dorian in Pea Island

Nach den Stürmen folgen meist Überschwemmungen - so wie hier 2019 nach Hurrican Dorian

Wenn der Wirbelsturm auf eine Küste trifft, verliert er normalerweise schnell an Kraft: Die Luftströmungen der höheren Atmosphäre treiben den Sturm schnell ins Landesinnere und schneiden ihn so von seiner Hauptenergiequelle ab - der feuchtwarmen Meeresluft. Dort werden sie zu Tiefdruckgebieten abgeschwächt und verlieren ihre zerstörerische Kraft.

Bewegt sich ein tropischer Wirbelsturm aber nur sehr langsam und wird in Küstennahe weiter mit feuchter Meeresluft gespeist, können die mitgeführten Wassermassen schwerste Schäden anrichten.

Stärkere Hurrikans dank Klimawandel

Der Klimawandel sorge für insgesamt höhere Meeresoberflächentemperaturen und somit für noch bessere Bedingungen für Hurrikans. "Je größer die Meeresgebiete mit einer Temperatur über 26 Grad, desto größer sind auch die Gebiete, in denen sich Hurrikans bilden können", sagt Friedrich.

Klimamodelle lassen befürchten, dass es in Zukunft nicht nur mehr, sondern auch stärkere Wirbelstürme geben wird, so der Meteorologe.