HSV: Vorbereitung auf den Showdown | Fußball | DW | 05.05.2018
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Bundesliga

HSV: Vorbereitung auf den Showdown

Nach der Niederlage des Hamburger SV in Frankfurt gehen Spieler und Verantwortlichen überraschend ruhig damit um - und bündeln ihre Kräfte für ein emotionales Endspiel gegen den Abstieg.

Deutschland Eintracht Frankfurt - Hamburger SV | enttäuschte Spieler (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

HSV-Torwart Pollersbeck (r.) und Nicolai Müller (2.v.r.) nach dem Schlusspfiff

Es wirkte ein wenig surreal, dass Nicolai Müller in den Katakomben des Frankfurter Stadions lächelte. Schließlich hatte er mit dem HSV wenige Minuten zuvor mit 0:3 (0:1) bei der Eintracht verloren - und damit hatten die Hanseaten die große Chance verpasst, sich eine bessere Ausgangsposition im Abstiegskampf vor dem letzten Spieltag zu verschaffen. Nach 55 Jahren Erstligazugehörigkeit droht den Hanseaten akut der erste Abstieg. Eigentlich kein Grund für ein freundliches Gesicht.

Im speziellen Fall des 30-Jährigen dürften allerdings mildernde Umstände gelten. Müller hatte schließlich an diesem warmen Mai-Nachmittag im Frankfurter Stadtwald seinen ersten Einsatz seit dem ersten Spieltag dieser Saison hinter sich bringen können. Damals hatte sich Müller einen Kreuzbandriss beim Jubeln zugezogen. Und nicht zuletzt das Fehlen des Offensivspielers ist ein Grund dafür, weshalb die Hamburger diese enormen sportlichen Probleme in dieser Spielzeit haben. 

Auf Kölner Hilfe angewiesen

"Mir geht es gut. Ich bin froh, mal wieder gespielt zu haben", sagte Müller. Das Lächeln verschwand dann allerdings auf seinem Gesicht, als er über die sportliche Perspektive seines Teams reden sollte. Am kommenden Wochenende benötigen die Hamburger (28 Punkte) zwingend einen Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Und sie sind darauf angewiesen, dass die als Absteiger feststehenden Kölner in Wolfsburg (30 Punkte) gewinnen. Nur dann können sie noch auf den Relegationsplatz rutschen, weil sie im Vergleich zu den "Wölfen" das deutlich schlechtere Torverhältnis haben. "Ich gehe davon aus, dass Köln alles reinhaut und sich nicht aufgibt. So wie sie es in allen Spielen gemacht haben", sagte Müller, sah dabei aber nicht gerade überzeugt aus.

HSV-Kapitän Sakai (r.) im Kopfball Duell mit Haller. Foto: dpa-pa

HSV-Kapitän Sakai (r.) im Kopfball Duell mit Haller

Die Hamburger selbst müssen sich jedoch fragen lassen, weshalb sie diese Möglichkeit in Frankfurt fast schon leichtfertig vergeben hatten. Gotoku Sakai, der mit hängenden Schultern durch die Katakomben des Eintracht-Stadions schlich, hatte eine kurze, wenn auch sehr treffende Analyse der Partie parat: "Nach vorne haben uns die letzte Konsequenz und die Ideen gefehlt", sagte der HSV-Kapitän.

Nach dem letzten Strohhalm greifen

Den Hamburgern fehlten die wichtigsten Aspekte, um ein Fußballspiel erfolgreich beenden zu können. Ausgerechnet das, was das Team in den vergangenen Wochen ausgezeichnet und im Rahmen seiner Möglichkeiten erfolgreich gemacht hatte. Erstmals seitdem Trainer Christian Titz die Mannschaft übernommen hatte, vermittelten die Hamburger den Eindruck, als hätten sie etwas zu verlieren. Dieses diffuse Gefühl schien sie zu lähmen. Für Sakai stand das Motto des frühen Abends dann auch sofort nach Abpfiff fest: schnell vergessen und nach dem letzten Strohhalm greifen. "Wir werden uns jetzt intensiv vorbereiten und dann alles raushauen", sagte Sakai.

Fußball Bundesliga Eintracht Frankfurt - Hamburger SV (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Die Eintracht-Fans hatten wenig Mitleid mit dem Gegner von der Elbe

Trainer Titz, der nur ein paar Meter entfernt stand, legte ob der überaus prekären Lage und des unbefriedigenden Spiels seiner Mannschaft eine auffällige Ruhe und Ausgeglichenheit an den Tag, die fast schon irritierte. Die große Last, die auf dem HSV und damit auch auf den Verantwortlichen liegt, dürfte auch der Fußballlehrer spüren. Aber: Titz will sich äußerlich nichts anmerken lassen. "Uns war durchaus bewusst, dass wir auch nochmal ein Spiel verlieren können", sagte der 47-Jährige fast schon emotionslos. So, als ob nichts passiert wäre. 

Trainer Titz: „Habe noch Hoffnung"

Aber wozu sollte der Trainer auch noch intensiver auf diese Partie eingehen? Für ausgeprägte Analysen hatte es in der Vergangenheit genug Möglichkeiten gegeben. Jetzt steht ein echtes Endspiel auf dem Programm. Für anderes dürfen die Hamburger keine Kräfte verschwenden und müssen sämtliche Energien bündeln. "Ich habe die Hoffnung noch. Unser Blick geht jetzt ganz klar in Richtung Mönchengladbach", sagte Titz.

Die Hamburger hatten es eilig, die Frankfurter Arena zu verlassen. Ihr Flieger wartete bereits. Schnelle Heimreise, schnelle Regeneration, gute Vorbereitung auf den bevorstehenden Showdown. "Ich traue meiner Mannschaft zu, dass wir zu Hause ein Spiel gewinnen", sagte Titz. "Und dann wollen wir mal sehen, was passiert." Spätestens dann werden alle Beteiligten Emotionen zeigen. Denn es könnte einer der schönsten, aber auch der schrecklichste Spieltag werden, den der HSV in seiner langen Bundesliga-Geschichte erlebt hat.

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