Homo, Hetero oder Bi - Sexualität lässt sich kaum kategorisieren | Wissen & Umwelt | DW | 06.05.2019
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Sexualität

Homo, Hetero oder Bi - Sexualität lässt sich kaum kategorisieren

Die sexuelle Orientierung der Generation Y ist flexibel und sprengt traditionelle Kategorien wie Homo-, Hetero- oder Bisexualität - besonders bei Frauen. Das zeigt eine neue Studie im Journal of Sex Research.

Mit 20 wissen viele Menschen noch nicht genau, was sie mit ihrem Leben anfangen möchten. Das Gleiche scheint auch für die sexuelle Orientierung zu gelten. Das zeigt zumindest die Befragung von knapp 7000 amerikanischen Studenten und Studentinnen. Sie wurden im Zeitraum von 1995 bis 2009 dreimal zu ihrer Sexualität befragt: als Teenager, in den frühen Zwanzigern und in den späten Zwanzigern.

Vor allem für junge Frauen sind die frühen Zwanziger demnach eine sexuell dynamische Zeit. Im Gegensatz zu jungen Männern, die zu knapp 90 Prozent angaben, heterosexuell zu sein, ordneten sich junge Frauen nur knapp zwei Drittel in diese Kategorie ein. Zehn Prozent empfanden sich als mehrheitlich heterosexuell und 7,5 Prozent gaben ein klares Interesse an beiden Geschlechtern zu Protokoll. Bei den jungen Männern machten diese beiden Kategorien zusammengenommen nur knapp vier Prozent aus. Als homosexuell identifizierten sich 1,5 Prozent der Frauen und 2,4 Prozent der Männer.

Junge Frauen sind flexibler

Frauen sind in ihrer sexuellen Orientierung "fluider". Darunter verstehen die Wissenschaftler "situationsabhängige Flexibilität in der sexuellen Empfänglichkeit". Zu diesem Ergebnis sind auch schon andere Studien gekommen. Während Männer zu einer klaren Einordnung tendieren, entweder homo- oder heterosexuell, empfinden Frauen ihre Sexualität mehr als Spektrum. Selbst wenn sie sich als heterosexuell bezeichnen heißt das nicht, dass sie kein Interesse an Frauen haben.

Ob die höhere "Fluidität" der Frauen am biologischen oder soziokulturellen Hintergrund liegt, ist umstritten. Wahrscheinlich ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Ein Grund für den Geschlechterunterschied könnte zum Beispiel sein, dass das klassiche Männerbild immer noch wesentlich stärker mit Heterosexualität verbunden ist, als das klassische Frauenbild. 

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Paar spielt an der Konsole

Mit Ende 20 hat sich die sexuelle Orientierung vieler merklich gefestigt

Was die aktuelle Studie im Journal of Sex Research aber auch gezeigt hat: Je älter die Befragten wurden, desto klarer ordneten sie sich einer Kategorie zu. So fiel die Zahl der Frauen, die Anfang 20 an beiden Geschlechtern interessiert waren, aber sich trotzdem als mehrheitlich heterosexuell bezeichneten, zum Ende der 20er gegen Null. Sie waren jetzt fast ausnahmslos an Männern interessiert.

Klar ist trotzdem: Die zunehmende Akzeptanz sexueller Diversität hat dazu geführt, dass Menschen jeden Alters ihre Sexualität freier ausleben können. Das zeigt nicht zuletzt das Beispiel der Autorin Elizabeth Gilbert. Während ihr autobiographischer Bestseller Eat Pray Love noch mit dem Liebes-Happy End zwischen ihr und Exmann Jose Nunes endet, war sie danach mehrere Jahre mit einer Frau zusammen.

Weil die eigenen Sexualität sich im Laufe der Zeit  durch persönliche Erfahrungen immer wieder verändern kann, ist einen Kategorisierung nie einfach. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig. Denn je mehr die gelebte Akzeptanz verschiedenster sexueller Orientierungen zur kulturellen Norm wird, desto weniger wichtig werden eindeutige Zuordnungen. 

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