Hollywood-Legende Kirk Douglas ist tot | Kultur | DW | 05.02.2020
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Nachruf

Hollywood-Legende Kirk Douglas ist tot

Kirk Douglas war ein Kinoheld, eine Filmlegende. Gegen das System Hollywood rebellierte er und produzierte lieber seine eigenen Filme. Der Nachwelt hinterlässt er grandiose Kinokunst.

Er überlebte einen Hubschrauberabsturz und einen Schlaganfall, zudem unzählige Unfälle bei Dreharbeiten mit waghalsigen Szenen, bei denen er sich nicht doubeln ließ. Fast schien es, als sei Kirk Douglas unsterblich. Jetzt ist er doch gestorben - im hohen Alter von 103 Jahren. Das teilte sein Sohn Michael Douglas im Onlinenetzwerk Facebook mit.

Geschichte eines Aufsteigers

Geboren wurde Kirk Douglas am 9. Dezember 1916 in Amsterdam, einer amerikanischen Industriestadt im US-Bundesstaat New York. Als Issur Danielowitsch Demsky wuchs er als Spross einer jüdisch-russischen Familie auf. Seine Eltern waren aus Weißrussland in die USA eingewandert, konnten nicht lesen und nicht schreiben.

Der junge Kirk Douglas, wie er sich später als Schauspieler nannte, ist extrem ehrgeizig. Er will es zu etwas bringen. Seine Mutter hat ihm eingeschärft: "Als Jude wirst du immer doppelt so gut sein müssen, um im Leben voran zu kommen." Dank eines Stipendiums kann er ans College gehen, aber das Chemie- und Literaturstudium bricht er ab. Ihn zieht es zum Schauspiel, zum Rezitieren von starken Texten, zur Theaterbühne.

Wie ein Besessener paukt er sich zwei Jahre lang durch das Schauspielstudium an der berühmten New Yorker Academy of Dramatic Arts. Mit Erfolg: Er bekommt seine erste Rolle am Broadway. Aber der Zufall will, dass er schon bald zum Film wechselt.

Film Noir Tote schlafen fest (picture-alliance /)

Schauspielerin Lauren Bacall, hier mit Humphrey Bogart in "Tote schlafen fest" (1946)

Per Zufall nach Hollywood

Der Zufall heißt Lauren Bacall, eine Studienfreundin von Kirk. "Einer der jungen Schauspieler gefiel mir ganz besonders: Er war ausgesprochen attraktiv, blond, blauäugig, Grübchen am Kinn und zu allem Überfluss noch sehr begabt", schreibt sie später in ihren Erinnerungen.

An der Seite von Humphrey Bogart hat die junge Schauspielanfängerin bei den Studiobossen der Filmbranche gerade für Aufsehen gesorgt. Sie nutzt ihren Einfluss und vermittelt Kirk eine Rolle in dem Film "The Strange Love of Martha Ivers" ("Die seltsame Liebe der Martha Ivers").

Es wird die erste herbe Enttäuschung seines Schauspielerlebens: Er bekommt nicht die Hauptrolle, sondern nur die des schwächlichen Ehemanns von Barbara Stanwyck, damals schon ein Hollywood-Star. Aber das harte Leben eines Alkoholikers kennt Douglas von seinem Vater. Er spielt die schwierige Rolle brillant und mit ungeheurer Intensität. Das ist der Start für seine Hollywood-Karriere.

Ausnahmetalent und Rebell
Der junge Schauspieler bekommt gute Kritiken. Hollywood-Produzent Hal B. Wallis, ständig auf der Suche nach vielversprechenden Talenten, bietet ihm einen Siebenjahresvertrag an. Aber Kirk Douglas lehnt ab, für ihn ist das ein "Sklavenvertrag". 1947 dreht er trotzdem für Wallis das Gangsterdrama "I Walk Alone" ("Vierzehn Jahre Sing-Sing"), zusammen mit Burt Lancaster - später sein einziger Freund in Hollywood.

Kirk Douglas US Schauspieler (picture-alliance/United Archiv)

Filmplakat "I walk alone"

Getrieben von maßlosem Ehrgeiz und nervöser Ruhelosigkeit hält Douglas die Dreharbeiten mit ständigen Diskussionen auf. "Das war der Beginn meines Rufes, schwierig zu sein", schreibt er in seiner Autobiografie. Kirk Douglas hat seinen eigenen Kopf. 1948 schlägt er ein lukratives Rollenangebot für Robert Siodmaks Dostojewsky-Adaption "Der Spieler" mit Stars wie Ava Gardner und Gregory Peck in den Hauptrollen aus.

Er dreht lieber mit dem unbekannten Regisseur Stanley Kramer den Film "Champion" ("Zwischen Frauen und Seilen", 1949). Die Rolle des rücksichtslosen Berufsboxers, der mit sich und anderen keine Gnade kennt, ist sein endgültiger Durchbruch als Schauspieler.
Dass er aus bettelarmen Verhältnissen kommt, spornt ihn doppelt an. Er arbeitet hart, spielt in seinen Filmen mit Vorliebe Männer, die sich durchkämpfen müssen, sich behaupten und für ihre Ziele skrupellos zu jedem Mittel greifen, das Erfolg verspricht: Schurken, Idealisten, Wahnsinnige.

Als Produzent ohne Geduld und Fingerspitzengefühl

Die Verfilmung der Lebensgeschichte des Malers Vincent van Gogh ("Lust for Life", 1956) bringt Douglas als Vollblutschauspieler erstmals an seine Grenzen - beschert ihm aber auch seine erste Oscarnominierung. "Das war der quälendste und schmerzlichste Film, den ich je gemacht habe", bekennt er später. Den Oscar bekommt in diesem Jahr Yul Brynner. Kirk Douglas wird diese Enttäuschung sein Leben lang nicht verwinden: Er hat nie einen Oscar für eine Filmrolle bekommen - allerdings 1996 für sein Lebenswerk.

Hollywood mag ihn nicht - trotz seiner Erfolge. Er ist eigensinnig, starrköpfig und ordnet sich nicht dem Regelwerk der allmächtigen Studio-Bosse unter. 1958 gründet er seine eigene Produktionsfirma "Bryna Productions". Für die Rolle des Produzenten fehlen ihm allerdings Geduld und das nötige Fingerspitzengefühl. Seine Ehe mit der amerikanischen Schauspielerin Diana Dill ist längst zerbrochen, die zweite Frau an seiner Seite ist eine Deutsche: Anne Buydens, klug und versiert im Filmgeschäft und seine Stütze bis zuletzt.

Kirk Douglas US Schauspieler (picture-alliance/dpa/H. Boesl)

Kirk Douglas und seine zweite Ehefrau Anne Buydens im Jahr 2013

Buchautor und UN-Botschafter

Sein Spektrum als Schauspieler ist enorm: Kirk Douglas dreht politisch engagierte Streifen wie "Wege zum Ruhm" (1957) - ein kritisches Antikriegsdrama über die Schlachten des Ersten Weltkriegs, das jahrzehntelang in Frankreich nicht gezeigt werden durfte. Aber auch populäre Kassenschlager wie "Die Wikinger" (1958) und "Spartacus" (1960). Er ist auch Produzent dieses Films und verpflichtet den in der Kommunistenhatz der McCarthy-Ära geächteten Autor Dalton Trumbo für das Drehbuch - ein Skandal in Hollywood.

1980 zieht sich Kirk Douglas schrittweise aus dem Filmgeschäft zurück. Er war leidenschaftlich Pionier und Rebell gegen das Studiosystem, jetzt schreibt er lieber Bücher. Neben seinen Memoiren ("The Ragman's Son") auch Romane und autobiografische Bücher, die reißenden Absatz beim Publikum finden. Zusammen mit seiner Frau ist er viel auf Reisen und als Botschafter der UNO weltweit unterwegs. Er genießt seine Popularität, wird überall mit höchsten Ehren empfangen.

1995 reißt ihn ein Schlaganfall aus diesem Leben. Nur mit Mühe findet er in jahrelangem Training seine Sprache wieder. Eine traumatische Erfahrung für jeden Schauspieler, aber Kirk Douglas ließ sich nicht unterkriegen. Der "Tough Guy" nahm es mit Humor, trat öffentlich in Talkshows und vor Studenten auf, um offen und ungeschminkt über seinen Schlaganfall zu reden.

Frieden im jüdischen Glauben

In dieser Zeit fand Douglas zu seinem jüdischen Glauben zurück. Sein millionenschweres Vermögen setzte er von da an für caritative Projekte in den USA und Israel ein. Seine Frau und er ließen Spielplätze an sozialen Brennpunkten bauen und gründeten multireligiöse Kindergärten und eine Alzheimer-Klinik.

Im Dezember 2016 wurde der weißhaarige Hollywoodstar - stolzes Oberhaupt des Douglas-Clans - 100 Jahre alt. Er hatte sogar noch die Kraft, die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte auszublasen. Am Schluss konnte er sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Seinen 102. Geburtstag feierte Douglas trotzdem mit einer großen Party, eingeladen waren gute Freunde und alle seine Enkel.

Kirk und Michael Douglas (Getty Images/AFP/A. Sanchez-Gonzales)

Kirk Douglas und sein Sohn Michael im Jahr 2012

Nun müssen sie Abschied nehmen. "Mit unendlicher Trauer teilen mein Bruder und ich mit, dass Kirk Douglas im Alter von 103 Jahren von uns gegangen ist", schrieb Michael Douglas, selbst ein weltberühmter Schauspieler, auf seiner Facebook-Seite in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 2020. "Er war der Welt eine Legende, ein Schauspieler aus dem Goldenen Zeitalter des Films, der bis weit in seine Goldenen Jahre gelebt hat." Der Nachwelt hinterlässt er mehr als 80 Filme.

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