Hagenkord: ″Der Papst will erst die Fakten sehen″ | Kultur | DW | 24.10.2013
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Kultur

Hagenkord: "Der Papst will erst die Fakten sehen"

Papst Franziskus hat den umstrittenen Limburger Bischof Tebartz-van Elst auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Im DW-Interview lobt der Vatikan-Experte Bernd Hagenkord den Papst für seinen Umgang mit dem Fall Limburg.

DW: Der Papst hat gesprochen. Es ist keine endgültige Entscheidung. Aber ist es eine salomonische Entscheidung?

Bernd Hagenkord: Ich glaube, das ist noch gar keine Entscheidung. Ich glaube, der Papst hat deutlich machen wollen und auch deutlich gemacht, dass er dem Verfahren traut, das Erzbischof Robert Zollitsch für die Deutsche Bischofskonferenz angestrengt hat. Da geht es ja darum, herauszufinden, was genau passiert ist, er wann was genau gewusst hat und für was Verantwortung trägt. Das heißt, es geht darum, die Fakten festzustellen. Trotz aller sehr, sehr lauten Berichterstattung kennen wir die ja noch nicht wirklich genau. Es gibt ja noch einige Unklarheiten. Das ist vergangene Woche deutlich geworden, weil da noch mal neue Dokumente ans Licht kamen. Das rauszufinden, zu wissen, was genau passiert ist. Und dann erst die Entscheidung zu treffen, darum geht es dem Papst. Das macht er mit seiner Mitteilung sehr deutlich.

Das heißt, er hat vor allem Fairness walten lassen? Er hat deutlich gemacht: Wir sprechen über Vorwürfe, nicht über Beweise?

Das Problem ist, glaube ich, dass die Berichterstattung ein bisschen in den Überdreh gegangen ist. Wir sind ja über alles Mögliche informiert worden, teilweise richtig, sehr häufig richtig, manchmal auch vielleicht verfälschend. Und davon abgesehen, müssen wir jetzt mal sehen, wie die Tatsachen sind. Es ist natürlich tragisch für die Menschen in Limburg, die aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Bistumsleitung, aber sicherlich auch aufgrund des Umgangs der Medien damit, verletzt sind, zornig sind, wütend sind, deprimiert sind. Das ist schwer und schlimm. Trotzdem ist mir ein Papst lieber, der sich an Verfahren hält und der Verfahren schätzt, als jemand, der nur auf die Person schaut.

Es war zuletzt viel von der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche die Rede, die unter dem Fall Limburg gelitten habe. Glauben Sie, diese Sorge ist beim Papst angekommen?

Ja, ich glaube schon. Er hat viele Menschen um sich herum, die Deutschland sehr viel besser kennen als er - angefangen von Kardinal Lajolo, der ja im September nach Limburg geschickt worden war. Ich finde es sehr bewundernswert, dass er nicht dem Druck nachgibt, sondern sagt: Nein, wir wollen wirklich wissen, was passiert ist, bevor wir eine Entscheidung treffen. Das ist ein sehr kluges Urteil. Natürlich kann das nicht auf die lange Bank geschoben werden. Schaden wird angerichtet. Glaubwürdigkeit leidet. Aber Glaubwürdigkeit kann man nur zurückgewinnen, wenn man zeigt, dass man echt mit den Tatsachen umgeht. Und genau das probiert die Kirche gerade. Das ist schmerzhaft, aber Papst Franziskus hat hier das Vertrauen ausgesprochen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem sogenannten Fall Limburg und dem Reformbemühen des neuen Papstes?

Ja, ich glaube schon. Ich glaube, dass der Papst uns damit zeigt, dass Verfahren gelten und es nicht darum geht, einen Kirchenmann zu decken. Oder dass es darum geht, einen Kirchenmann abzusetzen, sondern eine Entscheidung zu treffen, die auf veröffentlichten, nachvollziehbaren Fakten beruht. Und das ist der Weg dahin. Das sind die Mühen des Alltags, die Mühen der Ebene. Das ist kein Befreiungsschlag, der von jetzt auf gleich alles gut macht. Aber ich glaube, das ist ein guter Weg für die Kirche, auch wenn die Situation mehr als nur schwierig ist.

Bernd Hagenkord ist deutscher Jesuit und Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan.

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