Kommentar: Entscheidung nur vertagt | Kultur | DW | 23.10.2013
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Kultur

Kommentar: Entscheidung nur vertagt

Limburgs Bischof Tebartz-van Elst bleibt vorerst im Amt. Die Entscheidung über seine Zukunft ist nur vertagt, meint DW-Redakteur Stefan Dege

Stefan Dege, Leiter der Redaktion Religion und Gesellschaft der Deutschen Welle

DW-Redakteur Stefan Dege

Der Papst belässt Bischof Tebartz-van Elst vorerst im Amt. Bis der Prüfbericht über die Finanzierung des neuen Limburger Bischofsitzes vorliegt, soll der Bischof auf Tauchstation gehen. Zwischenzeitlich soll der künftige Generalvikar Wolfgang Rösch das Bistum leiten. Papst Franziskus hat gesprochen. Aber hat er auch entschieden?

In die Kritik geriet der Limburger Bischof wegen seines Finanzgebarens. Seinen neuen Bischofsitz ließ er für die Phantasiesumme von gut 30 Millionen Euro herrichten, zehn mal so viel wie veranschlagt. Dabei verheimlichte er die Baukosten. Gegen ihn liegen Anzeigen wegen Untreue vor. Priester werfen ihm einen autoritären Führungsstil vor. Tausende Katholiken nehmen Anstoß an seiner Amtsführung. Ihm droht zudem ein Strafbefehl wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung zu einem Erste-Klasse-Flug nach Indien. Tebartz-van Elst führte sich offenbar auf wie ein Fürstbischof im Mittelalter.

Noch hat ihn die Welle der öffentlichen Empörung, der sich zuletzt sogar Deutschlands Bischöfe anschlossen, nicht aus dem Amt gefegt. Stattdessen hat der Papst jetzt klargestellt, was es trotz des aufgeheizten Klimas im "Fall Limburg" auseinander zu halten gilt - nämlich Vorwürfe hier und Beweise dort. Es muss geklärt werden, wer beim Bau des Limburger Bischofsitzes welche Verantwortung trug. Da sind noch Fragen offen. Die zu beantworten, ist Sache der von der Bischofskonferenz bestellten Kontrolleure. Bis ihr Bericht vorliegt, geht erst einmal Zeit ins Land.

Dann erst wird der Papst über die Zukunft von Tebartz-van Elst entscheiden. Einstweilen hat er ihn aus der Schusslinie genommen. Das ist, juristisch gesehen, ein Akt der Fairness. Wohlmeinende Katholiken sprechen von Barmherzigkeit. So können sich die Gemüter in Limburg und anderswo beruhigen.

Für den umstrittenen Bischof von Limburg jedoch läuft die Schonfrist. Sollte sich herausstellen, dass er gelogen, vertuscht oder gar betrogen hat, dürfte sein Schicksal besiegelt sein. Bischof könnte er vielleicht bleiben. Aber ein Bistum wird er dann nicht mehr leiten, das von Limburg schon gar nicht.

Die Affäre hat der Katholischen Kirche geschadet. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit der Kirche. Viele Katholiken sehen in Tebartz-van Elst den Vertreter einer macht- und prunkverliebten Kirche, die unzulässiger weise in das Leben der Menschen hineinregiert und deshalb nicht mehr in die Zeit passt. Papst Franziskus hingegen gilt als Hoffnungsträger, der Bescheidenheit vorlebt. Auf seine Entscheidung in der Causa Tebartz-van Elst darf die Welt gespannt sein.