Höchste Terrorwarnstufe in Frankreich | Aktuell Europa | DW | 12.12.2018
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Anschlag in Straßburg

Höchste Terrorwarnstufe in Frankreich

Am Straßburger Weihnachtsmarkt hat ein Mann drei Menschen erschossen und weitere verletzt. Der mutmaßliche Täter ist auf der Flucht. Er galt als Gefährder - und war offenbar auch in Deutschland bereits verurteilt worden.

Ein bewaffneter Mann hat am Weihnachtsmarkt von Straßburg mindestens drei Menschen getötet. Das teilte der französische Innenminister Christophe Castaner am Mittwochmorgen in der Stadt im Elsass mit. Die Zahl der Verletzten gab er mit zwölf an, sechs von ihnen schwebten in Lebensgefahr.

Der mutmaßliche Täter war laut Castaner wegen diverser Delike bereits in in Frankreich und Deutschland verurteilt worden. Nach ihm werde gefahndet. Nach Angaben der Behörden wurde der Schütze als potenzieller Gefährder eingestuft, er war in einer entsprechenden Datei verzeichnet. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf. 

In Paris berief Präsident Emmanuel Macron eine Krisensitzung ein. Daran nahmen in der Nacht unter anderen Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Parly teil. Macrons Regierung verkündete inzwischen die höchste Terrorwarnstufe ("urgence attentat") für das Land.

Schießerei Straßburger Weihnachtsmarkt Polizei (picture-alliance/AA/E. Cegarra)

Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte in Straßburg: Die Suche nach dem Attentäter dauert an

Haftbefehl lag schon vor?

Angeblich sollte der mutmaßliche Täter bereits am Dienstagmorgen im Zusammenhang mit einem anderen Verbrechen verhaftet werden. Wie der Sender France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtet, war er jedoch nicht zu Hause. 

Der vermutlich radikalisierte 29-Jährige sei vor seiner Flucht von patrouillierenden Soldaten verletzt worden, meldet die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei. Die Soldaten hätten den Angreifer aber nicht an der Flucht hindern können. Bei der Verfolgung des Mannes sei es zu einem Feuergefecht gekommen.

Via Twitter forderte die Polizei die Menschen in der Straßburger Innenstadt auf, das Gebiet in Richtung Norden zu verlassen. Die Menschen sollten hingegen nicht in Richtung des südöstlich gelegenen Stadtteils Neudorf gehen.  

Neben dem Stadtzentrum wurde am Dienstagabend auch das Europaparlament abgeriegelt. Etliche Stunden durfte niemand das Gebäude verlassen, Mitarbeiter wurden per Handy-Kurznachricht oder E-Mail gewarnt.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sprach den Opfern der Attacke sein Mitgefühl aus. Straßburg sei eine symbolische Stadt für den Frieden und die europäische Demokratie - "Werte, die wir immer verteidigen werden", so Juncker. Die EU-Kommission stehe an der Seite Frankreichs. Auch der Sprecher der deutschen Regierung, Steffen Seibert, zeigte sich tief betroffen. 

Bundespolizei kontrolliert Grenze 

Die deutschen Behörden warnten vor einem Grenzübertritt in der Nähe von Straßburg. Zur Begründung verwies die Bundespolizei auf die laufende Fahndung nach dem Täter. Beamte kontrollieren Reisende, die aus Frankreich kommen. 

Nach dem Anschlag bleibt der Straßburger Weihnachtsmarkt an diesem Mittwoch geschlossen. Auch die kulturellen Einrichtungen der ostfranzösischen Stadt öffnen nicht, wie es in einer Mitteilung hieß.

Der Weihnachtsmarkt sollte schon einmal Ziel eines Attentats sein: Im Jahr 2000 konnte ein geplanter Sprengstoffanschlag einer algerischen Gruppe allerdings rechtzeitig verhindert werden. 

cw/wa (dpa, afp, ap, rtr)