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Gute Energie-Geschäfte mit der Türkei?

20. Juni 2026

Die deutsche Wirtschaftsministerin setzt auf die Türkei als "strategischen Partner" bei Handel und Investitionen in den Energie-Sektor. In Ankara wurden Zukunftspläne geschmiedet.

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Gaspipelines am Galkynysh-Gasfeld: Sechs silber glänzende Röhren liegen auf gelbem Wüstensand und führen von der vorderen Bildmitte zum Horizont, an dem fünf Stahltürme in den Himmel ragen
Gas aus Turkmenistan und Aserbaidschan - die Türkei will mehr davon auch mit deutscher Technik importieren und dann weiter verteilenBild: ChinaFotoPress/MAXPPP/dpa/picture alliance

Die Türkei will in den nächsten neun Jahren rund 80 Milliarden Euro in erneuerbare Energiequellen und 28 Milliarden Euro in Infrastruktur und Netze im Energiesektor investieren. Von diesem großen Kuchen sollten sich deutsche Unternehmen unbedingt ein großes Stück abschneiden, meinen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und die 30 Vertreter von kleinen und großen Unternehmen aus der Branche. Sie begleiteten die Ministerin bei ihrer ersten offiziellen Reise in die türkische Hauptstadt Ankara. "Die Türkei ist nicht nur ein verlässlicher Partner. Sie ist im Bereich der Energie ganz klar auf Wachstum orientiert", sagte Katherina Reiche in Ankara.

Türkischer Minister sieht große Chancen

Und Wachstum ist das, was die lahmende deutsche Wirtschaft dringend braucht. Die Deutschen sind der größte Handelspartner der Türken. 8600 deutsche Unternehmen sind am Bosporus tätig. Da steckt Potenzial drin, findet die Wirtschaftsministerin. In der Türkei wird in neue Technologien, in erneuerbare Energie, in Stromspeicher und in Infrastruktur viel Geld gesteckt, trotz schwindelerregender Inflation und Zinssätzen von derzeit mehr als 30 Prozent. Der Handelsminister der Türkei, Ömer Bolat, lobte die bestehende Partnerschaft bei Wind- und Solarenergie. Er machte Hoffnung auf mehr: "Wir glauben, dass sich diese Erfolgsgeschichte in den nächsten Jahren mehrmals wiederholen wird und neue Chancen für Investoren und Technologieunternehmen in unseren Ländern schaffen wird."

Deutsch-türkisches Energieforum: Zwei Frauen, eine verdeckt von einer kleinen türkischen Flagge neben einer deutschen Flagge, die andere Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sitzen zwischen Männern, die Anzug und Krawatte tragen, auf Stuhlreihen in einem Saal. Der Mann rechts von Reiche ist der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar.
Zufriedene Gesichter: Wirtschaftsminister Katherina Reiche (li.) und der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar beim gemeinsamen EnergieforumBild: Bernd Riegert/DW

Türkei als Energie-Drehscheibe

Der deutsche Energieversorger Uniper will, laut seines mitgereisten Geschäftsführers Michael Lewis, verstärkt in die Verteilung von Erdgas und den internationalen Erdgashandel in der Türkei einsteigen. Der Europa-Chef von Siemens Energy, Frederik Doyé, sieht große Möglichkeiten beim Ausbau eines nachhaltigen Stromnetzes in der Türkei zu einer Ost-West-Verbindung zwischen Zentralasien und Europa. Die Türkei positioniert sich seit einigen Jahren als Drehscheibe für Gas, Öl und Strom in der Region, als Bindeglied zwischen dem Schwarzen Meer, dem Nahen Osten und Südosteuropa.

Russland ist größter Gaslieferant für die Türkei

Noch kommen etwa 40 Prozent des Erdgases über die Turkstream Pipeline aus Russland in die Türkei. Das sollte sich ändern, drängt die Europäische Union den EU-Beitrittskandidaten Türkei wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar deutete an, dass die Türkei im Prinzip von russischen Energielieferungen unabhängiger werden will. Konkrete Angaben machte er nicht, schloss neue Projekte mit Russland nicht aus. Für Uniper, den Gasversorger aus Deutschland, ist das russische Gas im türkischen Netz ein Problem. Um vollständig kooperieren zu können, müsste die Türkei ihr Gas so zertifizieren, dass es den EU-Sanktionen gegen Russland entspricht.

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Die Türkei ist dabei neue Quellen wie Flüssiggas-Lieferungen aus den USA per Tankschiff massiv auszubauen. Außerdem haben türkische Unternehmen damit begonnen, das erste große eigene Gasfeld im Schwarzen Meer anzuzapfen. Die Türkei bezieht traditionell auch Gas aus Aserbaidschan, das quer durch das Land in Pipelines bis in den Westbalkan, nach Südosteuropa und Italien geliefert wird. Die Mengen sollen gesteigert werden. Diversifizierung, also Auffächerung der Quellen, heißt für Energieminister Bayraktar das Zauberwort.

Zwei Rotoren einer Windkraftanlage, im Hintergrund sind Hochhäuser der türkischen Stadt Istanbul zu sehen, links zwischen Häusern und Feldern Wasser
Die Türkei setzt seit vielen Jahren auf den Ausbau der Windenergie, wie hier bei Istanbul. Deutsche Unternehmen verdienen mit. Jetzt sollen es mehr werden.Bild: IMAGO/ZUMA Wire

Blockade am Golf ist eine Lehre

Die kriegsbedingte Blockade der Straße von Hormus für wichtige Öl- und Gastransporte zeige wie gefährlich Abhängigkeit von einer Lieferkette sei, sagte Energieminister Bayraktar: "Wir als Türkei wollen mit einer immer größeren Energiemarkt-Konstellation nicht nur die eigene Sicherheit, sondern auch die Sicherheit der Energie in der Region gewährleisten. Dafür brauchen wir noch mehr Konnektivität." Diese Verbindungen und Leitungen in den Nahen Osten, nach Nordafrika und nach Europa könnten deutsche Unternehmen mitbauen, so Bayraktar. Aus der türkischen Delegation bei den Gesprächen in Ankara hieß es, die Krise rund um die Straße von Hormus könnte für die Türkei mittelfristig auch eine Chance sein. Die Regierung wolle die Türkei als sichere Alternative zum Persischen Golf für Energieinvestitionen und Kapitalanleger etablieren, sozusagen ein zweites Dubai am Bosporus.

Gasfeld vor Zypern bleibt ein Streitpunkt

Über einen Konflikt, der in der Ankara-Region schwelt, wurde zumindest öffentlich nicht gesprochen. Der Streit mit der Republik Zypern um große Gasvorkommen vor der Insel blieb unerwähnt. Die türkische Regierung beansprucht Teile des Gasfeldes für die von ihr seit mehr als 50 Jahren völkerrechtswidrig besetzte Nordhälfte der Insel Zypern. Die Republik Zypern und die Europäische Union weisen die Ansprüche der Türkei zurück. Zypern will im nächsten Jahr mit der Gasförderung beginnen und das Erdgas per Pipeline nach Ägypten schaffen, wo es verflüssigt und weiter verschifft werden soll.

Die Türkei würde das Gasfeld gerne selbst ausbeuten und in ihre diversifizierten Quellen einreihen. Der Energieminister kündigte schon vor einigen Wochen an, er wolle 2028 eine Pipeline von Zypern in einen türkischen Hafen bauen. Rein logistisch betrachtet wäre ein Gastransport aus Zypern in das türkische Netz auch sinnvoll. Denn von der Küste Zyperns bis zum nächsten türkischen Hafen sind es nur 75 Kilometer.  

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Griechenland und Türkei sind Konkurrenten

Sinnvoll, aber aus politischen Gründen nur schwer vorstellbar, wäre auch eine engere Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Griechenland bei der Energieversorgung. Stattdessen positionieren sich die rivalisierenden Staaten beide als Energie-Hub im östlichen Mittelmeer. Griechenland hat seine Kapazitäten zur Anlandung von Flüssiggas (LNG) ausgebaut. Amerikanische Unternehmen löschen ihre LNG-Ladungen auch in griechischen Häfen, von wo aus sie dann in den Westbalkan und weiter nach Mitteleuropa geliefert werden. Auch eine Verbesserung der Verbindungen in den Stromnetzen in der Region wäre eine gute Idee, heißt es in einer Studie der Zeitschrift "Internationale Politik".

Ob die deutsche Ministerin Katherina Reiche die heiklen Themen mangelnde Rechtsstaatlichkeit und Unterdrückung der Pressefreiheit angesprochen hat, blieb unklar. Vor den Gesprächen sagte sie nur, es gebe auch bei guten Partnern unerfreuliche Themen, die man aber nicht öffentlich vor Mikrofonen diskutieren würde. 

 (Die Deutsche Welle ist übrigens direkt betroffen. Ein Korrespondent steht in Ankara vor Gericht, weil er angeblich den Präsidenten und den türkischen Institutionen herabgewürdigt und irreführende Informationen verbreitet haben soll. Der Korrespondent bestreitet das. Die Intendantin der Deutschen Welle fordert ein sofortiges Ende des Verfahrens, das zeige wie kritische Stimmen gezielt zum Schweigen gebracht werden sollen. ) 

Porträt eines Mannes mit blauem Sakko und roter Krawatte
Bernd Riegert Korrespondent im Hauptstadtstudio Berlin mit Blick auf Menschen und Politik in Deutschland
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