Giuseppe Conte - der schweigende Unbekannte | Aktuell Europa | DW | 21.05.2018
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Regierungsbildung in Italien

Giuseppe Conte - der schweigende Unbekannte

Für die italienische Öffentlichkeit ist er ein unbeschriebenes Blatt, er sitzt noch nicht einmal im Parlament. Wer ist Giuseppe Conte, der Italiens neuer Ministerpräsident werden soll?

Die populistischen italienischen Parteien Fünf Sterne und Lega wollen einen Quereinsteiger aus der Wissenschaft an die Spitze ihrer geplanten Regierungskoalition stellen: Neuer Ministerpräsident soll der Rechtswissenschaftler Giuseppe Conte werden. Der 53-Jährige war bislang in der politischen Öffentlichkeit nicht in Erscheinung getreten, er sitzt nicht einmal im Parlament. 

Geboren wurde er am 8. August 1964 in dem Dorf Volturara Appula in der süditalienischen Provinz Foggia. Er studierte Jura in Rom, war an Instituten in Wien, Paris, Cambridge und New York tätig und hat einen Sohn. Derzeit lehrt er als Professor Privatrecht an der Universität Florenz. 

Dass Conte trotz tagelanger Spekulationen, er könnte Ministerpräsident der Koalition zwischen der Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega werden, nicht dem Druck der Medien nachgab und schwieg, werten die italienischen Kommentatoren als "Understatement". 

Ein guter Erklärer

"Schwer vorstellbar, zumindest bislang, dass er bei den Verhandlungen über das Defizit in Brüssel seine Füße auf den Tisch legt oder mit Frau Merkel über die Bankenunion streitet", schreibt die Wirtschaftszeitung "Il Sole 24". Seine Studenten sagen über ihren Professor, er könne wahnsinnig gut erklären, wie "La Stampa" schreibt. 

Conte will in der öffentlichen Verwaltung aufräumen und gilt als Experte im Management von krisengeschüttelten Unternehmen. Hat er früher nach eigener Aussage links gewählt, kam vor vier Jahren der erste Kontakt mit der Fünf-Sterne-Protestbewegung zustande. Er bezeichnete die Partei von Luigi Di Maio als "wunderbares, unglaubliches, politisches Labor" und war bereits vor der Wahl als Minister für Öffentliche Verwaltung und Bürokratieabbau für das Schattenkabinett der Sterne vorgesehen.

Der Whatsapp-Account des 54-Jährigen trägt italienischen Medien zufolge das Foto des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy inklusive des Zitats: "Jede Errungenschaft beginnt mit der Entscheidung, es zu versuchen." 

stu/kle (dpa, afp)