Gewalt gegen Frauen nimmt zu | Aktuell Deutschland | DW | 23.11.2021
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Deutschland

Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Jede Stunde werden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Das geht aus der jüngsten Statistik des Bundeskriminalamts hervor.

Kriminalistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt

Ministerin Christine Lambrecht (r.) rief Betroffene dazu auf, Hilfsangebote wahrzunehmen

Die Zahl der angezeigten Gewalttaten unter Paaren und Ex-Partnern ist 2020 noch stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Laut einer aktuellen Kriminalstatistik zur Partnerschaftsgewalt registrierten die deutschen Behörden im vergangenen Jahr bundesweit 146.655 Fälle, in denen ein aktueller oder ehemaliger Partner Gewalt ausübte oder dies versuchte. Das entspricht einem Anstieg um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und das Familienministerium verwiesen indes auf eine hohe Dunkelziffer. "Die meisten Straftaten geschehen in den privaten vier Wänden, im Verborgenen", stellte BKA-Präsident Holger Münch bei der Präsentation der Zahlen fest. Jede Stunde würden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften, erläuterte Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht die Statistik. Alle zweieinhalb Tage werde eine Frau durch eine Gewalttat ihres Partners oder Ex-Partners getötet. "Das dürfen wir nicht länger zulassen, wir müssen da ganz klare Kante zeigen", forderte die SPD-Ministerin.

139 Frauen und 30 Männer wurden von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner getötet. Wenn sich jemand bei der Polizei meldete, ging es meistens - in 61,6 Prozent der Fälle - um vorsätzliche einfache Körperverletzung. Bedrohung, Stalking oder Nötigung wurden deutlich seltener angezeigt. Weitere Delikte, die diese Statistik erfasst, sind unter anderem gefährliche Körperverletzung, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution, Mord und Totschlag.

Wer sind die Täter? Wie die Daten des BKA zeigen, geht die Gewalt nach wie vor zum überwiegenden Teil von Männern aus. Der Anteil weiblicher Tatverdächtiger ist in den vergangenen Jahren jedoch leicht gestiegen - auf nun 20,9 Prozent.

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Hinsehen und handeln - Gewalt gegen Frauen verhindern

Von den erfassten Tätern sind rund 34 Prozent Ausländer. Hier fällt auf, dass der Anteil der Männer bei den syrischen Tatverdächtigen mit 91,5 Prozent und bei den türkischen Verdächtigen mit 88,3 Prozent überdurchschnittlich ist, während der Anteil männlicher polnischer Tatverdächtiger mit 74,2 Prozent unter dem Durchschnitt aller männlichen Tatverdächtigen liegt.

Hinsichtlich der Frage, ob die Corona-Lockdowns im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Gewalt in Partnerschaften geführt habe, ergab sich nach Angaben von BKA-Präsident Münch kein eindeutiges Bild. Im April und Mai sei ein Anstieg der Taten zu beobachten gewesen, während die Zahl der Delikte im November und Dezember rückläufig gewesen sei.

Studie soll Situation im Lockdown beleuchten

Ein Grund hierfür könnte nach Einschätzung des Familienministeriums die Situation im Lockdown sein, die es Betroffenen erschwert habe, Anzeige zu erstatten. Das Ausmaß von Partnerschaftsgewalt könne sich daher sogar erhöht haben, ohne sich bislang in polizeilich registrierten Fällen niederzuschlagen.

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Gegen Femizide in Deutschland (1.4.2021)

Lambrecht  betonte, es könne bezüglich der befürchteten Zunahme der Partnerschaftsgewalt während der Pandemie keine Entwarnung gegeben werden. "Wir brauchen mehr Informationen, wir brauchen mehr Zahlen darüber, was tatsächlich ist", sagte sie. Eine entsprechende Studie werde derzeit vorbereitet.

Die Ministerin rief Betroffene dazu auf, Hilfsangebote wahrzunehmen: "Äußert Euch, raus aus dem Tabu, Ihr seid nicht allein." Das Hilfstelefon "Gewalt gegen Frauen" verzeichnete im vergangenen Jahr einen Anstieg der Anrufzahlen um 15 Prozent. Insgesamt seien 51.400 Beratungen erfolgt, sagte die Leiterin des Hilfstelefons, Petra Söchting. Im Zuge des ersten Lockdowns sei eine deutliche Zunahme zu beobachten gewesen. Die gestiegene Zahl der Anrufe habe aber auch damit zu tun, dass seit Beginn der Corona-Pandemie verstärkt auf das Hilfstelefon hingewiesen worden sei.

uh/sti (dpa, afp, epd, kna)

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