"Getrennt durch ICE" gewinnt World Press Photo Award
Krieg, Klimawandel, Hoffnung: Die Bilder des World Press Photo Contest zeigen die Realität unserer Zeit - eindringlich, persönlich, oft erschütternd. Hier einige Siegerfotos aus den verschiedenen Weltregionen.

USA - Getrennt durch ICE
Die Töchter einer ecuadorianischen Familie klammern sich verzweifelt an ihren Vater, als dieser nach einer Anhörung vor US-Einwanderungsbehörden abgeführt wird. Die vierfache Pulitzer-Preisträgerin und Fotojournalistin Carol Guzy hielt diesen erschütternden Moment fest – und wurde dafür mit dem "World Press Photo Award" ausgezeichnet.
Gaza - Leben im Ausnahmezustand
Eine Familie bricht ihr Ramadan-Fasten in den Trümmern ihres Hauses. Ein fast friedlicher Augenblick inmitten von Chaos, Zerstörung, Hunger und anhaltender Gewalt, die den Alltag in Gaza prägen. Journalisten vor Ort dokumentieren die Lage unter großer Gefahr. Saher Alghorra hat für die New York Times den Moment festgehalten, in denen sich die Familie ein Stück Leben zurückholt.
Australien - Mut im Moment der Gewalt
Eine Polizistin unter Schock, fotografiert von Edwina Pickles für den Sydney Morning Herald: Zwei Islamisten erschossen bei einem Anschlag auf das jüdische Fest "Chanukah by the Sea" am Bondi Beach 15 Menschen. Zu den ersten Opfern gehörten Boris und Sofia Gurman, ein jüdisches Paar aus der Ukraine. Sie wurden getötet, als sie versuchten, einen der Täter zu entwaffnen.
Ukraine - Krieg und neue Technologien
Der Krieg in der Ukraine verändert die moderne Kriegsführung. Drohnen werden zu Waffen umgebaut, ferngesteuert über große Distanzen. Hier rüsten zwei Soldaten eine Drohne mit einer Granate aus. Das Foto von David Guttenfelder (The New York Times) lebt von seinen Gegensätzen: Die tätowierte Raubkatze auf dem Handrücken neben dem Ehering, eine tödliche Präzisionswaffe und eine kleine blaue Blume.
Philippinen - Hochzeit im Ausnahmezustand
Das Brautpaar küsst sich im Hochwasser, während die Gäste jubeln. Trotz Taifun und Überschwemmung entschieden sie sich, ihre Hochzeit nicht abzusagen. In einer Region, die zunehmend von extremem Wetter als Folge des Klimawandels betroffen ist, wird dieser Moment zu einem Zeichen von Liebe und Widerstandskraft, festgehalten von Fotograf Aaron Favila (Associated Press).
Brasilien - Gewalt und ihre Folgen
Verdächtige nach einer groß angelegten Polizeiaktion gegen eine Drogengang in Rio de Janeiro, fotografiert von Eduardo Anizelli (Folha de S.Paulo). Die größte Operation der Landesgeschichte mit mindestens 64 Todesopfern traf vor allem die Favelas, arme, afrobrasilianische Viertel. Die Polizei schreitet immer wieder mit großer Härte ein, weil sie dort versteckte Kriminelle vermutet.
Arktis - Klimawandel und neue Realitäten
Eine Eisbärin frisst an einem Pottwal-Kadaver im Packeis nördlich von Spitzbergen, wo sich die eisfreie Zeit in den letzten Jahrzehnten deutlich verlängert hat. Der Wal geriet vermutlich durch Strömungen dorthin. Mit dem Rückgang des Eises verändern sich Lebensräume und Nahrungsquellen, auch für Eisbären, die sonst Robben jagen. Roie Galitz beobachtete die Szene über mehrere Tage mit einer Drohne.
Spanien - Feuer als neue Normalität
Die Luftaufnahme von Brais Lorenzo (EFE/Revista 5W/El País) zeigt den Ort San Vicente de Leira, schwer gezeichnet vom verheerenden Larouco-Waldbrand. Dürre, Hitze und veränderte Landnutzung verstärken die Brände - ganze Regionen geraten regelmäßig in Gefahr. 2025 war ein Rekordjahr für Waldbrände in Europa. Allein in der spanischen Provinz Galizien brannten über 200.000 Hektar.
Deutschland - Neue Technologien gegen Einsamkeit
Deutschlands Pflegeheime kämpfen mit Personalmangel, ihre Bewohner mit Einsamkeit. Deshalb werden Roboter wie "Emma" getestet, die sich an Gesichter und vorherige Gespräche erinnern. Fotografin Paula Hornickel hat Waltraud und den Roboter dabei beobachtet, wie sie trotz Waltrauds anfänglicher Skepsis eine Beziehung aufgebaut haben. Doch menschlicher Kontakt bleibt für die Seniorin unersetzlich.
Marokko - Tradition und weiblicher Aufbruch
Reiterin Noura versucht, ihr Pferd nach dem Schuss unter Kontrolle zu bringen - der gefährlichste Moment der Tbourida, festgehalten von Chantal Pinzi. Die jahrhundertealte Reitertradition, die zum UNESCO-Welterbe zählt, war lange nur Männern vorbehalten. Heute erkämpfen sich Frauen mit Mut und Ausdauer ihren Platz. Inzwischen gibt es sieben reine Frauengruppen unter rund 300 Tbourida-Formationen.
Südafrika - neue Chancen für alle
Junge Tänzerinnen warten hinter der Bühne im Soweto Theatre auf ihren Auftritt. Während der Apartheid war Ballett nur für weiße Eliten zugänglich. Heute bietet die Joburg Ballet School vergünstigten Unterricht für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen an. Hat Fotograf Ihsaan Haffejee (GroundUp) damit Chancen auf den World Press Photo Award? Das entscheidet sich am 23. April in Amsterdam.