″German Dream″ schickt Wertebotschafter für die Demokratie durchs Land | Kultur | DW | 09.06.2019
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Bildungsinitiative

"German Dream" schickt Wertebotschafter für die Demokratie durchs Land

Eine Journalistin hat ein Bildungsprojekt gestartet, das sich für die Grundwerte der Demokratie in Deutschland stark macht. Models, Künstler und Manager gehen als Wertevermittler in Schulen – ein Dialog auf Augenhöhe.

Vorstellung der Bildungsinitiative German Dream in Berlin, mit Moderatorin Pinar Atalay, Lars Klingbeil (SPD), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Initiatorin Düzen Tekkal, Linda Teuteberg (FDP), Cem Özdemir (Grüne) und Schülerin Lara-Sophie Koroll (Foto: Dorothee Nolte)

Vorstellung der Bildungsinitiative German Dream in Berlin, mit Moderatorin Pinar Atalay, Lars Klingbeil (SPD), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Initiatorin Düzen Tekkal, Linda Teuteberg (FDP), Cem Özdemir (Grüne) und Schülerin Lara-Sophie Koroll

Demokratie ist ein lebendiger Kosmos, wie die bis heute andauernde Debatte um das umstrittene Video des Youtubers Rezo gezeigt hat. Und Demokratie lebt auch von der persönlichen Haltung und der mutigen Meinungsäußerung mündiger Bürger. Um diese freiheitliche Wertegemeinschaft der Demokraten in Deutschland zu stärken, hat die Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal eine neue Bildungsinitiative gestartet.

Düzen Tekkal, Autorin und Journalistin (DW)

Initiatorin Düzen Tekkal

"German Dream" ist der Titel, eine Idee, die sie bewusst an die vielzitierte "German Angst" angelehnt hat. "Es gibt ein Kapitel in meinem Buch, das ich 2016 veröffentlicht habe ("Deutschland ist bedroht. Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen", Berlin Verlag, Anm.d.Red.) das heißt "German Dreams", erzählt sie im DW-Interview. "Ich habe mich auch deshalb für diesen Bezug zur "German Angst" entschieden, weil das einer der wenigen Begriffe ist, die mittlerweile auch international in den englischen Sprachgebrauch übergegangen sind.

YouTuber Rezo lächelnd, mit blauen Haaren und Kappe (picture-alliance/dpa/Privat)

Entfachte eine lebhafte Debatte über die Demokratie: Youtuber Rezo

"German Dream" richtet sich an Jugendliche aller Schichten

Tekkal, Jahrgang 1978 und deutsche Literatur- und Politikwissenschaftlerin mit kurdisch-jesidischen Wurzeln, gilt als einer der profiliertesten Expertinnen zum Thema Migration und Salafismus. Häufig ist sie als eloquenter Gast in TV-Talkshows und Diskussionsrunden zu sehen. Als langjähriges CDU-Mitglied war sie 2016 für ein Amt im Schattenkabinett der rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner im Gespräch.

Tekkal kennt die deutsche Medienlandschaft gut. Den Start ihrer Bildungsinitiative präsentierte sie öffentlichkeitswirksam mit einem prominenten Podium in Berlin. Souverän geführt von Tagesthemen-Moderatorin Pina Atalay diskutierten auf dem Podium CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und der Ex-Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir über die Chancen, die das neue Bildungsprojekt "German Dream" eröffnet könnte.

CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer kratzt sich am Kopf (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

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Fragwürdiges Selbstbild vieler Deutschen

Nach ihrem Studium in Hannnover hatte Düzen Tekkal eine journalistische Laufbahn begonnen. Als Reporterin und Redakteurin beim Privatsender RTL arbeitete sie u.a. auch für Sendeformate wie "Stern TV" und "Spiegel TV". Viele ihrer Reportagen und Dokumentationen liefen bei ARD und ZDF und wurden mit Preisen ausgezeichnet. 2010 bekam sie für ihre TV-Reportage "Angst vor den neuen Nachbarn" den Bayerischen Fernsehpreis. 2016 folgte der Courage-Preis des Deutschen Journalistinnenbundes.

Bei ihren journalistischen Recherchen habe sie häufig erlebt, wie negativ die Selbsteinschätzung der Deutschen war. "Da habe ich gemerkt, dass es immer um das Selbstbild der Deutschen geht, mit Herausforderungen umzugehen. Und dass es da eigentlich kein positives Selbstbild gibt: von einem Deutschland der Chancen, von einem Land der Möglichkeiten, von einem Land, in dem es auch möglich ist, dass Träume erfüllt werden können. Und dass es darum geht, das auch in seiner Vielfalt aufzuzeigen."

Viergespann auf dem Brandenburger Tor vor der Kuppel des Reichstags (picture-alliance/blickwinkel/M. Haddenhorst)

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Start einer parteiübergreifenden Initiative

Das Konzept für ihr parteiübergreifendes Bildungsprojekt, für das Düzen Tekkal auch Prominente wie die Schauspielerin Katja Riemann gewinnen konnte, ist relativ einfach: "Wertebotschafter", wie die Journalistin sie nennt, aus Politik, Wirtschaft und Kultur gehen in deutsche Schulen und suchen dort mit Jugendlichen und Jungwählern das Gespräch – über unsere Demokratie, über den Wert des Grundgesetzes, das in diesem Jahr 70 Jahre alt wird und über ihre eigenen Biografien.

Ein Gespräch auf Augenhöhe sollte sich entwickeln, so der Wunsch von Tekkal, über Generationen und unterschiedlichen Bildungsgrad hinweg " Ich glaube schon, dass wir in Deutschland die Empfänger und die "Bedenkenträger" mehr lieben, als die Ideengeber und Absender. Aber ich finde, dass wir auch stolz sein dürfen auf bestimmt Errungenschaften, auf unser Grundgesetz, auf das Frauenwahlrecht und auf unsere Demokratie", erklärt sie im DW-Gespräch.

Das Brandenburger Tor in Berlin, blaue Ballons steigen auf zur Feier von 70 Jahren Grundgesetz (DW/C. Albrecht)

70 Jahre Grundgesetz: Es gibt allen Grund, stolz zu sein.

"Wir müssen allen die Hand reichen"

Wichtig sei ihr, dass es bei diesem Austausch kein politisches Abkanzeln von oben herab geben dürfe, so wie die etablierten Parteien gegenüber dem aufmüpfigen Youtuber Rezo aufgetreten seien. "Ich glaube an die Macht der Begegnung", betont Tekkal, die bewusst Schüler als junge "Wertebotschafter" mit in ihr Projekt geholt hat.

Sie sei auch stolz auf die Gedächniskultur, die sich in Deutschland etabliert habe. "Für die müssen wir uns nicht verstecken." Um sich in der Geschichtsschreibung der Bundesrepublik zu verewigen, hat sie nicht nur ein vielbeachtetes Buch geschrieben, sondern auch den Hashtag #GermanDream im Netz etabliert.

Die neue Bildungsinitiative richte sich an alle Jugendlichen in Deutschland, auch die aus Zuwanderer-, Flüchtlings- und Gastarbeiterfamilien. "Wir müssen allen die Hand reichen", sagte Düzen, die mit ihren kurdischen Eltern und zehn Geschwistern aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet war, fröhlich-optimistisch bei der Vorstellung in Berlin. Sie möchte jungen Menschen Mut machen, sich für unsere freiheitlich-demokratischen Grundwerte aktiv einzusetzen. "Es ist schließlich ein Privileg, in diesem Land zu leben", ergänzte Grünen-Politiker Cem Özdemir, der auch persönlich in Schulen gehen wird.

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