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"Gefahr für den Weltfrieden": Kein Vertrauen mehr in die USA

11. Februar 2026

2016 war das Vertrauen der Deutschen in die USA als transatlantischer Partner auf einem Allzeithoch. Heute, zehn Jahre später, ist davon kaum noch etwas übriggeblieben. Das hat viel mit der Person im Oval Office zu tun.

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Donald Trump
Immer wieder neue Ankündigungen von Donald Trump verunsichern die Menschen in DeutschlandBild: Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Schärfer könnte der Kontrast kaum sein: Als Barack Obama 2009 in das Weiße Haus einzog, löste er in Deutschland eine Welle der Begeisterung aus, die inzwischen fast surreal wirkt. Nach den Spannungen der Bush-Ära schnellten seine Vertrauenswerte in die Höhe: 93 Prozent der Deutschen trauten ihm einer Umfrage des Pew Research Centers zufolge zu, "in der Weltpolitik das Richtige zu tun". Das ist bis heute ein Rekordwert.

Selbst 2016, zum Ende seiner zweiten Amtszeit, vertrauten ihm noch außergewöhnliche 86 Prozent der Deutschen. Die USA galten unter ihm als verlässlicher Partner und moralisches Vorbild, auch wenn Skandale wie die NSA-Affäre rund um die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden einen Schatten auf das Verhältnis warfen.

Barack Obama winkt in eine große Menschenmenge.
Bei seinem Berlin-Besuch 2008 gefeiert wie ein Popstar: Ex-US-Präsident Barack ObamaBild: Markus Schreiber/AP Photo/picture alliance

"Trump-Schock" und Imagetief

Doch schon mit Donald Trumps erstem Wahlsieg im Jahr 2016 kollabierten diese Werte. Innerhalb kürzester Zeit sank in Deutschland das Vertrauen in den US-Präsidenten auf einen Bruchteil: Nur rund zehn Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage schenkten ihm gegen Ende seiner ersten Amtszeit noch das Vertrauen.

Ebenso drastisch zeigt sich der Unterschied nach seinem erneuten Wahlsieg. Während unter Joe Biden die Mehrheit der Deutschen das Verhältnis zu den USA positiv sah, erklärten im ZDF-Politbarometer Mitte 2025 satte 73 Prozent der Deutschen, die Beziehungen seien "schlecht". In einer neuen repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts sehen mittlerweile sogar rund zwei Drittel der Befragten neben Russland und China auch in den USA "eine der größten Gefahren für den Weltfrieden."

Unzuverlässiger NATO-Partner?

Die Erosion der Zustimmungswerte hat viel mit der Person Donald Trumps zu tun, aber auch mit einem radikalen Kurswechsel der US-Politik auf mehreren Ebenen. Trumps demokratische Vorgänger Obama und Joe Biden hatten stets auf NATO und EU als verlässliche Bündnispartner gesetzt und die Gemeinsamkeiten betont.

Donald Trump hingegen pocht viel stärker auf eine größere Eigenleistung und höhere Verteidigungsausgaben der Europäer, wenn es um ihre eigene Sicherheit geht. In den Ukraine-Verhandlungen haben die USA unter Trump ihre europäischen Partner mehrfach brüskiert. Auch der Streit um Grönland lässt die USA hierzulande zunehmend als unberechenbaren Akteur erscheinen.

Die teils aggressive Rhetorik des US-Präsidenten hat diesen Eindruck zusätzlich verschärft. Schon bei einer Wahlkampfveranstaltung im Februar 2024 hatte Trump erklärt, er würde NATO-Partnern, die nicht genug in ihre Verteidigung investieren, im Falle eines russischen Angriffs keinen Schutz gewähren. Stattdessen würde er Russland in einem solchen Fall sogar dazu "ermutigen", zu tun, "was immer es wolle."

Donald Trump mit ernstem Blick
Auf Konfrontation mit den Europäern? US-Präsident Donald TrumpBild: Getty Images/W. McNamee

Bei den Deutschen haben derartige Aussagen nachdrücklichen Eindruck hinterlassen. Dass die USA militärische Hilfe leisten würden, wenn ein europäischer NATO-Staat angegriffen würde, glaubt mittlerweile kaum noch ein Drittel (32 Prozent) der Menschen hierzulande.

Zollstreit zwingt Unternehmer zum Umdenken

Auch Trumps aggressive Zoll- und Wirtschaftspolitik hat bereits tiefe Spuren hinterlassen. Für den Großteil aus der EU importierter Waren gilt ein Zollsatz von 15 Prozent. Bei Stahl und Aluminium liegt er sogar bei 50 Prozent. Dies trifft auch deutsche Unternehmen hart. Deren Exporte in die USA sind 2025 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als neun Prozent gesunken.

Ihre Direktinvestitionen in den USA haben deutsche Unternehmen zwischen Februar und November 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um rund 45 Prozent reduziert, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergab. Weitere Zolldrohungen, etwa im Zuge des Grönland-Konfliktes, sorgen für zusätzliche Verunsicherung.

"Die Geschäftsbedingungen haben sich insgesamt signifikant verschlechtert", erklärte Roland Rohde, US-Experte von Germany Trade and Invest, einer Art deutscher Wirtschaftsförderungsagentur, gegenüber der DW. "Die Stimmung unter deutschen Unternehmen hat sich auf das Gesamtjahr betrachtet deutlich eingetrübt." Zwar wenden sich deutsche Unternehmen nicht generell von den USA als Absatzmarkt ab, sie meiden jedoch aufgrund der unvorhersehbaren Handelspolitik derzeit größere Investitionen in den USA.

Tourismus und Austauschprogramme brechen ein

Trumps knallharte Migrationspolitik und die deutlich verschärften Einreisebestimmungen haben darüber hinaus viele deutsche Urlauber abgeschreckt. Zwar bleiben die USA noch immer das beliebteste deutsche Reiseziel außerhalb Europas. Jedoch flogen von Januar bis Juli 2025 nur noch knapp 780.000 deutsche Touristen dorthin, rund zwölf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. "Die USA haben eine Markenwahrnehmung und stehen für Freiheit sowie Individualität", erklärte der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt im Magazin Wirtschaftswoche. "Urlauber wollen aber nicht zu spüren bekommen, dass die Nationalgarde durch Los Angeles läuft und Razzien gegen Immigranten stattfinden."

Teils mit Sturmgewehren bewaffnete Mitglieder von Nationalgarde und Marines drängen Demonstranten zurück.
Nicht gerade ein Touristenmagnet: US-Nationalgardisten im Einsatz in Los AngelesBild: Noah Berger/AP Photo/picture alliance

US-Pläne, nach denen ausländische Touristen bei einer Einreise in die USA künftig ihre Online-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre offenlegen müssen, sowie mehrere Berichte über deutsche Touristen, die sich  plötzlich in US-Abschiebehaft befunden haben, schrecken viele Menschen zusätzlich ab. So ist auch die Zahl der Bewerbungen für Schüleraustausche mit den USA deutlich zurückgegangen. Einige Anbieter meldeten gar Einbrüche um bis zu 50 Prozent.

Kein irreparabler Bruch?

Der Vertrauensverlust der Deutschen in die USA ist also auf mehreren Ebenen enorm. Und doch muss er nicht endgültig sein, wie ein Blick auf die historische Entwicklung der Zustimmungswerte zu den jeweiligen US-Präsidenten der vergangenen 20 Jahre zeigt. Während diese bei den republikanischen Präsidenten Bush und Trump extrem niedrig waren, schnellten sie direkt nach der Wahl der Demokraten Obama und Biden auch wieder in die Höhe. Ein Wechsel im Oval Office, zumindest aber eine deutlich europafreundlichere Politik in Washington könnte verlorengegangenes Vertrauen möglicherweise auch schnell wieder zurückbringen.

Thomas Latschan Bonn 9558
Thomas Latschan Langjähriger Autor und Redakteur für Themen internationaler Politik