Gefährlicher Löscheinsatz bei Tschernobyl | Aktuell Europa | DW | 11.04.2020
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Ukraine

Gefährlicher Löscheinsatz bei Tschernobyl

Immer noch kämpfen Feuerwehrleute gegen die Flammen im Umland des havarierten Atomkraftwerks von Tschernobyl. Eine Woche nach dem Ausbruch der Brände gibt es keine wesentlichen Erfolge zu vermelden.

Ukraine Waldbrände bei Tschernobyl (Getty Images/AFP/V. Shuvayev)

Bild aus dem Brandgebiet von Karfreitag

Mit Unterstützung von Flugzeugen und Hubschraubern versuchen mehr als 300 Einsatzkräfte die Flammen in der seit Jahrzehnten verstrahlten Katastrophenregion einzudämmen. Nach Angaben der Regionalverwaltung wurden die Grenzwerte für radioaktive Strahlung in den angrenzenden besiedelten Gebieten bislang nicht überschritten. 

Zum aktuellen Ausmaß der Brände machten die Behörden keine Angaben. Sie verwiesen lediglich auf Satellitenbilder vom vergangenen Sonntag, wonach ein Gebiet von etwa 2400 Hektar innerhalb des Sperrgebiets in Flammen gestanden habe. 

Flammen fressen sich immer tiefer in den Wald hinein 

Die Umweltorganisation Greenpeace hat Satellitenbilder ausgewertet, die belegen, dass statt einiger Dutzend Hektar allein in der Sperrzone bis zu 20.000 Hektar und damit knapp sieben Prozent des gesamten Gebietes brennen.

Ukraine Waldbrände bei Tschernobyl (Reuters/O. Syrota)

Dichter Rauch über der Straße Richtung Süden

Auch die Menschen in Kiew schauen seit Tagen immer besorgter aus dem Fenster. Die Hauptstadt der Ukraine liegt nur knapp 100 Kilometer von der Kraftwerksruine Tschernobyl entfernt. Doch selbst dort riecht es in den Straßen nach Rauch. Ein längst verdrängter atomarer Alptraum drängt sich mit aller Macht in das Bewusstsein der Ukrainer zurück. Viele fragen sich, wie gefährlich die Brände in der Sperrzone wirklich sind.

Beton-Sarkophag der Atomruine in Rauch gehüllt

Der Leiter der Umweltbehörde, Jegor Firssow, schrieb schon vor Tagen auf Facebook: "Es gibt schlechte Neuigkeiten - im Zentrum des Feuers ist die Radioaktivität über der Norm." Umweltschützer warnen, denn aufgewirbelte radioaktive Teilchen könnten vom Wind kilometerweit getragen werden. In Kiew versuchten die Behörden, den morgendlichen Smog zunächst mit dem Wetter zu erklären. Ältere Einwohner fühlten sich aber an den April 1986 zurückerinnert, als Block vier des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl explodierte. Tagelang hielten die Behörden damals das wahre Ausmaß der Katastrophe geheim. 

Ukraine Waldbrände bei Tschernobyl (Getty Images/AFP/V. Shuvayev)

Tragisch schöne Aussicht im Brandgebiet

In den vergangenen Jahren war es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten rund um die Atomruine gekommen. Als Ursache wurde immer wieder Brandstiftung vermutet. Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte einen leichtfertigen Umgang mit Feuer: "Ich möchte mich an die Bürger wenden, denen es egal ist. Die Rede ist von jenen, die im 21. Jahrhundert Gras anbrennen und damit schreckliche Feuer verursachen", sagte er in einer Fernsehansprache. 

Nach der Katastrophe 1986 wurden radioaktiv belastete Landstriche gesperrt. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Die atomare Wolke reichte bis in den Westen Europas. Seit mehreren Jahren ist das Gebiet aber für geführte Touristentouren zugänglich. 

hf/qu (dpa, afp)

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