Gastkommentar: Deutschland als Vorbild für Korea? | Asien | DW | 27.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Außenminister Maas in Ostasien

Gastkommentar: Deutschland als Vorbild für Korea?

Außenminister Maas besucht Südkorea. Unvermeidliches Thema ist die Wiedervereinigung. Können die Koreaner wirklich von Deutschland lernen? Nur bedingt, meint Peter Sturm von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Wenn südkoreanische und deutsche Politiker einander besuchen, wird seit fast 30 Jahren ein Thema immer wieder bemüht: die Wiedervereinigung und wie man sie am besten bewerkstelligt. Die Parallelen zwischen beiden Ländern sind auf den ersten Blick einsichtig. Und so fühlte sich Außenminister Heiko Maas bei seinem Besuch an der innerkoreanischen Grenze natürlich an das erinnert, was in Deutschland heute ein Naturraum ganz eigener Art ist und (glücklicherweise) "grünes Band" heißt, die ehemalige innerdeutsche Grenze.

Unterschiede überwiegen

Aber man kann die Erfahrungen und Irrtümer Deutschlands im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung nicht einfach auf Korea übertragen. Deshalb können deutsche Politiker, Wissenschaftler und andere zwar erzählen, wie es hierzulande war. Aber sie sollten sich nicht zu Ratgebern aufschwingen. Denn bei näherem Hinsehen überwiegen im heutigen Korea die Unterschiede zu Deutschland im Jahre 1989 eindeutig die Parallelen. Der wichtigste Unterschied im bilateralen Verhältnis der beiden Koreas ist das deutlich niedrigere Maß an Kontakten. Deutsche konnten 1989 auf mehr als zehn Jahre intensive Reisekontakte – zumindest von West nach Ost – zurückblicken, die trotz aller Unterschiede viel zum gegenseitigen Verstehen beigetragen haben. Davon ist Korea meilenweit entfernt.

Treffen Regierungschefs Süd- und Nordkorea (picture-alliance/AP Photo/South Korea Presidential Blue House)

Noch liegen Nord- und Südkorea in vielen Dingen weit auseinander

Auch die internationale Dimension ist in Korea komplizierter als einst in Deutschland. Die DDR-Führung versuchte zwar, sich durch Muskelspiele von der Führungsmacht Sowjetunion zu distanzieren. Aber letztlich waren die Machtverhältnisse im Ostblock glasklar. Auf wen aber hört Kim Jong-un? Zwar versucht China, wieder einen Fuß in die nordkoreanische Tür zu bekommen. Aber wirklich Vorschriften machen kann Peking Nordkorea nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass Nordkorea – im Unterschied zur DDR – über Atomwaffen verfügt und sich allein deshalb in einer eigenen weltpolitischen Liga wähnt.

Langer Atem gefragt

Südkorea versucht, kleine Lücken in die Mauer zu schlagen, die Nordkorea in Jahrzehnten um sich errichtet hat. Das wird nicht ohne Rückschläge abgehen. In dieser Hinsicht haben die Deutschen viele Erfahrungen gesammelt. Diese können sie mit ihren Freunden in Fernost teilen. Die Lage in Korea verlangt von allen Beteiligten ein gewaltiges Maß an Frustrationstoleranz.

Sie können unterhalb dieses Artikels einen themenbezogenen Kommentar abgeben. Wir freuen uns auf Ihre Meinungsäußerung!

Die Redaktion empfiehlt