Friedensnobelpreisträger John Hume gestorben | Aktuell Europa | DW | 03.08.2020
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Nordirland

Friedensnobelpreisträger John Hume gestorben

1998 hatte er die Auszeichnung erhalten - wenige Monate nach Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens. Der gemäßigte katholische Nationalist hatte sich für ein Ende des Nordirlandkonflikts eingesetzt.

Der Politiker und Friedensnobelpreisträger John Hume ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Hume gehörte zu den prägenden Gestalten Nordirlands, das zum Vereinigten Königreich zählt. Jahrelang führte er als Vorsitzender die mehrheitlich katholische Social Democratic and Labour Party (SDLP), die sich für die friedliche Wiedervereinigung Irlands einsetzt. Gemeinsam mit dem Konservativen David Trimble von der unionistischen Ulster Unionist Party (UUP) war Hume an der Aushandlung des Karfreitagsabkommens von 1998 beteiligt, mit dem der blutige Nordirlandkonflikt überwunden wurde.

Jahrzehntelang hatten mehrheitlich katholische Befürworter einer Vereinigung mit der Republik Irland den überwiegend protestantische Unionisten gegenübergestanden, die sich London verbunden fühlten. Die katholische Irisch-Republikanische Armee (IRA) kämpfte gewaltsam gegen protestantische paramilitärische Gruppen; auch zahlreiche Zivilisten wurden bei Anschlägen getötet. Insgesamt starben mehr als 3000 Menschen. 2005 legte die IRA offiziell die Waffen nieder.

USA | Ex-Präsident Bill Clinton zu Besuch in Ireland | John Hume (Getty Images/WPA/J. Behal)

John Hume mit seiner Frau und dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton (Archivbild)

Hume, der als ältestes von fünf Kindern in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, arbeitete zunächst als Lehrer, engagierte sich aber früh für öffentliche Belange. 1969 zog er als Abgeordneter in das nordirische Parlament ein. Im gleichen Jahr flammte der Nordirlandkonflikt auf. Wenig später gehörte Hume zu den Mitbegründern der SDLP. Als Verehrer von Martin Luther King und Mahatma Gandhi trat er für absolute Gewaltlosigkeit ein und lehnte die Militanz der IRA ab.

Diplomatie hinter verschlossenen Türen

Mit großer Ausdauer verfolgte der Katholik das Ziel einer Aussöhnung - oft auch hinter verschlossenen Türen. 1993 bestätigte Hume geheime Gespräche mit Gerry Adams, dem Chef der Sinn-Fein-Partei, also des politischen Arms der IRA. Einer Aussöhnung der verfeindeten Lager bahnte er mit diesen Verhandlungen den Weg, indem sie zu einem bedingungslosen Waffenstillstand der IRA beitrugen.
1997 unterzeichnete Adams für die Sinn Fein ein Gewaltverzichtsabkommen. 1998 wurde nach zähen Verhandlungen das sogenannte Karfreitagsabkommen vorgelegt, das auch von der protestantischen Ulster Unionist Party (UUP) unter Trimble mit großer Mehrheit akzeptiert wurde.

jj/kle (dpa, afp, munzinger)

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