Französische Justiz knöpft sich Lafarge vor | Aktuell Europa | DW | 28.06.2018
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Vorwurf der IS-Finanzierung

Französische Justiz knöpft sich Lafarge vor

Die französische Justiz eröffnet ein Verfahren gegen den Zementhersteller Lafarge wegen Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg. Das Unternehmen rechtfertigt sich: Der Betrieb des Werks sollte weiterlaufen.

Frankrreich - Ermittlungsverfahren gegen lafarge wegen IS-Finanzierung in Syrien (Foto: Getty Images/AFP/D. Souleiman)

Die Terrormilizen sollen rund 12 Millionen Euro erhalten haben

Der Druck auf den französischen Zementhersteller Lafarge SA wächst. Wegen des Verdachts auf Finanzierung syrischer Extremisten leitete die französische Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen den international tätigen Konzern ein. Die Vorwürfe: "Finanzierung terroristischer Aktivitäten", "Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und "Gefährdung des Lebens anderer".

Das lokale Zementwerk in der Stadt Dschalabija soll Schutzgelder an Dritte, unter anderem an die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) gezahlt haben. Durch die ausgehandelten Absprachen mit den bewaffneten Gruppen sollte die Produktion trotz des Syrien-Krieges weiter gewährleistet werden. Das Werk liegt im Norden des Landes, rund 60 Kilometer westlich von Manbidsch.

Verstoß gegen EU-Sanktionen

Neben den mutmaßlich gezahlten Schutzgeldern soll der Konzern den Extremisten Öl abgekauft und damit gegen EU-Sanktionen verstoßen haben. Insgesamt sollen zwischen 2011 und 2015 rund zwölf Millionen Euro geflossen sein.

Die Klage gegen die Zementgruppe Lafarge, die 2015 mit dem Schweizer Baustoffkonzern Holcim fusionierte, wurde von zwei Nichtregierungsorganisationen ins Rollen gebracht, der französischen Sherpa und dem in Berlin ansässigen European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR). Die beiden NGOs nannten die laufenden Ermittlungsverfahren gegen Lafarge SA eine "historische Entscheidung" und sprachen von einem "Meilenstein im Kampf gegen die Straflosigkeit von Unternehmen, die Geschäfte in Kriegs- und Konfliktregionen treiben".

Laut Unternehmensangaben untersuchen die Ermittler Aktivitäten von 2011 bis 2014. LafargeHolcim sicherte den Behörden seine volle Kooperation zu. Die Vorwürfe der Justiz seien teils nicht gerechtfertigt. Deshalb werde man gegen Anschuldigungen Rechtsmittel einlegen.

Verfahren gegen Verantwortliche laufen

Zugleich räumte das Unternehmen Fehler ein. LafargeHolcim hatte Ende vergangenen Jahres bestätigt, bewaffnete Gruppen bezahlt zu haben, um ein Werk am Laufen halten zu können. Das interne Kontrollsystem habe es "nicht erlaubt, Versäumnisse zu identifizieren, die durch einen beispiellosen Regelbruch" entstanden seien, hieß es. Verwaltungsratschef Beat Hess erklärte: "Wir bedauern zutiefst, was in der syrischen Niederlassung vorgefallen ist. Als wir davon Kenntnis bekommen haben, haben wir sofort und mit Nachdruck gehandelt. Keine der Personen, die Teil der Ermittlungen sind, ist heute noch im Unternehmen tätig."

Ein weiteres Ermittlungsverfahren hatten die französischen Behörden vergangenes Jahr eingeleitet. Sie richtet sich gegen den früheren Chef von Lafarge in Frankreich, Bruno Lafont, sowie Eric Olsen, einst Chef der 2015 entstandenen LafargeHolcim-Gruppe mit Sitzen in der Schweiz und in Frankreich. Gegen Lafont und andere Manager laufen bereits Ermittlungsverfahren in Frankreich.

LafargeHolcim gehört zu den größten Baustoffkonzernen der Welt. Die Affäre kostete LafargeHolcim-Chef Olsen den Job. An der Spitze der Konzernmutter steht seit September 2017 der Deutsche Jan Jenisch. Er will den Konzern auch aus den roten Zahlen bringen. LafargeHolcim hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 1,4 Milliarden Euro geschrieben.

sam/jj (afp, dpa, rtr)

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