Frankreich ermittelt im Fall Epstein | Aktuell Europa | DW | 23.08.2019
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US-Millionär

Frankreich ermittelt im Fall Epstein

In der Sexaffäre um den verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein hat jetzt auch die Pariser Justiz Vorermittlungen eingeleitet. Es geht um Missbrauch und den Vorwurf der kriminellen Verschwörung.

Ausschnitt: New York | Anklage Jeffrey Epstein Protest Hot Mess (Getty Images/S. Keith)

Gut einen Monat vor dem Suizid - Protest vor dem zuständigen Gericht in New York für eine Verurteilung Epsteins

Wie die Staatsanwaltschaft in der französischen Hauptstadt mitteilte, wird wegen Vergewaltigung, der Vergewaltigung von Minderjährigen und anderen sexuellen Übergriffen sowie der kriminellen Verschwörung zur Begehung von Straftaten ermittelt.

Chefermittler Rémy Heitz teilte mit, die Untersuchungen richteten sich auf mögliche Straftaten, die auf französischem Staatsgebiet begangen wurden, sowie Vergehen, bei denen Opfer oder Täter französische Staatsbürger seien. Untersucht werden sollen laut Heitz zudem Vorwürfe, wonach Epstein und Komplizen an einem Kinderhandelsring beteiligt gewesen sein sollen. Die Entscheidung, Vorermittlungen einzuleiten, basiere auf Informationen, die direkt an Staatsanwälte übermittelt worden seien und einem Austausch mit US-Behörden.

Opferschützer sammelten Zeugenaussagen

Die französische Opferschutzorganisation Innocence en Danger hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass sie mehrere Zeugenaussagen über Missbrauchsfälle in Verbindung mit Epstein gesammelt und an die Justizbehörden in Frankreich und den USA weitergeleitet habe. Nicht alle der mutmaßlichen Opfer waren demnach Franzosen, jedoch hätten sich die Taten auf "französischem Boden ereignet und seien wahrscheinlich von Franzosen verübt worden", erklärte die Direktorin der Organisation Homayra Sellier.

Epstein - gut vernetzt auch in Frankreich

Epstein hatte zahlreiche persönliche Verbindungen nach Frankreich. Er besaß ein Luxus-Apartment nahe dem Pariser Boulevard Champs-Elysées. Vor seiner Festnahme in New York Anfang Juli war er gerade aus Frankreich in die USA zurückgekehrt.

Einer von Epsteins engen Vertrauten in Europa war der einst einflussreiche französische Model-Magnat Jean-Luc Brunel, der die Agenturen Karin Models und MC2 Model Management gründete. In Gerichtsdokumenten wird Brunel Vergewaltigung vorgeworfen. Zudem soll er Epstein junge Mädchen "beschafft" haben. Brunel hat die Vorwürfe gegen ihn in der Vergangenheit stets zurückgewiesen. Seit der Anklage gegen Epstein hat er sich jedoch in der Öffentlichkeit nicht mehr geäußert.

Es bleiben viele Fragezeichen

Epstein stand vor seinem Tod in seiner US-Heimat unter Anklage, weil er jahrelang minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben soll. Laut Anklageschrift baute der Geschäftsmann zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen Sexhandelsring auf. Bei einer Verurteilung in den USA hätten dem 66-Jährigen, der enge Kontakte zu hochrangigen Politikern und Prominenten unterhalten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht. Zu Epsteins früherem Freundeskreis zählten unter anderem der heutige US-Präsident Donald Trump, der frühere US-Präsident Bill Clinton und der britische Prinz Andrew.

Vor knapp zwei Wochen hatte Epstein Suizid begangen. Er saß zu diesem Zeitpunkt in einem Gefängnis in New York ein, wo er auf seinen Prozess wartete. Der Tod des 66-Jährigen löste einen Skandal aus. Die beiden Wärter, die den Gefangenen in seiner Gefängniszelle beaufsichtigen sollten, sollen bei der Arbeit geschlafen haben. Statt wie vorgeschrieben alle 30 Minuten nach dem Inhaftierten zu schauen, seien die beiden eingeschlafen und hätten dessen Zustand für rund drei Stunden nicht kontrolliert.

Das ist genauso dubios, wie vieles andere im Umfeld Epsteins. So wird weiter darüber spekuliert, wie genau der Ex-Investmentbanker zu seinem Vermögen gekommen ist und wie es ihm gelungen ist, 2008 mit einem zweifelhaften Deal aus einem ersten Verfahren wegen Sex-Delikten halbwegs ungeschoren herauszukommen.

qu/rb (afp, dpa, rtr, ape)

Die Deutsche Welle berichtet zurückhaltend über das Thema Suizid, da es Hinweise darauf gibt, dass manche Formen der Berichterstattung zu Nachahmungsreaktionen führen können. Sollten Sie selbst Selbstmordgedanken hegen oder in einer emotionalen Notlage stecken, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. Wo es Hilfe in Ihrem Land gibt, finden Sie unter der Website https://www.befrienders.org/

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