Zwei Tage vor seinem Tod: Epstein verfasste Testament | Aktuell Amerika | DW | 20.08.2019
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USA

Zwei Tage vor seinem Tod: Epstein verfasste Testament

Der Fall Jeffrey Epstein beschäftigt auch die Königsfamilie in London. Ein Prinz soll in den Missbrauchsskandal verwickelt sein. Derweil kommen Details über das Testament des verstorbenen Multimillionärs ans Licht.

Fall Epstein | Nach Epsteins Tod Gefängnisdirektor wurde versetzt (picture-alliance/Zumapress/V. Carvalho)

Ein Gefängnis in New York: Hier wurde Jeffrey Epstein tot in seiner Zelle gefunden

Der einstige Hedgefondsmanager wird sein Vermögen in Höhe von 578 Millionen Dollar einem Treuhandfonds übertragen, schrieb die "New York Post" über den Inhalt des Testaments. Nach dem Bericht des Blatts regelte Epstein seinen Nachlass zwei Tage vor seinem Tod. Unklar ist aber, wer von dem sogenannten "The 1953 Trust" profitiert. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg News könnte es für mutmaßliche Missbrauchsopfer schwerer werden, nun Schadenersatz einzuklagen.

In seinem Testament gab Epstein an, unter anderem Aktien im Wert von mehr als 300 Millionen Dollar zu besitzen, außerdem sechs Luxusanwesen an Orten wie New York, Paris und Florida sowie Flugzeuge, Autos und Boote im Wert von mehr als 18 Millionen Dollar.

Epstein war am 10. August tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden worden. Nach Angaben des Justizministeriums beging er Selbstmord. Der 66-Jährige soll jahrelang junge Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Bei einer Verurteilung hätten dem US-Multimillionär, der gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht. Zu seinen Bekannten zählten Ex-US-Präsident Bill Clinton und der heutige Präsident Donald Trump.

Prinz unter Missbrauchsverdacht

Auch der britische Prinz Andrew soll zum Freundeskreis des Millionärs gehört haben. Der Herzog von York, der selbst in den Skandal verwickelt sein soll, sei entsetzt über Epsteins "mutmaßliche Verbrechen", teilte der Buckingham Palast mit. Die Boulevard-Zeitung "Mail on Sunday" hatte zuvor ein Video veröffentlicht, das den mittleren Sohn von Queen Elizabeth II. im Haus Epsteins zeigen soll. "Seine Königliche Hoheit verurteilt die Ausbeutung eines jeden Menschen, und die Andeutung, dass er ein solches Verhalten dulden, daran teilnehmen oder es unterstützen würde, ist abscheulich", erklärte der Buckingham Palast. Andrew weise den Vorwurf einer Verwicklung in den Missbrauchsskandal ausdrücklich zurück, hieß es.

Prinz Andrew (picture-alliance/dpa/Swen Pförtner)

Streitet Vorwürfe ab: Prinz Andrew soll in den Missbrauchsskandal verwickelt sein

Prinz Andrew wurde immer wieder mit dem Epstein-Skandal in Verbindung gebracht. Das von der "Mail on Sunday" veröffentlichte Video zeigt ihn angeblich im Jahr 2010 im New Yorker Haus Epsteins beim Abschied von einer jungen Frau. Virginia Giuffre, eine der Hauptzeuginnen in dem Fall, sagte aus, sie habe als Minderjährige Sex mit Prinz Andrew gehabt. Sie gab an, im Alter von 17 Jahren in London und später auch in New York und auf Epsteins Privatinsel in der Karibik zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden zu sein.

Traf die Queen auf Epstein?

Der Buckingham Palast hat die Anschuldigung gegen Prinz Andrew stets zurückgewiesen. 2015 strich ein US-Richter Giuffres Anschuldigungen aus Gerichtsakten, weil er sie für ein Zivilverfahren zu "reißerisch" fand. Prinz Andrew war zehn Jahre lang britischer Sondergesandter für internationalen Handel und Investment. Nach massiver Kritik an seinen Beziehungen zu Epstein und anderen kontroversen Persönlichkeiten gab er den Posten 2011 jedoch auf. Derzeit soll er in Spanien im Urlaub sein.

USA Protest Trump und Epstein (picture-alliance/newscom/J. Angelillo)

Protest gegen den Präsidenten: Epstein soll auch mit Donald Trump gut befreundet gewesen sein

In britischen Boulevard-Medien gab es zuletzt aber immer wieder Enthüllungen über die Freundschaft zwischen Prinz Andrew und Epstein: Am Montag berichtete die "Daily Mail", der Prinz habe Epstein 1999 auf Schloss Balmoral, dem schottischen Landsitz der Queen, empfangen. Zu der Zeit habe sich möglicherweise auch die Königin auf dem Schloss aufgehalten. Ein Jahr später soll Epstein den Prinzen zudem auf Schloss Sandringham, einem weiteren Landsitz der Königsfamilie in Ostengland, besucht haben.

Personelle Konsequenzen in den USA

Nach dem Suizid Epsteins hat das US-Justizministerium personelle Konsequenzen gezogen: Die Leitung des Federal Bureau of Prisons werde neu besetzt, teilte Justizminister Bill Barr mit. Die Behörde ist für die Verwaltung der Bundesgefängnisse zuständig. Kathleen Hawk Sawyer soll demnach Hugh Hurwitz ablösen, der den Posten 15 Monate innehatte. Die ehemalige Gefängnispsychologin leitete die Behörde bereits zwischen 1992 und 2003.

US-Justizminister William Barr (picture-alliance/AP Photo/he Advocate/D. Grunfeld)

Neues Personal: Nach dem Suizid Epsteins zieht Justizminister Barr Konsequenzen

US-Justizminister Bill Barr hatte von "ernsthaften Unregelmäßigkeiten" bei der Überwachung Epsteins gesprochen und eine "gründliche Untersuchung" der Todesumstände zugesagt. Epstein war bereits am 23. Juli nach einem mutmaßlichen Selbstmordversuch verletzt in seiner Zelle gefunden worden. Seine verstärkte Überwachung wegen Suizidgefahr wurde aber am 29. Juli wieder eingestellt. Vergangene Woche hatte das Justizministerium bereits den Direktor des New Yorker Gefängnisses für die Dauer der Ermittlungen versetzt und zwei Wärter suspendiert.

pgr/rb (afp, dpa)

Die Deutsche Welle berichtet zurückhaltend über das Thema Suizid, da es Hinweise darauf gibt, dass manche Formen der Berichterstattung zu Nachahmungsreaktionen führen können. Sollten Sie selbst Selbstmordgedanken hegen oder in einer emotionalen Notlage stecken, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. Wo es Hilfe in Ihrem Land gibt, finden Sie unter der Website https://www.befrienders.org/

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