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Renningenieurin Laura Müller: Pionierin ohne Pioniergehabe

6. März 2026

Als Kind F1-Fan, heute Boss an der Box: Laura Müller ist die erste Renningenieurin der Formel 1 - und trifft für Haas-Pilot Esteban Ocon wichtige Entscheidungen. Am Weltfrauentag wird nun eine Kurve nach ihr benannt.

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Haas-Renningenieurin Laura Müller konzentriert am Kommandostand mit Headset
Laura Müller: "Ich entscheide sehr viele Dinge - und viele dieser Entscheidungen müssen in sehr kurzer Zeit passieren"Bild: Thomas Fuessler/Eibner-Pressefoto/picture alliance

Eigentlich wollte Laura Müller als Kind selbst Formel-1-Fahrerin werden - begeistert von Formel-1-Ikone Michael Schumacher.

"Ich habe sonntags immer Formel 1 geguckt", erzählt sie in einem Interview ihres Teams Haas F1 vom August 2025. Aber so richtig ernst genommen habe man sie damals nicht, und da sie als Kind auch nicht wusste, wie man im Kartsport anfängt, blieb die Rennfahrerinnen-Karriere ein Traum.

Startschuss zur Formel-1-Karriere in Australien

Dennoch hat sich Müller in die Formel 1 gearbeitet und ist seit der Saison 2025 in ihrer Rolle als Renningenieurin so nah dran am Geschehen, wie kaum eine andere Frau.

Sie ist die erste und bislang einzige Renningenieurin in der Königsklasse des Motorsports und beim Team Haas für Pilot Esteban Ocon und dessen Boliden verantwortlich. Geschafft hat sie es dorthin mit viel Willen, Fleiß, Talent und akribischer Arbeit.

Der Startschuss fiel - genau wie der Start in die neue Formel-1-Saison - in Australien. Als 18-Jährige reiste Müller nach dem Abitur dorthin und wusste nicht recht, was sie beruflich machen sollte.

Dann erinnerte sie sich an ihre Vorliebe für den Rennsport und fasste einen Entschluss: "Ich dachte mir: Wenn ich keine Formel‑1‑Fahrerin werde, arbeite ich halt in der Formel 1." Es sollte der Auftakt zu einem bemerkenswert zielgerichteten Karriereweg werden.

Nach ihrem Maschinenbau-Studium sammelte Müller 2014 erste praktische Erfahrungen als Ingenieurin, zunächst über ein Praktikum in der DTM (Deutsche Tourenwagen Masters). Danach wusste sie endgültig, was sie werden wollte.

Es folgten weitere Einsätze im Langstreckensport, in der DTM, in internationalen Formelserien und der brasilianischen Stock‑Car‑Meisterschaft.

Beförderung zur ersten Renningenieurin der Formel 1

2022 unternahm Müller dann den ersten konkreten Schritt in Richtung Formel 1: Sie bewarb sich beim damaligen McLaren‑Teamchef Andreas Seidl. Zwar hinterließ sie dort einen positiven Eindruck, aber interne Umstrukturierungen verhinderten eine Anstellung.

Stattdessen wurde das Haas‑Team auf Müller aufmerksam und verpflichtete sie als Performance‑Ingenieurin. Aufgabenschwerpunkt: Optimierung der Fahrzeugabstimmung und der Leistung auf der Strecke.

Haas-Teamchef Ayao Komatsu lobte sie früh als extrem zielstrebig und sehr fleißig. Schließlich beförderte er Müller zur Saison 2025 zur Renningenieurin von Esteban Ocon.

Sie ist seitdem dessen engste Ansprechpartnerin, diejenige, die gemeinsam mit dem Piloten während des Rennens strategische Entscheidungen trifft, die mit ihm die Strecke besichtigt, Daten analysiert und das Setup des Wagens festlegt.

Esteban Ocon im Gespräch mit Renningenieurin Laura Müller
Enges Vertrauensverhältnis: Renningenieurin Laura Müller und "ihr" Pilot Esteban OconBild: Hasan Bratic/picture alliance

Ihre Beförderung machte Müller zur ersten Frau, die diese Schlüsselrolle in der Formel 1 dauerhaft ausübt. Ihr Geschlecht spiele in der täglichen Arbeit aber keine Rolle, so Müller, es komme vielmehr auf Fachwissen und Leistung an.

Die zusätzliche Aufmerksamkeit, die sie als "Pionierin" erfährt, sieht sie ebenfalls distanziert. "Ich bin kein großer Fan von Interviews oder Social Media", gibt sie zu. Sie habe sich daher noch mehr zurückgezogen und lese nichts über sich selbst oder Kommentare unter Videos, in denen sie vorkommt.

"Eine Entscheidung ist immer besser als keine Entscheidung"

Lieber konzentriert sie sich auf ihre Arbeit. "Meine Verantwortung liegt darin, die Entscheidungen zu treffen für mein Auto", erklärt Müller.

"Ich bekomme alle Informationen von allen Abteilungen: von den Aerodynamik-Menschen, den Reifen-Leuten, vom Performance-Ingenieur, von den Vehicle Dynamics. Ich versuche dann, diese Informationen in eine Entscheidung umzuwälzen", so Müller. "Ich entscheide einfach sehr viele Dinge. Und viele dieser Entscheidungen müssen in sehr kurzer Zeit passieren."

Haas-Teamchef Ayao Komatsu und Renningenieurin Laura Müller lachen gemeinsam vor dem Rennstart
Haas-Teamchef Ayao Komatsu war schnell begeistert von Laura Müllers Arbeit und beförderte sieBild: Michael Memmler/Eibner-Pressefoto/picture alliance

Vieles passiere allerdings nicht spontan, sondern werde in sogenannten "Was‑wenn‑Szenarien" vorbereitet, damit im Ernstfall nicht lange nachgedacht werden müsse. Müllers Credo: "Eine Entscheidung ist immer besser als keine Entscheidung. Und wenn es falsch ist, dann war es halt falsch. Aber das kann ich auch nur machen, weil ich schon relativ viel Erfahrung im Motorsport habe."

"Es ist großartig, mit Laura zusammenzuarbeiten. Sie ist wirklich eine hervorragende Ingenieurin", sagte Esteban Ocon im Frühjahr 2025, nachdem die ersten Rennen absolviert waren. "Die Anzahl der Stunden, die sie investiert, ist sehr, sehr beeindruckend. Sie zählt ihre Stunden nicht."

Großes Potential durch neues Reglement

Dennoch verlief die erste gemeinsame Saison nicht komplett nach Wunsch. Ocon, der Anfang 2025 als erfahrener Pilot vom Alpine-Team zu Haas wechselte, sammelte in 24 Rennen nur 38 Punkte und beendete die Saison als 15. von 20 Fahrern. Ocons Teamkollege Oliver Bearman, ein Rookie, schnitt am Ende drei Zähler und zwei Platzierungen besser ab.

Das soll in der neuen Saison besser werden - auch weil Haas große Hoffnungen in das neue Reglement setzt. In diesem Jahr tragen Verbrennungsmotor und Batterie etwa zur Hälfte zur Leistung der Autos bei. Energiemanagement und Energierückgewinnung während der Runde - durch Bremsen, Gas lüften oder Runterschalten - wird daher essenziell für den Erfolg.

Die Abstimmung zwischen Fahrer und Renningenieurin wird somit noch intensiver, Müllers Verantwortung noch größer, weil noch mehr Details zu beachten und anzupassen sind. Für Ocon kann das - in Anbetracht der Expertise Müllers - nur ein Vorteil sein.

Kurve in Melbourne nach Müller und Schmitz benannt

Der Deutschen wird im Übrigen beim Saisonauftakt in Melbourne eine besondere Ehre zuteil: Kurve sechs, die "Marina" des Albert Park Circuit, wird nach ihr und Red‑Bull‑Strategin Hannah Schmitz benannt.

Die Widmung ist Teil der Kampagne "In Her Corner" (In ihrer Kurve) von australischen Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie der Australian Grand Prix Corporation zum Weltfrauentag.

"Es ist mir eine Ehre, schon so früh in meiner Formel‑1‑Karriere Teil dieser Anerkennung zu sein", sagt Müller. Die Initiative sei ein Signal, junge Menschen - vor allem Mädchen - für technische Berufe zu inspirieren.

Dieses Signal sendet Müller aber ständig aus - unabhängig davon, ob am 8. März oder einem anderen Renntag. Unaufgeregt und konzentriert steht sie am Kommandostand und trifft Entscheidungen.

Die erste Renningenieurin der Formel 1 - und wenn es nach Laura Müller selbst geht, nur die erste von vielen, die nach ihr noch kommen.

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