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Politik

Foodwatch kritisiert Coca-Cola-Strategie auf YouTube

4. April 2018

Wer’s nicht probiert, wird’s nicht erleben: Mit solchen Slogans ködert Coca-Cola Teenies via YouTube und TV. Werbung ohne Hinweis auf gesundheitliche Risiken? Den Verbraucherschützern von Foodwatch reicht's.

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Kind trinkt Coca-Cola
Bild: Imago/Waldmüller

Die Verbraucherorganisation wirft dem Getränkegiganten vor, für die Zunahme von Fettleibigkeit und Diabetes mitverantwortlich zu sein. Coca-Cola verstehe es "wie kaum ein anderer Konzern, ein positives Image zu kreieren - auch und gerade bei jungen Menschen", kritisierte Oliver Huizinga von Foodwatch bei der Vorstellung des hundert Seiten starken "Coca-Cola-Reports" in Berlin. Die Zuckergetränke des Unternehmens seien "flüssige Krankmacher". Zudem verharmlose der Weltmarktführer von Limonaden wissenschaftlich belegte Risiken seiner zuckerhaltigen Getränke, so der Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland, Martin Rücker. Die Marketing- und Lobbymaßnahmen von Coca-Cola seien "unverantwortlich".

Mit Coke Großes schaffen

Der Getränkehersteller nehme "mit millionenschweren Marketingkampagnen im Internet und im Fernsehen bewusst Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier", moniert die Verbraucherorganisation. Foodwatch fordert Coca-Cola auf, das an Kinder und Jugendliche gerichtetes Marketing zu stoppen, wie die Kampagne für Coca-Cola Zero mit Manuel Neuer unter dem Slogan: Wer es nicht probiert, wird es nicht erleben. Das Idol Manuel Neuer suggeriere, als Cola-Trinker könne man alles erreichen.

Durch sogenannte Influencer versuche der Konzern Teenager auf Social-Media-Plattformen zu ködern. Coca-Cola hat für den deutschen Markt einen eigenen YouTube-Kanal "Coke TV" aufgebaut. In kurzen lustigen Videos werben dort bekannte Youtuber wie ApeCrime, Dner, Die Lochis, Cheng oder Y-Titty für die süßen Limonaden. Ein Beispiel: Der YouTuber Dner hat einen eigenen Kanal "Felix von der Laden". Dieser zählt mit mehr als drei Millionen Abonnenten und mehr als einer Milliarde "Video Views" zu den reichweitestärksten Deutschlands. 

Lobbyarbeit gegen Sondersteuer

Zugleich versuche der Konzern durch gezielte Lobbyarbeit wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern auf Zucker zu torpedieren. Foodwatch wirft Coca-Cola zudem vor, "mit gekauften Wissenschaftlern Zweifel an der Schädlichkeit von zuckerhaltigen Getränken zu säen". Coca-Cola trage damit eine entscheidende Mitverantwortung für die Epidemie ernährungsbedingter Erkrankungen wie Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes, heißt es in dem Report. Die Organisation fordert als Konsequenz von der Bundesregierung die Einführung einer Herstellerabgabe für überzuckerte Getränke - nach britischem Vorbild.

Die Deutschland-Zentrale des US-Konzerns weist die Vorwürfe zurück. Übergewicht sei "ein komplexes Phänomen" und lasse sich nicht durch einfache Antworten lösen. "Man kann Übergewicht nicht wegbesteuern", erklärte Patrick Kammerer, Mitglied der Geschäftsleitung von Coca-Cola Deutschland in einer auf der Homepage des Unternehmens veröffentlichten Mitteilung. Coca-Cola biete bereits seit vielen Jahren sämtliche klassischen Limonaden auch in zuckerfreien Varianten an. Rund ein Drittel des Getränkeangebots sei ohne Zucker oder zuckerreduziert. "Bis 2020 wird Coca-Cola den Zucker in seinen Erfrischungsgetränken um 10 Prozent reduzieren", hieß es weiter.

sam/rb (AFP, dpa, epd, Foodwatch.de)