Flüchtlingskatastrophe von Lampedusa fordert immer mehr Tote | Aktuell Europa | DW | 04.10.2013
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Aktuell Europa

Flüchtlingskatastrophe von Lampedusa fordert immer mehr Tote

Nach dem Schiffsunglück vor der italienischen Insel Lampedusa werden immer mehr Leichen aus dem Mittelmeer geborgen. Angesichts des Flüchtlingsdramas fordern erste Politiker ein Umdenken in der EU-Einwanderungspolitik.

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Papst: Unglück von Lampedusa eine "Schande"

Die Zahlen sind jetzt schon erschreckend: bis zum Freitagmorgen bargen die Rettungsteams 111 Leichen. Unter den Opfern sind nach Behördenangaben auch drei Kinder und zwei schwangere Frauen. Die Einsatzkräfte setzten die Bergungsarbeiten die ganze Nacht über fort. Sie schätzen, dass im Wrack des gesunkenen Flüchtlingsschiffs noch bis zu 100 Toten liegen. Insgesamt, so befürchten die italienischen Behörden, könnten bis zu 300 Menschen bei der Tragödie ums Leben gekommen sein. Bislang konnten 155 Flüchtlinge lebend gerettet werden. Sie stammen vor allem aus Somalia und Eritrea. Am Donnerstag hatte das Flüchtlingsboot Feuer gefangen und war gekentert. Viele der afrikanischen Migranten an Bord konnten nicht schwimmen.

Papst Franziskus in Assisi segnet einen Jungen im Rollstuhl. (Foto: reuters)

Papst Franziskus in Assisi.

Ein "Tag des Weinens"

Das Unglück löste weit über Italien hinaus Erschütterung und Entsetzen aus. "Heute ist ein Tag des Weinens" sagte Papst Franziskus bei seinem Besuch in der Stadt Assisi und machte Gleichgültigkeit vor der Not anderer Menschen für die Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa verantwortlich. Bereits am Donnerstag hatte der Papst die Tatsache, dass schon wieder Menschen bei einem solchen Unglück ums Leben gekommen seien, als "Schande" bezeichnet, für die sich die Welt schämen sollte.

Gauck: Flüchtlinge nicht in den Tod segeln lassen

Auch Bundespräsident Joachim Gauck mahnt mehr Schutz für Flüchtlinge in Europa an. "Wegzuschauen und sie hineinsegeln zu lassen in einen vorhersehbaren Tod, missachtet unsere europäischen Werte", sagte Gauck.

Der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Tom Koenigs, warf der EU Untätigkeit vor. Die Katastrophe "hätte verhindert werden können und hätte verhindert werden müssen", sagte der Grünen-Politiker im NDR. Er kritisierte, dass sich die Europäische Union nur auf den Schutz der Grenzen konzentriere.

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hatte bereits kurz nach dem Unglück die Mitgliedstaaten aufgefordert, "die Anstrengungen im Kampf gegen Schleuser, die menschliche Hoffnungslosigkeit ausbeuten, zu verdoppeln" und den Dialog mit den Ländern zu vertiefen, aus denen die Flüchtlinge stammten und durch die sie reisten.

Staatstrauer in Italien

Italiens Innenminister Angelino Alfano forderte, Lampedusa müsse als europäische und nicht als italienische Grenze angesehen werden. "Dies ist nicht ein italienisches Drama, es ist ein europäisches Drama", sagte Alfano. Für diesen Freitag hat Ministerpräsident Enrico Letta in Italien einen nationalen Trauertag angeordnet. Vielerorts soll es Schweigeminuten geben. Auf Lampedusa selbst bleiben alle Geschäfte geschlossen.

Wegen des guten Wetters versuchen zur Zeit besonders viele Menschen aus Afrika, in kaum seetauglichen Booten Europa zu erreichen. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn in Italien mehr als 22.000 Bootsflüchtlinge gezählt - drei mal mehr als im gesamten Jahr 2012.

cw/sti (reuters, dpa, epd)

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