Flüchtlinge auf ″Alan Kurdi″ müssen warten | Aktuell Europa | DW | 13.04.2020
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Seenotrettung

Flüchtlinge auf "Alan Kurdi" müssen warten

Knapp 150 gerettete Migranten sollten auf ein Quarantäneschiff gebracht werden. Doch das lässt auf sich warten. Die Organisation Sea-Eye rechnet mit einer Hängepartie - während die Zustände an Bord sich verschlimmern.

Rettungsschiff «Alan Kurdi» (picture-alliance/dpa/AP/Sea-eye.org7F. Heinz)

Die "Alan Kurdi" ist inzwischen vor Sizilien angelangt (Archivbild)

Das Schicksal von 149 Migranten auf dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" ist weiterhin offen.
Der Vorschlag Italiens, die Geretteten mit Hilfe der italienischen Küstenwache und des Roten Kreuzes
auf ein Quarantäneschiff zu bringen, habe sich nicht konkretisiert, teilte der Betreiberverein
Sea-Eye mit. Welche EU-Staaten die Migranten danach aufnehmen könnten, sei ebenfalls unklar. Eine
Reaktion Deutschlands als Flaggenstaat der "Alan Kurdi" stehe noch aus.

Eine Übernahme der Flüchtlinge auf See hatten Italiens Verkehrsministerin Paola De Micheli und
der Leiter des italienischen Zivilschutzes, Angelo Borrelli, am Sonntag ins Spiel gebracht. Italienische Medien berichteten, der sizilianische Regionalpräsident Nello Musumeci habe mitgeteilt, die Fähre "Azzurra" der Reederei GNV stehe als Quarantäneschiff zur Verfügung.

Flüchtlinge von Holzbooten übernommen

Sea-Eye erklärte dagegen, noch wisse man nichts über einen Schiffsnamen. Der Sprecher der Organisation, Gorden Isler, sagte, es werde vermutlich dauern, bis sich für die Migranten an Bord eine Lösung ergebe.

Nello Musumeci (picture-alliance/ZUMAPRESS/LaPresse/V. Livieri)

Der sizilianische Regionalpräsident Nello Musumeci hatte schon ein Quarantäneschiff benannt (Archivbild)

Die "Alan Kurdi" hatte die Menschen am vergangenen Montag vor der libyschen Küste aus zwei Holzbooten übernommen. Sie ist derweil in internationalen Gewässern vor der sizilianischen Stadt Palermo angelangt. Italien lehnt es - ebenso wie Malta - ab, die Flüchtlinge an Land gehen zu lassen. Der Katastrophenschutz verwies zur Begründung auf die Gesundheitslage.

Große psychische Belastung

Italien gehört zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Staaten Europas. Die Regierung in Rom sieht Berlin in der Pflicht - weil das Rettungsschiff der Regensburger Organisation SeaEye unter deutscher Flagge fährt. Die Bundesregierung hatte am Mittwoch erklärt, sie sei mit allen Beteiligten im Gespräch, um eine Lösung zu finden.

Laut der Bordärztin der "Alan Kurdi" ist bisher kein Crewmitglied und auch keiner der Geretteten an
COVID-19 erkrankt. Doch die Crew klagt über eine große psychische Belastung: Man müsse nicht nur die Menschen versorgen, sondern immer wieder auch Konflikte schlichten.

Pontifex: "Zählt auf mich"

Papst Franziskus war am Freitag italienischen Seenotrettern in einem Schreiben beigesprungen.
"Zählt auf mich", erklärte der Papst. Von protestantischer Seite kommt gleichfalls Rückendeckung. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, stellte sich mit einem Appell hinter die Flüchtlingshelfer: Auch in der Corona-Krise dürfe Europa nicht wegsehen, wenn Menschen ertränken.

Mit Verweis auf mehrere Boote, die am Osterwochenende auf dem Mittelmeer in Not gerieten,
dankte Bedford-Strohm Rettern und Hilfsorganisationen, "die genau hinschauen und
Schiffe schicken", sowie denen, die die zivile Seenotrettung unterstützten.

jj/haz (dpa, epd, kna)

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