″Schurkische Killer am Werk″ | Aktuell Nahost | DW | 15.10.2018
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Fall Khashoggi

"Schurkische Killer am Werk"

Vehement schalten sich die USA in den Fall Khashoggi ein: Der Präsident telefoniert mit dem saudischen König und setzt seinen Außenminister in Bewegung. Derweil sagen immer mehr Konzernchefs eine Konferenz in Riad ab.

US-Außenminister Mike Pompeo reist nach Saudi-Arabien, um mit König Salman über den verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi zu sprechen. Pompeo solle unverzüglich mit Salman zusammenkommen, kündigte US-Präsident Donald Trump nach einem Gespräch mit dem König an. Salman habe ihm gesagt, er wisse nichts über den Verbleib des Regimekritikers, und sein Dementi sei "sehr, sehr stark" gewesen, sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus (Artikelbild). Es habe sich für ihn so angehört, als könnten "vielleicht schurkenhafte Killer" am Werk gewesen sein. "Wer weiß?"

Trump, der stets die Nähe zu Saudi-Arabien gesucht hatte, ließ damit auch erkennen, dass er inzwischen klar von Khashoggis Tod ausgeht. Am Wochenende hatte der US-Präsident dem Königreich mit ernsten Konsequenzen gedroht, falls Khashoggi tatsächlich in einem Konsulat des Landes ermordet sein sollte. In solch einem Fall stehe viel auf dem Spiel, sagte er im CBS-Fernsehen.

Spurensuche im Konsulat

Inzwischen durchsuchen türkische und saudische Ermittler das Istanbuler Konsulat, das Khashoggi am 2. Oktober betreten und nicht wieder verlassen hat. Es sollen vor allem DNA-Spuren gesichert werden. Es werde "alles inspiziert" - auch die nahe gelegene Residenz des Konsuls, heißt es. Das Versprechen zur Durchsuchung des Konsulats hatte die saudi-arabische Regierung nach türkischen Angaben schon vergangene Woche gegeben, bisher aber nicht erfüllt.  

Khashoggi, der als Kritiker der saudiarabischen Führung bekannt ist, wollte in dem Konsulat Dokumente für seine bevorstehende Hochzeit abholen. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten Sonderkommando misshandelt und getötet wurde. Es soll Video- und Tonaufnahmen von dem Mord geben.

Druck auf Riad steigt

Der Fall sorgt für erheblichen politischen Wirbel. Mehrere Staaten haben von der Regierung in Riad Aufklärung verlangt; einige ziehen sogar Sanktionen in Erwägung. Die saudiarabischen Märkte sind zudem in Aufruhr, weil sich ausländische Investoren aus dem Königreich zurückziehen könnten. Die saudiarabische Währung stürzte auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Zudem haben weitere Konzernchefs ihre Teilnahme an einer für Ende Oktober in Riad geplanten Investorenkonferenz abgesagt. BlackRock-Chef Larry Fink werde nun doch nicht zu dem Treffen reisen, erfuhr Reuters. Auch Blackstone-Chef Stephen Schwarzman entschied sich CNBC zufolge gegen die Teilnahme an der Konferenz. Die saudiarabische Regierung will die Wirtschaft ihres Landes diversifizieren, um weniger vom Öl abhängig zu sein, ist dafür aber auf ausländische Investitionen angewiesen.

rb/ml (afp, ap, dpa, rtr)

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