Vermisster Journalist Khashoggi: Die wichtigsten Fakten | Politik | DW | 10.10.2018
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Saudi-Arabien

Vermisster Journalist Khashoggi: Die wichtigsten Fakten

Seit Anfang Oktober ist der saudische Journalist Jamal Khashoggi verschwunden. Der Regimekritiker hatte einen Termin im saudischen Konsulat in Istanbul. Was ist bisher über den Fall bekannt? Die Fakten im Überblick.

Wer ist Jamal Khashoggi?

Der saudische Journalist hat sich mit seinen Artikeln über die arabische Welt und besonders über Saudi-Arabien in englischsprachigen Medien einen Namen gemacht.

In Saudi-Arabien arbeitete Khashoggi lange Zeit als Redakteur und war Berater des ehemaligen Geheimdienst-Chefs Prinz Turki al-Faisal. Aufgrund seiner kritischen Berichterstattung über die Königsfamilie und Kronprinz Mohammed bin Salman fürchtete er eine Inhaftierung und siedelte vor einem Jahr in die USA über.

Der Journalist machte Saudi-Arabien für den andauernden Krieg und die Zerstörung im Jemen verantwortlich und kritisierte die saudische Haltung in einem Streit mit der kanadischen Regierung. Kritisch äußerte sich Khashoggi auch zum Fall Hariri: Riad hatte im Herbst 2017 massiven Druck auf den libanesischen Ministerpräsidenten ausgeübt.

Für die renommierte Washington Post verfasste Khashoggi Kommentare und Kolumnen. Über seine Motivation schrieb er dort im September 2017: "Ich habe mein Haus, meine Familie und meine Arbeit zurückgelassen und erhebe meine Stimme. [..]Alles andere wäre ein Verrat an allen, die im Gefängnis sitzen. Während viele nicht sprechen können, kann ich es."

Wie ist der Journalist verschwunden?

Jamal Khashoggi war am 2. Oktober gegen 13 Uhr ins saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um sich dort um Papiere für die Ehe mit seiner türkischen Verlobten Hatice Cengiz zu kümmern. Nachdem seine Verlobte siebeneinhalb Stunden nichts von ihm hörte, informierte sie die türkische Polizei. Die Ermittler werteten Kameraaufzeichnungen rund um das Konsulatsgebäude aus und leiteten am Samstag eine offizielle Untersuchung ein.

Eli Lopez, Redakteur für Internationales der Washington Post, teilte in einer schriftlichen Erklärung am Dienstag mit, dass der Journalist nicht zu erreichen sei.

Die Nachrichtenagentur Reuters spekulierte zwischenzeitlich über einen Mord an Khashoggi im Konsulatsgebäude. Die Agentur stützt sich dabei auf die Aussage von zwei nicht genannten türkischen Sicherheitsbeamten, die davon überzeugt seien, dass "es einen Mordplan gab und die Leiche aus dem Konsulat hinausgebracht wurde".

Ebenfalls aus türkischen Sicherheitskreisen will Reuters erfahren haben, dass vor dem Verschwinden des Journalisten 15 saudische Agenten in zwei Flugzeugen nach Istanbul gereist seien. Diese Männer, deren mutmaßliche Identitäten türkische Medien enthüllten, hätten das Land kurze Zeit später wieder verlassen.

Was sagen die türkischen Behörden?

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, er und Khashoggi seien alte Freunde und verwies auf die Untersuchungen der türkischen Ermittler. Erdogan forderte die saudischen Behörden auf, nachzuweisen, dass Khashoggi das Konsulat verlassen habe.

Das türkische Außenministerium teilte mit, dass die saudischen Behörden kooperierten und Untersuchungen im Konsulat genehmigt hätten.

Wie reagiert Saudi-Arabien auf die Vorwürfe?

Die saudischen Behörden dementieren bislang jeden Verdacht im Fall Khashoggi. Der saudische Thronfolger Prinz Muhammed bin Salman erklärte dem TV-Sender Bloomberg, er habe "nichts zu verstecken" und man werde den türkischen Behörden Ermittlungen im Konsulat gestatten.

Das saudische Generalkonsulat in Istanbul dementierte über Twitter den Verdacht, dass Khashoggi im Konsulat ermordet worden sei.

Was groß ist der internationale Druck?

Bislang haben sich die USA, die Europäische Union (EU) und die Vereinten Nationen (UNO) zum Fall Khashoggi geäußert.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Montag gegenüber Journalisten im Weißen Haus, er sei "besorgt".

US-Außenminister Mike Pompeo forderte die saudische Regierung auf, die Ermittlungen im Fall Khashoggi zu unterstützen und die Ergebnisse zu veröffentlichen.

EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini erwartet von den saudischen Behörden Transparenz bei der Aufklärung.

Welchen Folgen hat der Fall für das bilaterale Verhältnis?

Auch wenn es aktuell keine Krise zwischen der Türkei und Saudi-Arabien gibt, ist das Verhältnis zwischen den beiden Ländern seit einiger Zeit kalt und distanziert.

Die Türkei hatte den Muslimbrüdern in Ägypten, die durch einen Putsch 2013 entmachtet worden waren, Schutz geboten. Die Führung in Riad wiederum zählt zu den größten Unterstützern von Präsident Abdulfattah al-Sisi, der maßgeblich für den Putsch gegen die Muslimbrüder verantwortlich war. 2014 setzte Saudi-Arabien die Organisation der Muslimbrüder auf die Liste der Terrororganisationen.

Meinungsverschiedenheiten gibt es auch im Verhältnis zur palästinensischen Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert. Während die Türkei die Führung der Hamas zu ihren Gesprächspartnern zählt, ist Riad deutlich distanzierter.

Auch im Verhältnis zum Iran stehen beiden Staaten in unterschiedlichen Lagern. Riad betrachtet Teheran als größten Feind in der Region. Ankara wiederum sucht die nähe zur iranischen Führung.

Im Juni 2017 verhängten vier arabische Länder unter der Führung im Juni 2017 eine diplomatische und wirtschaftliche Blockade gegen Katar. Die Türkei unterstützte daraufhin Katar mit Lebensmitteln und militärisch und stellte sich somit Riad entgegen.

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