Facebook-Datenskandal deutlich größer als angenommen | Aktuell Amerika | DW | 04.04.2018
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Internet

Facebook-Datenskandal deutlich größer als angenommen

Inzwischen ist davon die Rede, dass die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern unzulässigerweise mit der britischen Analysefirma Cambridge Analytica geteilt worden sind. Vor allem Nutzer in den USA sollen betroffen sein.

Das teilte der Technologiechef des Online-Netzwerks, Mike Schroepfer, mit. Bislang war von rund 50 Millionen betroffenen Nutzern ausgegangen worden. Die Daten sollen unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet und genutzt worden sein.

Auch rund 310.000 Nutzer aus Deutschland könnten betroffen sein, über die Erfassung der Informationen von Freunden - auch durch Verbindungen zu Nutzern in anderen Ländern. Direkt an der Umfrage-App von Cambridge Analytica hätten sich lediglich 65 Nutzer aus Deutschland beteiligt, wie Facebook auf Anfrage erklärte.

Zuckerberg bemüht sich weiter um Schadensbegrenzung

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte sich Anfang der Woche für den Datenmissbrauch entschuldigt und eine Reihe von Reformen angekündigt. In einem Interview sagte er aber auch, es werde "einige Jahre" brauchen, um die Probleme mit dem Schutz von Nutzerdaten zu beheben. Jetzt legte Zuckerberg nach und gab sich erneut selbstkritisch. Facebook habe nicht genug unternommen, um seine Nutzer zu schützen, bekräftigte er. "Das war unser Fehler, das war mein Fehler." Es gehe darum, aus den Fehlern zu lernen, die unweigerlich passierten.

Neue Datenschutzbedingungen

Der Internet-Konzern teilte mit, die Datenschutz- und Nutzungsbedingungen seien neu formuliert worden. Facebook verspricht, die Bedingungen würden dabei klarer und transparenter. Die Informationen über die Datensammlung seien jetzt ausführlicher formuliert. Mit den neuen Regeln würden keine zusätzlichen Informationen erhoben, betonte das Online-Netzwerk. Aus den Bestimmungen erfährt man unter anderem, dass Facebook auf Geräten auf Informationen wie Namen von Apps und Dateien zugreift sowie auch Mausbewegungen registriert. Letzteres solle helfen, Menschen von Bots zu unterscheiden, hieß es. An der Datenverarbeitung werde sich aber nichts ändern, so das Unternehmen.

Die Neuerungen sollen nach Angaben von Technologiechef-Schroepfer am Montag installiert sein. Die User sollen dann auch die Möglichkeit haben, Apps zu beseitigen, die sie nicht mehr wollten. Sie würden außerdem darüber informiert, ob ihre persönlichen Daten möglicherweise unerlaubt an Cambridge Analytica gegangen seien. Neu ist zudem, dass andere Konzern-Dienste wie Instagram jetzt auch nach den Facebook-Datenschutzbedingungen agieren sollen.

Bereits abgeschafft hat Facebook die Möglichkeit ab, nach Nutzer-Profilen über Telefonnummer und E-Mail-Adresse zu suchen. Das Online-Netzwerk glaube, dass über diese Funktion öffentlich zugängliche Informationen der Mehrheit der Nutzer von außerhalb der
Plattform abgesaugt worden seien. Das sind meist Grund-Informationen wie Profilfoto, Stadt oder Arbeitgeber.

Die neuen ausführlicheren Nutzerrechte gehen in Europa zu großen Teilen auf die Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung zurück, die zum 25. Mai Pflicht wird. Sie waren schon lange in Arbeit und sind keine Reaktion auf den aktuellen Datenschutz-Skandal um die Firma Cambridge Analytica.

Zuckerberg stellt sich Befragung

Am Mittwoch kommender Woche will Zuckerberg im US-Kongress zu dem Skandal aussagen. Zuckerberg werde dann vom Handelsausschuss des Repräsentantenhauses angehört, teilten Mitglieder des Gremiums in Washington mit.

Der US-Internetkonzern steht durch den Skandal um die mutmaßliche Abschöpfung der Daten von Millionen Facebook-Nutzern durch die britische Firma Cambridge Analytica unter massivem Druck. Das Datenanalyse-Unternehmen, das unter anderem für das Wahlkampfteam von Trump arbeitete, wird beschuldigt, sich auf unerlaubte Weise Informationen von Millionen von Facebook-Nutzern beschafft zu haben, die eine Umfrage-App gesammelt hatte. Der Skandal berührt den Kern des Geschäftsmodells von Facebook und anderen Branchengrößen wie Google oder Twitter, das auf der massiven Sammlung von Daten über seine Nutzer beruht. 

qu/ww (rtr, dpa, afp, APE)