EU-Gesundheitsbehörde rechnet mit starker Delta-Ausbreitung in Europa | Aktuell Europa | DW | 24.06.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Coronavirus

EU-Gesundheitsbehörde rechnet mit starker Delta-Ausbreitung in Europa

Die Delta-Variante des Coronavirus könnte bis Ende August für 90 Prozent der Corona-Neuinfektionen in der EU verantwortlich sein. Diese Prognose stellt die EU-Gesundheitsbehörde ECDC.

Bildergalerie über die Varianten des neuen Coronavirus

Modelle der aktuell wichtigen Coroanvirus-Varianten

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Delta-Variante während des Sommers erheblich zirkulieren wird, besonders unter jüngeren Menschen, die nicht geimpft werden", erklärte Andrea Ammon, Leiterin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Dies könne ein Risiko verursachen, dass sich gefährdetere Personen anstecken und einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf erleben oder sterben könnten, wenn sie nicht vollständig geimpft seien.

Die EU-Gesundheitsbehörde mit Sitz in Stockholm schätzt die erstmals in Indien nachgewiesene Variante als 40 bis 60 Prozent ansteckender ein als die zuerst in Großbritannien identifizierte Alpha-Variante, die derzeit in der Europäischen Union dominiert. Um der Ausbreitung der hochansteckenden Variante B.1.617.2 entgegenzuwirken, sei es "sehr wichtig, die Impfkampagne mit hohem Tempo voranzutreiben", erklärte das ECDC. Bislang sind nach Angaben der Behörde rund 30 Prozent der über 80-Jährigen und etwa 40 Prozent der über 60-Jährigen in der EU noch nicht vollständig geimpft.

 Andrea Ammon

Eine deutliche Warnung aus Stockholm: Andrea Ammon, Generaldirektorin des ECDC

Unerfreulicherweise zeigten vorläufige Daten, dass sich auch Menschen mit der Delta-Variante anstecken könnten, die erst eine Dosis der derzeit verfügbaren Impfstoffe erhalten hätten, erklärte Ammon. Die gute Nachricht sei dagegen, dass zwei Impfdosen einen hohen Schutz gegen diese Variante und ihre Folgen böten.

Hohes Impftempo beibehalten

Ein sehr hohes Tempo bei den Impfkampagnen sei deshalb äußerst wichtig. Zu diesem Zeitpunkt sei zudem entscheidend, die Zweitimpfung innerhalb der geringsten zugelassenen Zeitspanne nach der Erstimpfung zu verabreichen, um Gefährdete zu schützen. Noch immer bestehe für zu viele Menschen das Risiko, ernsthaft an COVID-19 zu erkranken.

Das ECDC mahnte auch zur Vorsicht bei der Lockerung von Corona-Beschränkungen. Dies könnte zu "einem schnellen und deutlichen Anstieg" der Infektionen bei allen Altersgruppen führen. In der Folge könnte es zu einer Zunahme der Krankenhausaufenthalte und Todesfälle kommen, "die möglicherweise das gleiche Niveau wie im Herbst 2020 erreichen, falls keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden", erklärte die EU-Behörde.

Merkel warnt vor Rückschlägen

Angesichts der Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus in Teilen Europas sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Wir dürfen jetzt das, was wir gemeinsam erreicht haben, nicht leichtfertig riskieren." Bei ihrem letzten Auftritt bei der Regierungsbefragung im Bundestag sagte Merkel: "Auch wenn die dritte Welle eindrucksvoll gebrochen ist - vorbei ist die Pandemie noch nicht", sagte Merkel. "Wir bewegen uns immer noch auf dünnem Eis." Das geringe Infektionsgeschehen sei ermutigend und lasse Öffnungen zu. Es gelte aber, dabei mit Augenmaß vorzugehen. So gebe es etwa in Portugal und Russland stark steigende Neuinfektionen mit der Delta-Variante. "Das sollte uns Warnung und Auftrag zugleich sein, denn auch bei uns steigt der Anteil der Delta-Mutation an den Infektionen."

Infografik Erfasste Fälle der Delta-Variante weltweit DE

Merkel bedauerte, dass nicht alle europäischen Länder dieselben Reiseregeln vorsähen, etwa mit Quarantäne bei Einreise aus Virusvariantengebieten. Wenn man nun vorsichtig und aufmerksam bleibe und die vergleichsweise erträglichen Schutzregeln beachte, werde die Pandemie "ihren Schrecken verlieren und endgültig überwunden werden".

Jeder dritte Deutsche komplett geimpft

Den vollen Impfschutz, der für die ansteckendere Delta-Variante als nötig gilt, hat mittlerweile knapp jeder Dritte in Deutschland. Genau gesagt: 26,9 Millionen Menschen sind vollständig geimpft. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben inzwischen 43 Millionen Menschen mindestens eine Impfung bekommen, das entspricht 51,6 Prozent.

Video ansehen 02:11

Großbritannien - Besorgnis über Delta-Variante (17.06.2021)

Auch die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar Urlauber rief zu besonderer Wachsamkeit auf. "Gerade mit Blick auf die Sommerferien ist es extrem wichtig, darauf zu achten, dass durch Reiserückkehrende keine Infektionen eingetragen werden", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion der Deutschen Presse-Agentur. "Wir alle haben uns einen Urlaub verdient, allerdings rate ich davon ab, in Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete zu reisen."

Delta-Variante fast verdoppelt

In Deutschland wächst der Anteil der Delta-Variante deutlich. Er verdoppelte sich in einer Stichprobe im Vergleich zur Vorwoche fast auf nun 15,1 Prozent, wie das Robert Koch-Institut berichtet. Seine Angabe bezieht sich auf die Woche vom 7. bis 13. Juni. Die Werte für die Woche zuvor wurden wegen Nachmeldungen rückwirkend von etwa sechs auf acht Prozent korrigiert.

In den Daten ist damit nun in der dritten Woche in Folge eine ungefähre Verdopplung des Delta-Anteils abzulesen: von 4 auf 8 auf 15 Prozent. Dieses Tempo hatten Fachleute befürchtet. Noch dominiert die in Großbritannien entdeckte Variante Alpha (B.1.1.7) das Infektionsgeschehen, der Anteil an den positiven Fällen in der Stichprobe ist nun jedoch nach Wochen mit Werten von um 90 Prozent auf 74 Prozent geschrumpft.

kle/rb (dpa, afp, rtr)

Die Redaktion empfiehlt