Erinnerungskultur: Das neue Anne-Frank-Haus in Amsterdam | Kultur | DW | 23.11.2018
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Holocaust-Gedenken

Erinnerungskultur: Das neue Anne-Frank-Haus in Amsterdam

Zwei Jahre dauerte die Umgestaltung, bei laufendem Betrieb. Das Anne-Frank-Haus in Amsterdam hat seit jeher viele Besucher, doch sie bringen immer weniger Vorwissen mit. Das soll mit dem neuen Konzept aufgefangen werden.

Das Tagebuch der Anne Frank ist weltberühmt. Der Ort, an dem es geschrieben wurde, das Haus an der Amsterdamer Prinsengracht 263 - heute bekannt als Anne-Frank-Haus - gehört zu den meist besuchten Sehenswürdigkeiten in Europa. Jedes Jahr kommen rund 1,2 Millionen Besucher. 

Doch die Anforderungen an das Museum ändern sich. "Die jungen Menschen, die das Anne-Frank-Haus heutzutage besuchen, erleben das Haus und seine Geschichte ganz anders als meine Generation", sagt Ronald Leopold (Jahrgang 1960), Direktor der Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam. "Ich selbst bin mit dem Thema Zweiter Weltkrieg und Judenverfolgung groß geworden, meine Eltern haben es mir erzählt. Die jungen Menschen, deren Großeltern erst nach dem Krieg geboren wurden, haben da eine ganz andere Beziehung zu und sie wissen oft auch sehr viel weniger darüber." Und so entschloss man sich, das Museum umzugestalten: mehr Hintergrund, mehr Kontext, mehr pädagogische Aktivitäten. Zwei Jahre lang glich das Museum einer Baustelle, ohne jedoch geschlossen zu werden.

Anne Frank Tagebuch (Anne Frank House/Cris Toala Olivares)

Das Tagebuch bekam Anne Frank am 12. Juni 1942 zu ihrem 13. Geburtstag geschenkt

Aus der Vergangenheit lernen 

Das Anne-Frank-Haus in Amsterdam will nicht nur zeigen, was in der Zeit des Nationalsozialismus geschehen ist, sondern auch vermitteln, wie es dazu kommen konnte. Es will zum Nachdenken anregen. "Erinnerungen an die Geschichte, Nachdenken über die Geschichte und Reagieren auf die Geschichte sind die drei Schritte, die bis heute die Arbeit des Anne-Frank-Hauses bestimmen", so Ronald Leopold. "Eine der wichtigsten Lehren aus der Geschichte der NS-Zeit, des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust ist vielleicht die Erkenntnis, dass das alles Menschenwerk war: das Ausgrenzen, die Verfolgung und Deportation und schließlich die Ermordung von sechs Millionen Juden."

Durch ein bewegliches Bücherregal ging es ins Hinterhaus (Anne Frank House/Cris Toala Olivares )

Durch ein bewegliches Bücherregal ging es ins Hinterhaus

In dem neu gestalteten Haus wird die Geschichte von Annes Frank und ihrer Familie mit Hilfe eines Audio-Guides chronologisch erzählt: Die ersten Jahre in Deutschland, die Flucht vor den Nazis in die Niederlande, die zunächst glücklichen Jahre dort bis hin zu ihrem Untertauchen 1942. An diesem Punkt der Führung steht man vor dem berühmten Bücherschrank, hinter dem sich die Treppe ins Hinterhaus verbirgt. Dort versteckten sich Anne Frank und ihre Familie zwei Jahre lang auf engstem Raum - bis sie verraten wurden. "Am Hinterhaus haben wir nichts verändert", sagt die Architektin Janneke Bierman. Es ist das Herz des Museums, ein Ort der Stille. Der Audio-Guide stoppt an dieser Stelle. Später geht die Geschichte weiter: Der Verrat der Familie, die Deportation ins Konzentrationslager. Der einzige, der überlebt, ist Otto Frank. Annes Vater sorgt später dafür, dass das Tagebuch seiner Tochter veröffentlicht wird.

Königliche Eröffnung 

Nun wurde die neu gestaltete Dauerausstellung in Amsterdam feierlich präsentiert - im Beisein des niederländischen Königs Willem Alexander, der im Anschluss an die Eröffnungszeremonie durch das Haus geführt wurde und mit Mitarbeitern des Museums sprach.

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