Equal Pay: Warum sich der Sport weiterhin schwer tut
17. September 2025
Gleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Sport: Auf den ersten Blick scheint dieses Ziel derzeit rasant an Fahrt aufzunehmen. Ein Bericht der BBC ergab, dass mittlerweile 90 Prozent aller Sportarten die gleichen Preisgelder an Männer und Frauen auszahlen, während ausverkaufte Stadien bei Frauenwettbewerben in großen Sportarten wie Fußball, Tennis und Cricket mittlerweile fast normal sind.
Wie so oft lohnt sich ein zweiter Blick, besonders am Internationalen Tag der Lohngleichheit (18. September). "Der Sport schneidet im Vergleich zu vielen anderen Branchen ziemlich schlecht ab, wenn es um gleiche Bezahlung und gleiche Bedingungen geht", sagt Lombe Mwamba, Interim-Geschäftsführerin der Organisation Global Observatory for Gender Equality and Sport, gegenüber der DW.
Obwohl es nur wenige sportspezifische Daten gibt, herrscht Einigkeit darüber, dass Spitzenfußballerinnen 15 bis 25 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen verdienen. Zwar gibt es Ausnahmen wie Tennis, wo man sich bei allen Turnieren in Richtung gleicher Preisgelder für Männer und Frauen bewegt, doch sind die Unterschiede in den meisten Spitzensportarten erheblich.
Forderung: Mindestlohn, mehr Investitionsbereitschaft, berufliche Aufstiegschancen
Dafür gibt es fast so viele Gründe wie es Sportarten gibt: das historische Verbot von Frauensportarten in vielen Ländern, mangelnde Investitionsbereitschaft, fehlende berufliche Aufstiegsmöglichkeiten und Mutterschutzregelungen. Und, vielleicht am nachhaltigsten, die Vorstellung, dass Sport eine Männersache sei und nur für Männersportarten ein kommerzielles Interesse bestehe.
Alex Culvin, ein ehemaliger Fußballspieler, der heute für die globale Spielergewerkschaft FIFPRO arbeitet, argumentiert, dass ein solcher Vergleich der Gehälter der Topverdiener in diesem Sport der Gleichstellungsdebatte einen Bärendienst erweise – er betrachte nur einen winzigen, verzerrten Ausschnitt des Gesamtbildes.
"Ich glaube, dass die oberen fünf Prozent der Männerverdiener den Markt wirklich in die Höhe treiben. Wenn man in einer niedrigeren Liga spielt, verdient man nicht 400.000 Euro (470.000 Dollar) pro Woche, sondern wahrscheinlich 4.000 Euro pro Woche. Und einige Spielerinnen verdienen genauso viel."
"Es ist geschäftlich klug, in die Frauenmannschaft zu investieren"
Culvin plädiert für sogenannte Gehaltsuntergrenzen im Frauenfußball und einen organischeren Ansatz für Wachstum. Diese Tarifverträge, die in den Top-Ligen der USA, Großbritanniens und Spaniens gelten, funktionieren ähnlich wie ein Mindestlohn.
"Ich denke, es ist geschäftlich klug, in die Frauenmannschaft zu investieren und ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich entfalten können. Das bringt Einnahmen für den Sport und führt folglich zu höheren Gehältern", fügt Culvin hinzu.
Für Mwambwa ist es nicht realistisch, die Bezahlung aller Sportlerinnen und Sportler sofort anzugleichen. Und dies fordern viele Athletinnen, besonders beim Fußball, auch gar nicht. Stattdessen, so auch Mwambwa, seien Veränderungen an der Basis und nicht nur auf dem Spielfeld gewünscht.
"Wir wissen, dass Frauen einen großen Teil der Arbeitskräfte im Sportbereich ausmachen, die ehrenamtlich tätig, unterbezahlt oder nicht als Arbeitnehmerinnen anerkannt sind. In vielen Fällen arbeiten Frauen seit langem sogar als Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und in vielen anderen Funktionen, haben aber aufgrund verschiedener Hindernisse wie Kosten oder fehlende Ausbildungsmöglichkeiten kaum Aufstiegschancen", so Mwambwa. "Wenn wir über den Sport nachdenken, müssen wir über das Gehalt hinausdenken."
Selbst auf höchstem Niveau sind die Bedingungen für Frauen oft deutlich schlechter, selbst wenn die Preisgelder oder Antrittsgelder gleich sind. "Es gibt Verbände, die sich mit Schönfärberei brüsten, um zu behaupten, sie seien gleichberechtigte Arbeitgeber", meint Culvin und bezieht sich dabei auf Nationalmannschaften, die in den letzten Jahren die Spielprämien angeglichen haben.
"Aber alles andere ist ungleich – wie sie zu den Spielen reisen, die Einrichtungen oder das Niveau der Köche, die sie haben, und solche Dinge. Alle Faktoren, die es den Spielerinnen ermöglichen, ihre Leistung zu erbringen, sind so unterschiedlich und ungleich, dass die Spielprämie fast irrelevant wird."
Jasmina Covic, eine der wenigen weiblichen Fußballagenten, erklärt gegenüber der DW, das zwar die Spitzenvereine in den Frauenfußball investieren, dies jedoch keine allgemeine Politik sei. "Es gibt Vereine, die damit große Schwierigkeiten haben und sagen: 'Nein, die Männermannschaft hat immer Vorrang. Wenn sie den Platz nicht braucht, kann die Frauenmannschaft ihn nutzen.'"
Existenzielle Bedrohung durch rechtspolitische Tendenzen
Eine existenzielle Bedrohung für den Frauensport geht derzeit von der politischen Rechtsorientierung vieler Länder aus, insbesondere den USA. Die Einführung des Gesetzes Title IX [Paragraph neun, And. d. Red.] aus dem Jahr 1972, das geschlechtsspezifische Diskriminierung in allen staatlich finanzierten Bildungseinrichtungen verbietet, führte zu einem Anstieg der Teilnahme von Frauen im Sport. Es gilt als unbestritten, dass dies beispielsweise dazu beigetragen hat, dass der Frauenfußball in den USA weltweit so prominent und erfolgreich werden konnte.
Wenige Tage nach seinem zweiten Amtsantritt änderte Donald Trump das Gesetz, unter anderem verbietet es Transgender-Athletinnen an Frauenwettbewerben teilzunehmen. Nicht wenige sehen darin erste Anzeichen für eine schleichende Einschränkung des Frauensports unter dem Deckmantel der Abschaffung der DEI-Politik [Diversität, Gleichstellung und Inklusion, Anm. der Redaktion].
"Der umfassende Angriff der Trump-Regierung auf das, was sie als DEI bezeichnet – Bemühungen zur Beseitigung von Ungleichheiten aufgrund historischer und aktueller Formen von Rassismus und anderer Diskriminierung –, hat eine zutiefst abschreckende Wirkung. Selbst das Wort "Geschlecht" scheint für die US-Regierung ein Gräuel zu sein, da beispielsweise die US-Vertretung bei den Vereinten Nationen versucht, dieses Wort aus jeder UN-Resolution zu streichen", schrieb Heather Barr, stellvertretende Direktorin der Abteilung für Frauenrechte bei Human Rights Watch, Anfang dieses Jahres.
Es reicht also nicht aus, Preisgelder zwischen Männern und Frauen symbolträchtig anzugleichen. Der Sport muss mehr tun: Er muss strukturelle und historische Ungerechtigkeiten angehen und sich darüber hinaus in der globalen und lokalen Politik engagieren, wenn er der Gleichstellung tatsächlich näher kommen will.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert.