Empörung über Kim-Versteher Trump | Aktuell Amerika | DW | 01.03.2019
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Fall Warmbier

Empörung über Kim-Versteher Trump

Das Treffen des US-Präsidenten mit Nordkoreas Machthaber sorgt in den USA für erhitzte Gemüter. Doch nicht das Platzen des Gipfels in Hanoi steht in der Kritik, es ist vielmehr ein Trump-Statement zum Fall Otto Warmbier.

Im Fall des nach nordkoreanischer Haft verstorbenen US-Studenten Otto Warmbier hat sich Donald Trump hinter Machthaber Kim Jong Un gestellt - und damit empörte Reaktionen in den Vereinigten Staaten hervorgerufen. Trump hatte nach Ende des Gipfeltreffens im vietnamesischen Hanoi erklärt, er habe mit Kim über den mutmaßlich schwer gefolterten Studenten gesprochen. Dabei habe ihm Kim gesagt, "dass er nichts darüber wusste, und ich nehme ihn beim Wort", betonte der US-Präsident. Nordkoreas Machthaber habe "erst später davon erfahren", dass mit Otto Warmbier in der Haft "einige sehr schlimme Dinge" passiert seien.

Warmbier war während einer Nordkorea-Reise 2016 wegen des angeblichen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Er fiel unter ungeklärten Umständen ins Koma und wurde schließlich freigelassen. Im Juni 2017 starb er wenige Tage nach seinem Rücktransport in die USA.

Otto Warmbier (M.) in Pjöngjang (Imago/Xinhua)

2016: Otto Warmbier (M.) wird in Pjöngjang vor Gericht gestellt

Folter oder "Nahrungsmittelvergiftung"? 

Ein amerikanisches Gericht kam zu dem Schluss, dass der 22-Jährige in Nordkorea gefoltert wurde. Pjöngjang bestreitet hingegen jegliche Misshandlung Warmbiers und behauptet, der Student habe sich eine schwere Nahrungsmittelvergiftung zugezogen.

Dass Trump nun Kims Angaben Glauben zu schenken scheint, stieß in den USA auf völliges Unverständnis. "Natürlich wusste Kim davon", twitterte etwa der einflussreiche demokratische Senator Mark Warner. "Anscheinend ist der Präsident der Vereinigten Staaten der Einzige, der diese offensichtliche Lüge glaubt."

Adam Schiff, Abgeordneter der Demokraten im Repräsentantenhaus, bezeichnete Trumps Äußerungen als "abscheulich". Senator Chris Van Hollen warnte, die USA dürften "Kim Jong Un nicht einen Blankoscheck dafür ausstellen, einen der unseren zu foltern und zu ermorden". Senator Tim Kaine warf Trump vor, sich an die Seite von "Diktatoren" anstelle von US-Bürgern zu stellen.

Auch der Fraktionschef von Trumps Republikanern im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, übte scharfe Kritik am US-Präsidenten: "Ich sehe Nordkoreas Führer nicht als jemanden an, der ein Freund ist. Wir alle wissen, was mit Otto passiert ist, wir wissen, was dieses Land getan hat."

Das Gipfeltreffen von Trump und Kim war am Donnerstag ohne Ergebnis abgebrochen worden - beide Seiten gaben sich später gegenseitig die Schuld daran. Man habe aber vereinbart, weitere Gespräche zu führen, hieß es aus Pjöngjang und Washington.

wa/se (afp, ap)

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