″Eleonore″ darf nicht in Italien oder Malta anlegen | Aktuell Europa | DW | 27.08.2019
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Seenotrettung

"Eleonore" darf nicht in Italien oder Malta anlegen

Die Verbote kommen nicht überraschend. Für das Rettungsschiff "Eleonore" mit rund 100 Migranten an Bord könnte es der Beginn einer Odyssee sein. Unterdessen werden bei einem Bootsunglück vor Libyen viele Tote befürchtet.

Rettungsschiff Eleonore - Migranten auf dem Mittelmeer gerettet (picture-alliance/dpa/J. Filous)

Als die Besatzung die Migranten am Montag aus dem Mittelmeer aufnahm, verlor deren Schlauchboot bereits Luft

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat dem deutschen Rettungsschiff "Eleonore" mit rund 100 Migranten an Bord das Anlegen in den Häfen des Landes verboten. Das Schiff mit deutscher Flagge dürfe nicht in italienische Gewässer fahren, hieß es aus dem Ministerium in Rom. Nach Angaben der deutsche Nichtregierungsorganisation Mission Lifeline, die das Schiff unterstützt, hat auch Malta die Einfahrt in seine Häfen verweigert.

Nach Angaben des Sprechers Axel Steier befindet sich das Schiff derzeit in der maltesischen Seenotrettungszone. "Wenn Leib und Leben in Gefahr ist und das Schiff somit in Seenot gerät, wäre also Malta zuständig", sagte Steier. Der Kapitän könne dann ein Hilfssignal aussenden - das Land müsse dem Schiff dann die Einfahrt in einen Hafen erlauben.

Wie der Eigner und Kapitän des Schiffes, Claus-Peter Reisch, auf Twitter mitteilte, verweigert Malta außerdem die Erlaubnis, dass ein kommerzielles Schiff die "Eleonore" am Mittwoch mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgt.

Notfalls selbst handeln

Zuvor hatte Lifeline-Sprecher Steier mitgeteilt, die "Eleonore" sei nur 20 Meter lang und nicht für so viele Menschen ausgelegt. "Die Politiker mögen schnell handeln, sonst müssen wir handeln", sagte der Lifeline-Sprecher der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Wenn es einen Notstand an Bord gebe, werde das Schiff den nächsten sicheren Hafen in Italien oder Malta anfahren, auch wenn sich beide Länder nicht für zuständig hielten, so Steier. Bei einer Notsituation habe auch Italiens Innenminister Salvini "nichts zu melden". Die Lage an Bord beschrieb Steier als ruhig. Die Geretteten seien unterernährt und dehydriert; unter ihnen auch 30 Minderjährige, davon 15 unbegleitete Kinder. 

Die "Eleonore" hatte die Menschen am Montag aufgenommen. Die Migranten seien 31 Seemeilen (rund 57 Kilometer) nördlich der libyschen Küste gerettet worden, während ihr Schlauchboot bereits am Sinken gewesen sei, teilte die Organisation. "Es war buchstäblich in letzter Sekunde", twitterte Kapitän Reisch.

Reisch erlangte Bekanntheit, weil er sich nach einem Rettungseinsatz vor einem maltesischen Gericht verantworten musste. Der Kapitän aus Bayern hatte im Juni 2018 mehr als 230 Migranten an Bord der "Lifeline" genommen. Danach irrte das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff tagelang über das Mittelmeer, weil Italien und Malta ein Anlegen verboten. Schließlich durfte die "Lifeline" doch in Malta vor Anker gehen, wo sie bis heute im Hafen von Valletta an der Kette liegt.

Im Mai dieses Jahres wurde Reisch in Valletta wegen einer nicht ordnungsgemäßen Registrierung des Schiffes zu einer Geldstrafe verurteilt. Gegen den Richterspruch ging er in Berufung.

Neue Odyssee?

Die "Eleonore" befand sich erst seit Samstag in der sogenannten Such- und Rettungszone vor der libyschen Küste, wo Hilfsorganisationen immer wieder Migranten von seeuntauglichen Booten retten und nach Europa bringen. Italien hat seine Häfen für NGO-Schiffe weitestgehend geschlossen, Malta zeigte sich zuletzt verhandlungsbereiter. Jedoch gab es immer wieder lange Blockaden, bevor die Verteilung der Migranten auf andere EU-Länder geklärt war. Es ist somit absehbar, dass wohl auch die rund 100 Migranten auf der "Eleonore" längere Zeit auf dem Schiff ausharren müssen.

Malta Anhörung Claus-Peter Reisch, Kapitän des Schiffs MV Lifeline in Valletta (Reuters/D.Z. Lupi)

Kapitän Claus-Peter Reisch nach einer Anhörung im Mai 2019 in Valletta

Unterdessen nimmt die Zahl der privaten Seenotretter im Mittelmeer wieder zu. Die "Alan Kurdi" der Hilfsorganisation Sea-Eye stach am Montag im spanischen Hafen Castellón in See und fährt zum Rettungsgebiet vor der libyschen Küste, wie die Organisation mitteilte. Voraussichtlich am Freitag werde man das Gebiet erreichen. Die Arbeit der Retter scheint allerdings behindert zu werden. Die Crew des Rettungsschiffs "Mare Jonio" der Organisation Mediterranea berichtete über Störsignale, die die Suche nach Schiffbrüchigen erschwerten. Auch Mission Lifeline gab über ihren Sprecher an, GPS-Störungen festgestellt zu haben.

Neues Unglück im Mittelmeer

Für viele Insassen eines weiteren Flüchtlingsbootes kam die Hilfe zu spät. Mehrere Tote seien bei einem Bootsunglück vor der libyschen Küste geborgen worden, etwa 40 Menschen würden vermisst, teilte das UN-Hilfswerk für Flüchtlinge (UNHCR) mit. Etwa 60 Menschen seien gerettet worden. Die libysche Küstenwache und örtliche Fischer hätten sich seit dem frühen Morgen an der Rettungsaktion beteiligt. Nach Angaben der Küstenwache geriet das Boot neun Seemeilen von der libyschen Küste entfernt in Seenot.

wa/ust/ww (dpa, afp, epd, kna)

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