Elena Ferrante und ″Die Geschichte des verlorenen Kindes″ | Bücher | DW | 30.01.2018
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Bücher

Elena Ferrante und "Die Geschichte des verlorenen Kindes"

Weltweit haben Leser bei der Geschichte um die Freundinnen Lenù und Lila mitgefiebert. Jetzt erfahren auch die deutschen Fans, wie die neapolitanische Saga zu Ende geht. Der letzte Band kommt nun in die Buchläden.

Auf der deutschen Elena Ferrante-Homepage läuft ein Countdown: Auf Sekunden genau können die Leser sehen, wie lange sie noch auf den letzten Band der neapolitanischen Saga warten müssen. Am 2. Februar ist es dann soweit, und die Fans können sich mit dem sehnsüchtig erwarteten Roman "Die Geschichte des verlorenen Kindes" aufs Sofa zurückziehen und in dem 614 Seiten dicken Wälzer in eine Welt von Liebe, Verrat, Rivalität und Freundschaft abtauchen. 

Eindringliches Gesellschaftspanorama aus Italien 

Begonnen hat die Geschichte von Lila und Elena, genannt Lenù, um 1955 in dem Armenviertel Rione in Neapel - und hier endet sie auch im letzten Teil: "Die Geschichte des verlorenen Kindes". Der brutale Alltag im Neapel der 50er Jahre, die 60er und 70er Jahre in Italien mit ihren permanenten Auseinandersetzungen zwischen Faschisten und Kommunisten, das organisierte Verbrechen und dazwischen das Auf und Ab einer Frauenfreundschaft, die über 60 Jahre währt: Elena Ferrante hat ein eindringliches Gesellschaftspanorama entworfen, das Kritiker und Leser gleichermaßen begeistert. Zum Hype um die öffentlichkeitsscheue Autorin hat wohl auch beigetragen, dass niemand weiß, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt -  auch wenn ein internationales Journalisten-Team 2016 meinte, das Geheimnis gelüftet zu haben: Anita Raja soll sie heißen, 1953 in Rom geboren und in Neapel als Übersetzerin in dem italienischen Verlag tätig sein, in dem die Bücher Ferrantes erscheinen. Bisher gab es vom Verklag weder eine Bestätigung noch ein Dementi.

Italien Zwei Frauen hängen Wäsche auf in Neapel der 50er (Getty Images/Hulton Archive/Keystone Features)

Eine Szene in Neapel um 1956, die auch Lila und Lenù zeigen könnte

In Italien erschien der erste Teil des Fortsetzungsromans "L’amica geniale" - auf Deutsch "Meine geniale Freundin" - bereits 2011, 2012 folgte "Storia del nuovo cognome"- "Die Geschichte eines neuen Namens", ein Jahr später dann "Storia di chi fugge e di chi resta" -"Die Geschichte der getrennten Wege".  Seit Oktober 2014 wissen italienische Leser, wie die Saga um die spannungsgeladenen Freundschaft endet, im englischsprachigen Raum immerhin seit 2015.

Als Übersetzerin auf der "Jagd nach dem richtigen Wort"

Buchcover Elena Ferrante: Meine geniale Freundin (Suhrkamp)

Band eins erschien auf Deutsch am 29. August 2016

In Deutschland erschien der erste Band erst Ende August 2016 – und dementsprechend mussten sich die Leser der Saga gedulden, während Übersetzerin Karin Krieger sich jeweils den Folgeband vornahm. Täglich zwischen vier und sieben Seiten pro Tag umfasste ihr Pensum. Immer wieder habe sie am Text gefeilt und sei ständig auf der Jagd nach dem richtigen Wort gewesen, verriet sie der "dpa" im Interview. Um das richtige Gefühl für die Figuren und den Ort der Handlung zu bekommen, besuchte sie Neapel, sah sich alte italienische Filme an und hängte sich einen Stadtplan der süditalienischen Hafenstadt über den Schreibtisch. Zwischendrin kontaktierte sie Elena Ferrante, um nach der genauen Bedeutung eines Wortes und den Assoziationen, die ausgelöst oder vermieden werden sollen, zu fragen.

Die Saga geht zu Ende - aber die Protagonistinnen bleiben 

Im Abstand von vier bis sieben Monaten kamen die Elena Ferrante Bücher auf den deutschen Markt - eine harte Geduldsprobe für eingefleischte Fans der Reihe. Man hätte natürlich erst alle Bände übersetzen können, damit die Leser sie direkt hintereinander hätten konsumieren können, aber: "Es wäre im Falle der Neapolitanischen Saga allerdings darauf hinausgelaufen, dass wir die beträchtliche internationale Begeisterung im Sommer 2016, als wir den ersten Band brachten, quasi verpasst hätten", so Frank Wegner vom Suhrkamp-Verlag. "Und viele Leserinnen und Leser hatten zuvor von dem Phänomen ja gehört und wollten unbedingt sofort deutsche Ausgaben. Da wäre die Bitte, man möge sich noch zweieinhalb Jahre gedulden, bis alles übersetzt vorliege, womöglich mit Unverständnis und Unmut aufgenommen worden."

Fernsehserie geplant

Besonders ungeduldige Leser griffen daher zu italienischen bzw. englischsprachigen Ausgaben, aber angesichts der Zahlen könne man mit diesem Wermutstropfen leben, so Wegner weiter: "Wir haben von den drei bislang erschienenen Bänden insgesamt etwa 1,2 Millionen Exemplare abgesetzt - parallel dazu sind in der Summe knapp 35.000 Exemplare fremdsprachiger Ausgaben verkauft worden."

Auch beim vierten Band "Die Geschichte des verlorenen Kindes" wird sich der Verlag über gute Verkaufszahlen freuen dürfen, zahlreiche Vorbestellungen sind schon eingegangen. Der letzte Teil der Saga ist brutal, düster und traurig, so viel sei schon verraten. Lenù  ist nach Neapel zurückgekehrt und kommt endlich mit ihrem Jugendschwarm Nino zusammen - doch diese Liebe entpuppt sich als Alptraum. Ihre Freundin Lila ist inzwischen erfolgreiche Unternehmerin, aber sie gerät zunehmend in die Welt des verbrecherischen Neapels, die sie immer verabscheut hat.

Die letzten Zeilen der Saga sind zwar geschrieben, doch mit Lila und Lenù geht es trotzdem weiter. Sie kommen demnächst in einer Fernsehserie von Rai und dem US-Sender HBO auf den Bildschirm. 

suc/pl (dpa/ suhrkamp)

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