Eishockey-Krise: Das Prinzip Hoffnung | Sport | DW | 26.10.2020
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Eishockey

Eishockey-Krise: Das Prinzip Hoffnung

Die Deutsche Eishockey Liga ist die einzige Eliteliga Deutschlands, die noch nicht wieder gestartet ist. Auch beim Hauptstadtklub Eisbären Berlin stieg die Frustration. Aber jetzt gibt es Hoffnung. Oder doch nicht?

Mit der festen Terminierung des MagentaSport Cups, einem Sponsorenturnier, an dem immerhin acht der 14 DEL-Teams teilnehmen werden, kommt ein wenig Hoffnung zurück in das Gesicht von Mark Olver. Der 32-jährige Kanadier, der mit Unterbrechung seit fünf Jahren bei den Eisbären spielt, fühlte sich dieser Tage aber trotzdem wieder böse an die Situation im vergangenen März erinnert, als die Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) abgebrochen wurde.

Einen Termin für den Start der neuen Saison gibt es noch nicht. Sie soll frühestens Mitte Dezember starten. "Die Saison wird um einen weiteren Monat verschoben. Und um einen weiteren Monat. Und um einen weiteren Monat. Es liegt am Management und an den Politikern, eine Lösung zu finden, damit wir spielen können", sagt Olver. 

Schwierige Kostenstruktur

Die Situation ist im Eishockey angespannter als in anderen Sportarten. Während in Deutschland die Hand- und Basketballer bereits wieder spielen, ist im Eishockey noch Sendepause. Woran liegt das? Ein Eishockey-Kader ist mit rund 25 bis 30 Spielern pro Mannschaft deutlich größer als bei den anderen Profi-Hallensportarten und das verursacht höhere Kosten. Zudem sind - anders als im Fußball - die Fernsehverträge nicht die wichtigste Einkommensquelle, sondern die Zuschauereinnahmen. Zwischen 50 und 60 Prozent der Etats werden durch die Fans am Spieltag eingespielt. "Das Risiko der Pleite schwebe wegen der Corona-bedingten Zuschauerbeschränkung daher konkret über drei bis vier Teams der Liga", sagt Eisbären-Manager Peter-John Lee.

Eisbären Berlin | Mercedes-Benz Arena

Mit nur wenigen zugelassenen Zuschauern lässt sich die Mercedes-Benz-Arena in Berlin nicht kostendeckend betreiben

Teil des Problems sind auch die teilweise riesigen Multifunktionsarenen, in die die DEL-Klubs nach und nach eingezogen sind. Deren Betrieb ist teuer, doch kann man sie nicht kostendeckend betreiben, wenn die Zuschauerzahl begrenzt wird oder im schlimmsten Fall gar keine Fans zugelassen sind. "Wir fangen gerade an zu lernen, dass man nicht in die Zukunft blicken kann, auch weil die Politik mal vor- und dann auch wieder zurückrudert", sagt der Olympia-Silbermedaillengewinner und Eisbären-Kapitän, Frank Hördler. "Man lernt mit der Zeit, von Tag zu Tag zu denken und einfach auch positiv zu bleiben, um nicht in eine Lethargie zu verfallen."

Testturnier als Hoffnungsschimmer

Eine der Haupteinnahmequellen der Eisbären, die Champions Hockey League (CHL), eine Art Champions League des Eishockeys, wurde bereits definitiv abgesagt. Lukrative Heimspiele gegen renommierte europäische Gegner wie Jokerit Helsinki oder Sparta Prag fallen weg. Doch dafür wurde der Kader der Eisbären eigentlich zusammengestellt. Ex-NHL Spieler wie der Deutsch-Kanadier Olver sind Stars der europäischen Eishockey-Szene und jetzt zum Zuschauen verdammt.

Auch deswegen sind jetzt alle Beteiligten gespannt auf das Testturnier. "Also ich freue mich, dass da etwas vorangetrieben wird. Das sind endlich wieder Spiele, alle sind motiviert und es ist ein Anlass, noch härter zu trainieren", sagt Eisbären-Kapitän Hördler der DW. "Und gleichzeitig hoffen wir, dass es auch eine Vorbereitung auf eine Saison ist."

Hilfe vom deutschen Staat?

Viele DEL-Klubs arbeiten gerade an Anträgen, um Anteile aus dem Hilfspaket des Bundes für den Profisport zu bekommen. Das Paket hat ein Volumen von 200 Millionen Euro, jedem Verein winkt eine maximale Hilfe in Höhe von 800.000 Euro. Allerdings sind einige bürokratische Hürden zu überwinden. "Es gibt einige Punkte in dem 18-seitigen Antrag, bei denen man sicherstellen muss, jedes Detail richtig anzugeben", sagt Eisbären-Manager Lee der DW. "Viele Teams haben zwar noch keine Bestätigung, werden aber wohl Unterstützung bekommen. Das könnte vielen Teams der Liga das Leben erleichtern." Die Frage ist nur, ob einige DEL-Teams schon vor der Auszahlung der Hilfsgelder Insolvenz anmelden müssen und ob die Höhe der Förderung überhaupt ausreichend ist.

Eisbären Berlin im Wartestand - Peter John Lee

Macht sich momentan weniger über sportliche, als über finanzielle Aspekte Gedanken: Peter-John Lee

Hinzu kommen happige Einbußen bei den Gehältern. Peter-John Lee schätzt, dass seine Spieler am Ende auf bis zu 40 Prozent ihres Gehalts verzichten müssen. Kein Wunder, dass manche Profis auch über ein Karriereende nachdenken. "Jeden Tag komme ich zum Training und versuche, das Beste zu geben. Wenn das nicht mehr geht, dann mache ich halt etwas anderes, aber ich weiß heute noch nicht, was das ist. Heute bin ich noch Eishockey-Spieler", sagt Mark Olver nachdenklich. Mit 32 Jahren ist er einer der älteren Profis im Team.

Investor Anschutz weiter an Bord

Allerdings geht es den Eisbären noch verhältnismäßig gut. Sie zählen gemeinsam mit RB München zu den wohlhabenderen Klubs der Liga. Die Finanzdecke ist noch nicht zum Zerreißen gespannt. Bisher konnte man den Eigentümer aus den USA, Philip Anschutz, noch überzeugen, weiter in die Eisbären zu investieren.

"Ja, es sind Kosten. Aber es könnte uns helfen, die Liga in der nächsten Saison besser zu machen, darauf hofft unser Besitzer. Er [Philip Anschutz, Anm. d. Red.] möchte nicht Millionen und Abermillionen seines Investments verlieren", sagt Lee. "Die Ausgaben dieser Saison sollen ein Investment sein, um im Fokus des öffentlichen Interesses zu bleiben und Eishockey hier weiter möglich zu machen."

Das Interesse am Eishockey ist also nach wie vor hoch beim Eisbären-Investor und dem Ligasponsor, der Deutschen Telekom AG, ohne die auch der MagentaSport Cup nicht möglich gewesen wäre. Das Feuer brennt noch in Mark Olvers Augen, wenn er darüber spricht, dass es wieder losgeht. "Endlich bringen wir mit diesem Mini-Turnier wieder etwas Leben in die DEL und auch wieder etwas Hoffnung zurück und vielleicht startet die Saison gleich danach." Die Hoffnung stirbt eben zuletzt.

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