Ein Olympiasieger nur in Russland - geht das? | Europa | DW | 14.01.2019
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Doping

Ein Olympiasieger nur in Russland - geht das?

Ein Moskauer Gericht hat Alexander Subkow im Streit um die Rückgabe zweier aberkannter Goldmedaillen von den Winterspielen 2014 den Rücken gestärkt. Er hat weiterhin Olympiasieger-Status - zumindest in Russland.

Alexander Subkow (vorne) und Alexej Wojewoda im Zweierbob bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014.

Alexander Subkow (vorne) und Alexej Wojewoda im Zweierbob bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014.

Fast fünf Jahre nach den Olympischen Winterspielen in Sotschi geht für manche der damaligen Stars und mutmaßlichen Dopingsünder aus Russland der Kampf weiter - und zwar vor verschiedenen Gerichten. Einer von ihnen ist der 44-jährige ehemalige Bob-Pilot Alexander Subkow, Doppelsieger in Sotschi und seit 2016 Präsident des russischen Bob-Verbands. Am Freitag siegte Subkow zum zweiten Mal bei seinem Versuch, die beiden Titel und die damit verbundenen Privilegien zu verteidigen. Das Moskauer Stadtgericht bestätigte sein Urteil in erster Instanz vom 21. November und wies die Klage des Nationalen Olympischen Komitees Russlands (OKR) ab. Damals gab das Gericht Subkow teilweise Recht und verweigerte die Anerkennung der Entscheidung des internationalen Sportschiedsgerichts (CAS) über Verstöße des Athleten gegen Anti-Doping-Regeln auf dem "Territorium Russlands", hieß es in einer Pressemitteilung. Das Urteil ist jetzt rechtskräftig.

Warum Subkow seine Olympia-Titel verlor

"Ich bin vor Gericht gezogen, weil ich ein sauberer Sportler bin", sagte Subkow nach der Urteilsverkündung am Freitag. Anlass für das Verfahren war eine Entscheidung der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im November 2017. Nach dem so genannten McLaren-Report über Doping im russischen Sport wurde Subkow zusammen mit anderen russischen Athleten lebenslänglich gesperrt, seine Siege bei den Winterspielen in Sotschi 2014 wurden annulliert. Subkow klagte vor dem CAS in Lausanne. Seine Sperre wurde aufgehoben, doch die Aberkennung der Siege blieb in Kraft.

Alexander Subkow (picture alliance/dpa/epa/T. Hase)

Subkow während der Siegerehrung in Sotschi 2014

Was danach geschah, mag zunächst verwirrend erscheinen: Subkow klagte vor dem Moskauer Stadtgericht und dieses urteilte in erster Instanz, dass die Beweise des internationalen Schiedsgerichts über seinen Gebrauch von Doping-Mitteln "nur auf Mutmaßungen" basieren würden. Konkret geht es um zu hohe Salzwerte im Urin des russischen Athleten, die mutmaßlich darauf hinweisen, dass er vor dem Wettbewerb saubere Urinproben abgegeben habe, um sie später auszutauschen. Direkte Beweise über einen angeblichen Urinaustausch, um Doping-Spuren zu verwischen, habe das CAS nicht, so das russische Gericht. Damals sagte Subkow, das Gericht in Moskau habe ihn als "olympischen Sieger auf russischem Territorium" anerkannt. Doch ist das möglich, Olympiasieger in nur einem Land zu sein?

Es geht um Privilegien

Nach dem jüngsten Urteil teilte das Gericht mit, Subkows Status als Olympiasieger sei weder damals noch jetzt Gegenstand der Verhandlung gewesen. "Wir fechten die CAS-Entscheidung auf gar keinen Fall an", sagte Subkow. "Wir fechten aber die mich betreffende Entscheidung auf dem Territorium der russischen Föderation an." Der Ex-Sportler sagte, er werde nun beim russischen Sportministerium anfragen, warum sein Olympiasiegern zustehendes "präsidiales Stipendium" nicht mehr überwiesen werde.

Sein Anwalt Andrej Sidorenko drückte es noch deutlicher aus: "Niemand hatte die Absicht, mit der Entscheidung des Moskauer Gerichts das IOC zu zwingen, Subkows Namen auf der Siegerallee wiederherstellen". Es gehe eher darum, "staatliche Souveränität" durchzusetzen, denn in Russland seien mit dem Status eines Olympiasiegers "eine Reihe von Privilegien" verbunden. Es sieht so aus, als wäre das eines der Hauptmotive für die Klage.

IOC will die Medaillen zurück

Die unterlegene Seite, das Nationale Olympische Komitee Russlands, ist der Meinung, das Moskauer Stadtgericht hätte den Fall nicht in einer Hauptverhandlung verhandeln und die Beweise "neu bewerten" dürfen. Das sagte die IOC-Vertreterin vor Gericht, Elmira Kondratjewa, während der Verhandlung: "Das Moskauer Stadtgericht hat sich in die Kompetenzen des CAS eingemischt und die Beweise neu bewertet."

Der deutsche Sportrechts-Experte Rainer Cherkeh sagte der DW, er sehe nichts Ungewöhnliches in der Klage eines russischen Athleten gegen eine CAS-Entscheidung vor einem staatlichen russischen Gericht. So etwas gebe es auch in anderen Ländern. "Was die anderen russischen Athleten anbetrifft, so dürfte dieser Fall keine unmittelbaren Konsequenzen für sie haben", so der Experte. Zuvor schloss das Olympische Komitee Russlands nicht aus, dass russische Athleten als Folge des Falls Subkow bei den Olympischen Spielen 2020 in Japan gesperrt werden könnten.

Das IOC teilte auf Anfrage der DW mit, dass die Entscheidung des Moskauer Gerichts im Fall Subkow "keine Rolle spielt". Für das IOC zähle die CAS-Entscheidung, die nicht angefochten worden sei. "Deshalb fordert das IOC weiterhin die Rückgabe der Medaillen", heißt es. Die Frage über die Herausgabe von zwei Goldmedaillen war vor dem Moskauer Stadtgericht jedoch nicht verhandelt worden und bleibt offen. Subkows Anwälte sagten, er würde die Medaillen zurückgeben. Er selbst bestätigte lediglich, einen IOC-Brief mit der Aufforderung zur Rückgabe erhalten zu haben. Mehr wollte er nicht sagen.

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