Ein Fest der Schauspielkunst: 55. Theatertreffen in Berlin | Kultur | DW | 21.05.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Theater

Ein Fest der Schauspielkunst: 55. Theatertreffen in Berlin

Es sind vor allem die Schauspieler, die beim 55. Theatertreffen uneingeschränkt überzeugten. Der Belgier Benny Claessens bekommt für seine Darstellung in Elfriede Jelineks "Am Königsweg" den Alfred-Kerr-Darstellerpreis.

Es ist ein Treffen der Spitzenklasse: Mit der Einladung zum Berliner Theatertreffen werden jedes Jahr die bemerkenswertesten Theaterinszenierungen im deutschsprachigen Raum einer Saison ausgezeichnet - die zehn Stücke werden während 18 Tagen dem Publikum präsentiert.

Dieses Mal waren darunter Inszenierungen von Thomas Ostermeier, Karin Henkel, Jan Bosse und Frank Castorf zu sehen. Nicht alle überzeugten das traditionell kritische Theatertreffen-Publikum. Viel Applaus gab es aber für die großartige Schauspielleistung der Darsteller.

Alfred-Kerr-Preis für Schauspieler Benny Claessens

"Und dann kam Benny Claessens. Man schaut ihn an und da drängt er sich wieder auf, der zwischendurch verlegte, diskriminierte Gedanke, dass ein Schauspieler ein ganzes Theater sein kann", so der Juror und Schauspieler Fabian Hinrichs (Franken-"Tatort", "Sophie Scholl - Die letzten Tage") bei der Verleihung des Alfred-Kerr-Darstellerpreises zum Abschluss des Theatertreffens.

Deutsches Schauspielhaus Hamburg | Am Königsweg von Elfriede Jelinek, Schauspieler Benny Claessens (Arno Declair)

Benny Claessens in Jelineks "Am Königsweg"

Der 36-jährige Belgier nahm die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung am Pfingstmontag für seine schauspielerische Leistung in Elfriede Jelineks Stück "Am Königsweg" entgegen, eine am Deutschen Schauspielhaus Hamburg entstandene Regiearbeit von Falk Richter. Claessens zog die Zuschauer als exzentrischer König mit großer Spielleidenschaft in seinen Bann.

Der in Antwerpen geborene Claessens arbeitet als freischaffender Schauspieler und spielte unter anderem bereits an den Münchner Kammerspielen, am NTGent und am Berliner Maxim Gorki Theater. Am HAU Berlin werde Claessens im Juni eine neue, eigene Arbeit zeigen, kündigte das Theatertreffen an.

Von Castorfs "Faust" zu Meyerhoffs Solo

In Castorfs siebenstündiger Volksbühnen-Inszenierung von Goethes "Faust" begeisterten Stars wie Sophie Rois, Valery Tscheplanowa, Martin Wuttke und Marc Hosemann mit ihrem expressivem Spiel. Nina Hoss machte die Aufführung "Rückkehr nach Reims" des Berliner Schaubühnen-Leiters Thomas Ostermeier zum Erlebnis. Nicola Mastroberardino und seine Mitspieler beeindruckten in Ulrich Rasches spektakulärer "Woyzeck"-Inszenierung mit der riesigen Drehscheibe vom Theater Basel.

Wiebke Puls wurde für ihre darstellerische Leistung in Christoper Rüpings Brecht-Inszenierung "Trommeln in der Nacht" von den Münchner Kammerspielen mit dem mit 10.000 Euro dotierten 3sat-Preis geehrt. Regisseurin Karin Henkel erhielt für ihre herausragenden Verdienste um das deutschsprachige Theater den mit 20.000 Euro dotierten Theaterpreis Berlin.

Schauspieler Joachim Meyerhoff | Die Welt im Rücken im Akademietheater in Wien (picture-alliance/dpa/R. Jaeger)

Gefeiertes Solo: Schauspieler Joachim Meyerhoff in "Die Welt im Rücken"

Als letzte Theatertreffen-Premiere wurde am Sonntagabend Jan Bosses Theaterversion von Thomas Melles autobiografischem Roman "Die Welt im Rücken" gezeigt - und mit langem begeistertem Applaus und Bravo-Rufen gefeiert. In der am Wiener Burgtheater entstandenen Inszenierung spielt Schauspieler Joachim Meyerhoff in einem großen Solo den Manisch-Depressiven. Die Essenz des Buches ist gut erkennbar, ohne dass Meyerhoffs knapp dreistündiger Monolog zur szenischen Lesung wird - dazu ist sein Spiel viel zu intensiv und lebendig. 

jhi/sti (dpa/berlinerfestspiele.de/theatertreffen)

Die Redaktion empfiehlt