Sudan: Extremisten drohen Sender nach DW-Talkshow | Welt | DW | 22.09.2018
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Medienfreiheit

Sudan: Extremisten drohen Sender nach DW-Talkshow

Das leidenschaftliche Plädoyer einer jungen Frau für Freiheit und Respekt in der DW-Show "Shababtalk" hat eine hitzige Debatte im Sudan ausgelöst. Religiöse Extremisten drohen dem Partnersender.

Die arabischsprachige DW-Talkshow "Shababtalk" hat in dieser Woche eine Kontroverse im Sudan ausgelöst. Zum Thema "Was wollen sudanesische Frauen?" hielt die 28-jährige Weam Shawky dort eine leidenschaftliche Rede, in der sie die Unterdrückung von Frauen verurteilte. Sie kritisierte die gesellschaftlichen Normen in Nordafrika, insbesondere die weit verbreitete Schikanierung von Frauen. "Wenn ich auf die Straße gehe und ein Mann mich wie ein Objekt behandelt und nicht wie ein menschliches Wesen, dann ist die Person verwerflich, die ihm das Recht gibt mich zu belästigen - und nicht die Kleidung, die ich trage", sagte Shawky.

Sie richtete sich dabei an den ebenfalls in der Sendung anwesenden Leiter der sudanesischen Scholars Corporation, Mohammed Osman Saleh: "Die Kleidung, die ich trage, ist Teil meiner Menschlichkeit und meiner Wahlfreiheit - und nicht der Wahl der Gesellschaft mit ihren kranken und rückständigen Traditionen."

Ein Video mit ihren Äußerungen wurde viral. Mehr als eine Million Menschen riefen es auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und YouTube auf. Es löste eine breitere Diskussion über die Gleichstellung der Geschlechter im Sudan aus.

Sudan Shabab Talk (DW/Shabab Talk)

Weltweit haben Frauen den Mut von Weam Shawky in Shababtalk gelobt

Zuspruch und Ablehnung

"Wir haben uns entschieden über Frauenrechte im Sudan zu sprechen, weil uns so viele Frauen baten, die tägliche Ungleichbehandlung und Diskriminierung, die sie erfahren, zu thematisieren", sagt DW-Moderator Jaafar Abdul-Karim. "Zum Beispiel können schon 10-Jährige legal verheiratet werden. Und es gibt immer noch Mädchen und Frauen, denen Genitalverstümmelung widerfährt, weil es kein Gesetz gibt, das dies verbietet."

Die "Shababtalk"-Sendung und vor allem Weam Shawkys Plädoyer ernteten großen Zuspruch im Netz. So lobte der jemenitische Journalist und Radiomoderator Hind al-Eryani den Mut der jungen Frau, sich gegen den Gelehrten zu stellen: "Dies ist ein großer Weckruf an die starken Frauen im Sudan." Einige Zuschauer sagten, sie sei ein Symbol für "Mut und Zähigkeit" und ihr Argument sei "völlig überzeugend".

Internet-Debatte mündet in Drohungen

Widerspruch kam von mehreren religiösen Führern im Sudan. Sie sprachen während ihrer traditionellen Freitagspredigten über den Vorfall, darunter Khartum Imam und TV-Prediger Abdulhay Yusuf. Ein anderer Prediger beschuldigte den Moderator von "Shababtalk", DW-Journalist Jaafar Abdul Karim, den Sudan zu besuchen, um "Atheismus zu verbreiten". Kurz nach dem Ende des Programms gab Saleh eine Pressekonferenz, um die Show zu verspotten und sagte, sie repräsentiere die "Feinde unserer Kultur".

Für Abdul-Karim sind die positiven Reaktionen weit wichtiger als die Verbalattacken: "Religionsvertreter greifen zur Hasssprache. Aber es ist motivierend zu sehen, dass gerade die junge Generation sich für die Durchsetzung von Frauenrechten ausspricht und uns unterstützt."

Jedoch hat sich der Ton inzwischen deutlich verschärft: Religiöse Extremisten sprechen offene Drohungen gegen den DW-Moderator aus. Auch der DW-Partnersender, der die Sendung ausgestrahlt hatte, wird von ihnen bedroht, sodass er nun unter Schutz der sudanesischen Polizei steht.

"Kriminalisierung von Frauen"

Menschenrechtsgruppen werfen den sudanesischen Behörden seit langer Zeit eine "Kriminalisierung von Frauen" vor. "Das sudanesische Gesetz diskriminiert Frauen und Mädchen auf unterschiedliche Weise, unter anderem durch die Anwendung von Scharia-Strafen für 'moralische Verbrechen' wie Ehebruch oder den Verstoß gegen Kleidervorschriften", konstatierte etwa die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in ihrem jüngsten Bericht über den Sudan.

Redress, eine in London ansässige Organisation, veröffentlichte letztes Jahr einen Bericht, in dem sie darauf hinwies, dass "die Gesetze der öffentlichen Ordnung bewusst vage gehalten werden, um sie für eine soziale Kontrolle durch die Behörden offen zu lassen".

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