Drei NATO-Soldaten bei Taliban-Anschlag in Parwan getötet | Aktuell Welt | DW | 05.08.2018
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Afghanistan

Drei NATO-Soldaten bei Taliban-Anschlag in Parwan getötet

Die Militärangehörigen kamen aus Tschechien. Das Bundesinnenministerium will derweil die Zahl der Rückführungen nach Afghanistan erhöhen - trotz deutlicher Vorbehalte von Auswärtigem Amt und Bundesländern.

Drei weitere Soldaten - ein US-Bürger und zwei Afghanen - seien bei dem Selbstmordanschlag auf eine Fußpatrouille im Osten des Landes verwundet worden, teilte die NATO mit. Zur Nationalität der Getöteten machte sie - wie üblich - keine Angaben. Später gab die Armee Tschechiens bekannt, dass die Soldaten aus ihren Reihen kamen. Der genaue Ort des Anschlags ist das 65 Kilometer nördlich von Kabul gelegene Tscharikar, die Hauptstadt der Provinz Parwan. Die radikal-islamischen Taliban reklamierten die Tat für sich.

250 Soldaten aus Tschechien, 1200 aus Deutschland

Die Soldaten gehörten zur Mission "Resolute Support", die sich seit Anfang 2015 um Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Streitkräfte bemüht. Die Bundeswehr ist derzeit mit rund 1200 Soldaten daran beteiligt. Die meisten von ihnen sind im Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif stationiert. Eine kleinere Gruppe ist in der Hauptstadt Kabul im Einsatz.

Der tschechische Präsident Milos Zeman drückte den Angehörigen der drei Soldaten sein Beileid aus und forderte weitere Anstrengungen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Tschechien beteiligt sich derzeit mit rund 250 Soldaten am internationalen Militäreinsatz in Afghanistan. Erst vor kurzem war eine Verstärkung der tschechischen Beteiligung beschlossen worden.

Medien: Innenministerium will mehr Rückführungen nach Afghanistan

Unterdessen wurde bekannt. dass das Bundesinnenministerium offenbar die Anzahl der Rückführungen abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan erhöhen will. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll dafür jeden Monat ein Rückführungsflug nach Kabul durchgeführt werden. Das Ministerium hat die Bundesländer demnach darüber informiert, dass nicht mehr nur Straftäter, sogenannte Gefährder oder Menschen, die ihre Identität verschleiern, abgeschoben werden können, sondern alle Afghanen, die ausreisepflichtig sind und keine Duldung in Deutschland haben. Aktuell gelten 16.236 Afghanen in Deutschland als ausreisepflichtig.

Bis Anfang Juni galt eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die ausschließlich eine Abschiebung von "Gefährdern", Straftätern und "Identitätsverweigerern" nach Afghanistan vorsah. Danach konnte jedes Bundesland für sich entscheiden, wer nach Afghanistan abgeschoben werden soll. Die meisten Bundesländer schoben nach einem Bericht des MDR von Ende Juli bislang jedoch weiter eingeschränkt ab - aufgrund der schwierigen Sicherheitslage in Afghanistan. Auch das Auswärtige Amt gehe in einem internen und vertraulichen Lagebericht von einer weiteren Bedrohung für Leib und Leben von Zivilisten aus, hieß es.   

sti/se (afp, ap, dpa, rtr, kna)

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