Donald Trumps Kampf gegen Buch und Steve Bannon | Aktuell Amerika | DW | 04.01.2018
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USA

Donald Trumps Kampf gegen Buch und Steve Bannon

Die bekannt gewordenen Auszüge aus einem Enthüllungsbuch über die Trump-Administration haben den Chef in Harnisch versetzt - auch, weil sein Ex-Chefstratege darin mächtig austeilt. Nun schlägt der US-Präsident zurück.

US-Präsident Donald Trump und sein Chefstratege Steve Bannon im Oval Office (Foto: Reuters/J. Ernst)

Es war einmal: Der US-Präsident und sein Chef-Stratege (re.) im Oval Office (Foto von Januar 2017)

Nach der Veröffentlichung brisanter Auszüge aus einem Enthüllungsbuch über US-Präsident Donald Trump wollen dessen Anwälte das Erscheinen des Buches verhindern. Die Darstellungen in den am Mittwoch bekannt gewordenen Auszügen seien "falsch" und "ohne Grundlage", machten die Anwälte in einem Schreiben an den Autor Michael Wolff und dessen Verleger Steve Rubin geltend. Sie forderten die beiden auf, die Veröffentlichung des Buches sofort zu stoppen.

"Feuer und Wut: In Trumps Weißem Haus"

Wolffs Buch "Fire and Fury: Inside the Trump White House" (Feuer und Wut: In Trumps Weißem Haus) soll am kommenden Dienstag erscheinen. Trumps Sprecherin Sarah Sanders hatte zu den Vorabauszügen erklärt, diese seien voll mit "falschen und irreführenden Darstellungen von Personen, die keinen Zugang oder Einfluss im Weißen Haus haben". Trumps Anwälte sprachen ebenfalls von Verleumdung.

Buchautor Michael Wolff (Foto: picture-alliance/AP Photo/A. Kropa)

Buchautor und mit Sicherheit einer von Trumps neuen Erzfeinden: Michael Wolff

Trump selbst äußerte sich via Twitter für seine Verhältnisse vergleichsweise spät zur geplanten Veröffentlichung. Das Buch sei "voller Lügen", verdrehe Tatsachen und berufe sich auf "Quellen, die nicht existieren". Er habe dem Autor keinerlei Zugang zum Weißen Haus gewährt, ihn mehrfach abgewiesen und auch nie mit ihm über ein Buch gesprochen, fügte der Präsident hinzu.

In dem Buch wird unter anderem geschildert, Trump und sein engstes Umfeld hätten bis zuletzt nicht an einen Sieg bei der Präsidentschaftswahl im November 2016 geglaubt. In der Wahlnacht habe Trump nach den ersten Prognosen ausgesehen, "als ob er einen Geist erblickt hätte. Melania weinte - und zwar nicht vor Freude." Diese Passage bestätigt frühere Mutmaßungen verschiedener Medien, dass die First Lady nicht begeistert über die Wahl ihres Mannes zum Präsidenten gewesen sei. 

"Buch wird in der Billigroman-Abteilung verkauft"

Melania Trumps Sprecherin stritt allerdings ab, dass ihre heutige Chefin am Wahlabend Tränen der Traurigkeit vergossen habe. "Das Buch wird offensichtlich in der Billigroman-Abteilung verkauft werden", erklärte Stephanie Grisham. "Frau Trump hat die Entscheidung ihres Mannes, als Präsidentschaftskandidat anzutreten, unterstützt", versicherte sie. Tatsächlich habe Melanie Trump ihren Mann in seiner Entscheidung bestärkt. "Sie war zuversichtlich, dass er gewinnen würde und war sehr froh, als es so weit war."

Donald und Melania Trump Silvester 2017 in Palm Beach (Foto: picture-alliance/AP/E. Vucci)

Laut Wolffs Buch war Melania Trump alles andere als erfreut über den Wahlsieg ihres Mannes

In Wolffs Werk wird zudem von einem chaotischen, dysfunktionalen Weißen Haus unter Trump berichtet, außerdem von gesundheitlichen Problemen des Präsidenten.

"Verräterisch und unpatriotisch"

In dem Buch geht es - natürlich - auch um brisante Russland-Kontakte von Trumps Wahlkampfteam. Trumps früherer ultrarechter Chefstratege Steve Bannon wird mit dem Vorwurf zitiert, Trumps ältester Sohn Donald Trump junior habe sich mit einem Treffen im Juni 2016 mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja "verräterisch" und "unpatriotisch" verhalten. Bei dem Gespräch ging es um möglicherweise kompromittierendes Material über Trumps Rivalin Hillary Clinton. An der Begegnung im New Yorker Trump Tower hatten auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der damalige Wahlkampfleiter Paul Manafort teilgenommen.

Steve Bannon und Donald Trump Junior (Foto: Getty Images/P. Marotta)

Ebenfalls mit Sicherheit keine Freunde mehr: Bannon und Donald Trump junior (Foto von Februar 2016)

Trumps Anwalt Charles Harder warf Bannon laut US-Medien daher in einem Schreiben vor, dieser habe durch seine Gespräche mit Wolff eine Vertraulichkeitsvereinbarung verletzt und sich mit "abfälligen" Äußerungen über Trump und seine Familie zudem der Verleumdung schuldig gemacht. Bannon wurde daher von Trumps Anwälten aufgefordert, die gerügten Äußerungen nicht zu wiederholen.

"Ich rede nicht mit ihm"

Nach Bannons Äußerungen gegen Donald Junior und andere Vertraute Trumps brach der US-Präsident öffentlich mit seinem einstigen Chefstrategen. "Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun. Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand", ließ er erklären. Bannon hatte das Weiße Haus im August 2017 verlassen, galt aber bisher weiterhin als Trump-nah. "Ich rede nicht mit ihm", sagte Trump kurz angebunden im Weißen Haus. 

sti/gri (afp, dpa)