Diphtherie - eine fast ausgerottete Krankheit bedroht Rohingya-Flüchtlinge | Wissen & Umwelt | DW | 03.01.2018
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Krankheit

Diphtherie - eine fast ausgerottete Krankheit bedroht Rohingya-Flüchtlinge

Mehr als 3000 Fälle der lebensgefährlichen Infektionskrankheit hat die WHO in Flüchtlingslagern in Bangladesch diagnostiziert. Dabei könnte Diphtherie längst besiegt sein. Die meisten Patienten sind Kinder.

Die Ärzte ohne Grenzen melden einen dramatischen Ausbruch der Diphtherie in Rohingya-Flüchtlingslagern in Bangladesch. Bisher hat die Hilfsorganisation 2000 Patienten mit Symptomen der bakteriellen Infektionskrankheit behandelt. Insgesamt hat die Weltgesundheitsorganisation mehr als 3000 Verdachtsfälle registriert - Tendenz steigend.

"Dieser Diphtherie-Ausbruch kommt für die Menschen zusätzlich zu einem Masernausbruch und zu ihrer ohnehin immensen Notlage mit enormen Gesundheitsbelastungen", sagt Pavlos Kolovos, der Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen. Was die Krankheit begünstigt: Kaum Menschen sind geimpft. Die Flüchtlinge leben in primitiven Behausungen auf engstem Raum und es gibt keine sichere Wasserversorgung.

Seit den 1980er Jahren haben Gesundheitsbehörden Diphtherie weltweit durch systematische Impfungen von Kindern fast komplett besiegt. Allerdings kam es auch in den vergangenen Jahren in Südostasien immer wieder zu tausenden Fällen.

Was ist Diphtherie und wie wird sie übertragen?

Die Krankheit wird durch das Corynebacterium diphtheriae ausgelöst - einen Erreger, den die Ärzte Edwin Klebs und Frierich Loeffler 1884 entdeckt hatten. Übertragen wird die Diphtherie über Tröpfchen- und Schmierinfektion, etwa durch Niesen, Husten oder Küssen.

Das Bakterium erzeugt ein Gift, das die Proteinbiosynthese in den Zellen hemmt - einen lebenswichtigen Mechanismus, der es uns überhaupt erst ermöglicht, körpereigene Eiweiße herzustellen.

 

Welche Symptome gibt es?

Zunächst führt die Krankheit zur Bildung einer klebrigen grau-weißen Membran am Hals oder in der Nase. Es kommt zu Atembeschwerden. Bei Säuglingen kommt es zu eitrig-blutigem Schnupfen. Die Krankheit kann sich dann in den Kehlkopf und die Lunge fortpflanzen und zu Husten führen. Die Lymphknoten schwellen an.

Es kann auch zu Hautgeschwüren kommen oder zu Entzündungen im Auge. Über das Blut gelangt das vom Bakterium gebildete Toxin schließlich in die lebenswichtigen Organe - wie Leber, Niere oder Herz. Dort kann es lebensbedrohliches Organversagen auslösen.

Wie wird Diphtherie behandelt?

Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, geben Ärzte den Patienten ein Diphtherie-Antitoxin, um die Wirkung des Gifts zu neutralisieren. Das gelingt aber oft nur, wenn die Behandlung frühzeitig beginnt. Zirkuliert das Gift einmal im Körper, kann es noch nach Wochen die Organe schädigen.

Zudem bekommen die Patienten das Antibiotikum Penicillin, um die Bakterien abzutöten. Zudem bekommen auch Angehörige, die Diphtherie-Patienten in den Flüchtlingslagern gepflegt haben, prophylaktisch Antibiotika.

Das wirksamste Mittel gegen Diphtherie ist uns bleibt aber die Grundimmunisierung mittels einer üblichen Kombinationsimpfung, die auch gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) und Kinderlähmung (Poliomyelitis) wirkt.

 

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