Die Wirtschaft sieht die Talsohle schon | Podcast Wirtschaft | DW | 21.05.2020
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Corona

Die Wirtschaft sieht die Talsohle schon

Der Einkaufsmanagerindex klettert, signalisiert aber kein Wachstum, das wird noch dauern. Dennoch: Auch die Euro-Zone könnte das Schlimmste bald hinter sich haben. Der Stellenabbau ist die größte Gefahr für die Erholung.

Die deutsche Wirtschaft hat ihren Corona-bedingten Rekordabsturz dank der Öffnung vieler Geschäfte und Fabriken im Mai gebremst. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - kletterte von dem im April erreichten historischen Tiefstand von 17,4 auf nunmehr 31,4 Punkte.

Das sei aber immer noch der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Datenerhebung 1998, teilte das Institut IHS Markit am Donnerstag unter Berufung auf seine Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Ökonomen hatten einen stärkeren Anstieg auf 34,1 Zähler erwartet.

In Europa ist die Lage noch ernster

Das Barometer signalisiert erst ab 50 ein Wachstum. "Die Umfrage-Ergebnisse machen jegliche Hoffnung auf einen schnellen Aufschwung der deutschen Wirtschaft nach der Lockerung der Ausgangssperren und Restriktionen zunichte", sagte Markit-Ökonom Phil Smith. "Zwar hat sich die Talfahrt gegenüber dem von Eindämmungsmaßnahmen dominierten Vormonat verlangsamt, die Rückkehr zu Business as usual und ein neuerlicher Aufschwung sind jedoch noch in weiter Ferne."

Die Coronakrise hält die ganze Euro-Zone fest im Griff. Der Einkaufsmanagerindex für die Währungsunion stieg zwar von 13,6 auf 30,5 Punkte, blieb aber ebenfalls weit unter der 50-Punkte-Marke. "Die Euro-Zone verzeichnete auch im Mai einen Kollaps der Wirtschaftsleistung, wenngleich die Umfrageergebnisse ermutigende Hinweise dafür liefern, dass der Tiefpunkt wohl hinter uns liegt", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im laufenden zweiten Quartal in einem nie dagewesenen Ausmaß um rund zehn Prozent zum Vorquartal sinken.

Wenigstens ein Knall kommt noch

Die anhaltend schlechte Stimmung in der deutschen Wirtschaft deutet darauf hin, dass ihr im zweiten Quartal ein Rekordeinbruch droht. Die Ökonomen der Deutschen Bank etwa sagen einen Rückgang des BIP von 14 Prozent voraus - es wäre das größte Minus seit Bestehen der Bundesrepublik. Im ersten Quartal war das BIP um 2,2 Prozent gefallen, was der zweitgrößte Rückgang seit der Wiedervereinigung war.

Licht am Ende des Tunnels?

Ab der zweiten Jahreshälfte dürfte es aufwärtsgehen, erwartet das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Im dritten Quartal könne das Wachstum bei 10,7 Prozent liegen, berichtete die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf das IWH, das etwa 160 Einzelindikatoren ausgewertet hat. Voraussetzung dafür sei, dass keine zweite Virus-Welle auftrete und sich die Lage weiter normalisiere. "Wenn das gesellschaftliche Leben wieder in Gang kommt, dürfte der private Konsum die Konjunktur etwas ankurbeln", sagte IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller dem Magazin. Eine nachhaltige Erholung sei aber erst möglich, wenn auch der Außenhandel anziehe.

Die deutschen Unternehmen berichteten im Mai erneut von ausbleibenden Neuaufträgen. Auch das Exportgeschäft schwächelte. Deshalb wurden den dritten Monat in Folge Stellen gestrichen. "Da erwartet wird, dass die Nachfrage noch eine ganze Weile unter dem normalen Niveau bleiben wird, fahren die Unternehmen fort, in besorgniserregendem Maße Arbeitsplätze abzubauen", sagte Markit-Ökonom Smith. "Das Ausmaß des Stellenabbaus ist die größte Gefahr für den längerfristigen Ausblick."

dk/kd (rtr)

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