Deutsche Exporte brechen so stark ein wie seit 30 Jahren nicht | Wirtschaft | DW | 08.05.2020
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Außenhandel

Deutsche Exporte brechen so stark ein wie seit 30 Jahren nicht

Die Corona-Krise sorgt für wirtschaftliche Einbrüche auf breiter Front und düstere Zahlen. Wie nicht anders zu erwarten, betrifft das auch die deutschen Exporteure. Und es wird so schnell nicht besser.

Der deutsche Export ist zu Beginn der Corona-Krise eingebrochen. Die Unternehmen führten im März Waren im Wert von 108,9 Milliarden Euro aus. Das waren 7,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat und 11,8 Prozent weniger als im Februar 2020, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Gegenüber dem Vormonat war es der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im August 1990.

Die Importe verringerten sich binnen Jahresfrist um 4,5 Prozent auf 91,6 Milliarden Euro. Der Einbruch im März hinterließ deutliche Spuren im ersten Quartal. Die Ausfuhren sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent auf 324,9 Milliarden Euro. Die Einfuhren verringerten sich um 2,9 Prozent auf 273,1 Milliarden Euro. Vor der Eskalation der Krise in Europa hatten die Unternehmen im Februar noch etwas mehr Waren Made in Germany ausgeführt als im Vorjahreszeitraum.

Erste Effekte hatten sich aber bereits im Handel mit der im Februar besonders von dem neuartigen Virus betroffenen Volksrepublik China gezeigt. Die Welthandelsorganisation (WTO) rechnete zuletzt mit einem Absturz des Welthandels infolge der Corona-Krise von 13 bis 32 Prozent.

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Folgen des Lockdowns erst am Anfang

"Die Corona-Krise beginnt im Außenhandel beispiellose Spuren zu hinterlassen", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Holger Bingmann, zu den aktuellen Zahlen. "Dabei sind wir im ersten Quartal noch mit einem blauen Auge davongekommen. In den kommenden Monaten werden wir uns an zweistellige Rückgänge gewöhnen müssen." Die Folgen des Lockdowns von 50 Prozent der Weltwirtschafts­leistung, das Schließen von Grenzen gerade auch im europäischen Binnenmarkt sowie massive Störungen in der See- und Luftfracht "beginnen erst, ihre Spuren in der Statistik zu hinterlassen."

Nach Angaben des BGA haben 88 Länder in den letzten Monaten neue Handelsbeschränkungen eingeführt. Selbst innerhalb des europäischen Binnenmarktes bestünden massive Einschränkungen. Es nütze nichts, wenn man in Deutschland die Wirtschaft wieder hochfahre, die Vorprodukte aber nicht zur Verfügung stünden. Die jüngsten Zahlen zeigten, dass gerade die deutschen Exporte in die Eurozone eingebrochen seien.

"Messe ist noch nicht gelesen"

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe die hohe internationale Verflechtung der Wirtschaft, die dem Exportsektor in Corona-Zeiten zum Verhängnis werde. "Noch ist die Messe hier nicht gelesen. Da die Importe ebenfalls gesunken sind, sieht das Außenhandelsergebnis noch halbwegs gut aus." Aufgrund der deutlich niedrigeren Niveaus bei Exporten und Importen sei es das aber nicht. "Geschäftsmodelle, Investitionen, Personal: Unternehmen dürften auch hier alles auf den Prüfstand stellen."

"Die deutsche Warenausfuhr wurde im März zwischen zwei schweren Mühlsteinen aufgerieben", erklärte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "So spürten die deutschen Exporteure nicht nur die coronabedingte Schwäche des chinesischen Marktes, sondern auch das immer stärkere Wegbrechen ihres europäischen Heimatmarktes." Während im kommenden Monat die Impulse aus China wieder zunehmen sollten, "werden sich die Bremseffekte in Europa nochmals verschärfen".

Die desaströsen Außenhandelsdaten seien aber nicht nur Ausdruck einer stillgelegten Produktion, sondern spiegelten auch ein Versandproblem wider, sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein. "Das Exportgeschäft wird von unterbrochenen Logistikketten erschwert oder unmöglich gemacht." Fertige Ware könne stellenweise nicht in den Versand nach Übersee gegeben werden, weil auf den Weltmeeren der Schiffsverkehr ins Stocken geraten sei.

Die Corona-Krise dürfte bei der exportlastigen Wirtschaft auch im April für einen massiven Einbruch gesorgt haben. Die gesamte Wirtschaft steht 2020 vor einer tiefen Rezession. Die EU-Kommission sagt für Deutschland einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,5 Prozent voraus.

hb/sti (dpa,rtr)

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