Die USA und der Iran - Eine jahrzehntelange Feindschaft | Welt | DW | 03.01.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Chronologie

Die USA und der Iran - Eine jahrzehntelange Feindschaft

Die Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch die USA verschärft die Spannungen zwischen beiden Staaten weiter. Denn die Beziehungen sind schon seit Jahrzehnten belastet. Eine Chronologie.

19. August 1953: Der iranische Regierungschef Mohammed Mossadegh wird unter Mitwirkung der Geheimdienste der USA und Großbritanniens gestürzt, um eine Verstaatlichung der Ölschätze des Landes zu verhindern. In den kommenden Jahren stützen westliche Staaten den absolut herrschenden Schah Resa Pahlewi.

16. Januar 1979: Durch die Islamische Revolution wird der Schah zum Verlassen des Iran gezwungen. Unter dem Schiitenführer Ayatollah Khomeini wird eine Islamische Republik gegründet. Im November stürmen iranische Studenten die US-Botschaft in Teheran und nehmen 63 Botschaftsmitarbeiter als Geiseln.

4. April 1980: Die USA beenden die diplomatischen Beziehungen zum Iran. Im September fallen Truppen des irakischen Präsidenten Saddam Hussein in den Südwesten Irans ein. Der Westen unterstützt den Irak in dem bis 1988 währenden Krieg.

20. Januar 1981: Die 52 verbleibenden US-Geiseln werden im Januar aus der Botschaft in Teheran freigelassen.

1987 - 1988: Im Krieg mit dem Irak führen mehrere iranische Angriffe auf Öltanker zu Gefechten zwischen iranischen Truppen und US-Verbänden. Im Juli 1988 wird ein iranisches Passagierflugzeug von einem US-Kriegsschiff abgeschossen. Dabei kommen alle 290 Menschen an Bord ums Leben. Die USA erklären, das Flugzeug sei versehentlich für eine Militärmaschine gehalten worden.

29. Januar 2002: In der Folge der Anschläge vom 11. September 2001 bezeichnet US-Präsident George W. Bush im Januar Iran, Irak und Nordkorea als "Achse des Bösen". Noch während der Vorbereitungen zum US-Einmarsch in den Irak äußert die Regierung in Washington im Dezember den Verdacht, der Iran könnte Atomwaffen entwickeln.

Januar 2006: Der Iran gibt die Wiederaufnahme der Uran-Anreicherung für sein Nuklearprogramm bekannt. Die USA befürchten daraufhin, die Führung in Teheran plane die Entwicklung von Atombomben. Nach Medienberichten erwägt Bush für den Kriegsfall den Einsatz "taktischer" Atomwaffen gegen den Iran. Im Mai droht der Iran mit der Kündigung des Atomwaffensperrvertrages.

August 2013: Der neue iranische Präsident Hassan Rohani will ein Ende der Wirtschaftssanktionen und geht auf Forderungen der internationalen Gemeinschaft ein, das Atomprogramm drastisch zu reduzieren.

14. Juli 2015: In Wien wird das Atomabkommen mit Teheran abgeschlossen. Der Iran muss sein Atomprogramm nun drastisch begrenzen. Im Gegenzug werden die Wirtschaftssanktionen aufgehoben. Im Iran wird das Abkommen gefeiert.

2016 - 2018: Der neue US-Präsident Donald Trump macht immer wieder deutlich, dass er das Abkommen aufkündigen will. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigt regelmäßig, dass der Iran die Bedingungen des Abkommens einhält.

8. Mai 2018: Trump kündigt das internationale Atomabkommen mit dem Iran einseitig auf - trotz vehementer Proteste auch aus der Europäischen Union. Ländern, die weiter Öl aus dem Iran importieren, droht er mit drastischen Sanktionen.

22. Juli: Als Reaktion droht der iranische Präsident Hassan Rohani mit einer Blockade der Ölexport-Routen am Persischen Golf. Rohani unterstellt Trump, er beabsichtige mit seinen Sanktionen die Vernichtung Irans. Er droht den USA "die Mutter aller Kriege" an. Zuvor hatte der Iran bereits angekündigt, mit den Vorbereitungen zur Urananreicherung begonnen zu haben.

7. August: Die US-Regierung setzt Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft. Unter anderem werden Gelder eingefroren und der Handel mit Rohstoffen verboten. Im November werden diese Strafmaßnahmen nochmals verschärft.

25. September 2018: Zur Rettung des Atomvertrags mit dem Iran will die EU eine Einrichtung schaffen, durch die US-Sanktionen gegen Teheran umgangen werden können. Das kündigt die EU-Außenbeauftragte Mogherini an. Wirkungsmächtig wird die Einrichtung allerdings nicht.

8. April 2019: Die Regierung in Washington erklärt die iranischen Revolutionsgarden zur Terror-Organisation. Es ist das erste Mal, dass die USA eine ausländische staatliche Organisation als "terroristisch" einstufen. Als Reaktion erklärt die Führung in Teheran die USA zum "staatlichen Förderer des Terrorismus".

13. Juni: Die USA machen den Iran für zwei Explosionen an Tankern im Golf von Oman verantwortlich. Bereits im Mai beschuldigen die Vereinigten Staaten das Regime in Teheran, hinter Angriffen auf zwei saudische Öltanker zu stecken. Präsident Trump verstärkt die US-Truppenpräsenz in der Golfregion massiv und droht einige Tage später über Twitter dem Iran mit der Vernichtung.

20. Juni: Die iranischen Revolutionsgarden schießen über dem persischen Golf eine US-Drohne ab. Die Regierung in Washington bestreitet die Darstellung, wonach der unbemannte Flugkörper in den iranischen Luftraum eingedrungen sein soll. Einen bereits angekündigten Vergeltungsschlag sagt Trump in letzter Minute ab.

4. Juli: Die britische Marine setzt vor Gibraltar einen iranischen Öltanker fest, der gegen EU-Sanktionen verstoßen haben soll. Die "Grace 1", die unter der Flagge Panamas fährt, steht in Verdacht, iranisches Öl nach Syrien zu liefern.

7. Juli: Ein vom Iran gesetztes Ultimatum zum Teilausstieg aus dem Atomabkommen läuft ab. Der Iran kündigt daraufhin an, sich nicht mehr an das in dem Vertrag festgelegte Limit von 3,67 Prozent zur Urananreicherung halten zu wollen.

19. Juli: Die iranischen Revolutionsgarden stoppen den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus und setzen ihn fest. Es ist die Reaktion auf die Festsetzung der "Grace 1" durch die Behörden Gibraltars.

18. August: Gibraltar lässt den beschlagnahmten iranischen Tanker "Grace 1" wieder frei. Der britische Öltanker "Stena Impero" wird am 23. September freigegeben.

26. August 2019: Der französische Präsident Emmanuel Macron versucht während eines G7-Gipfels in Frankreich vergeblich, einen US-Iran-Gipfel zu vermitteln.

3. November: Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei spricht sich abermals gegen Verhandlungen mit den USA aus. Gespräche würden keine Besserung bringen, sagt er. 

3. Januar 2020: Der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, Ghassem Soleimani, wird bei einem US-Raketenangriff in der Nähe des Flughafens der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Irans geistliches Oberhaupt, Ajatollah Ali Chamenei, droht mit "schwerer Vergeltung".