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PolitikPolen

Eklat: Trump-Regierung gegen Polens Parlamentspräsidenten

Jacek Lepiarz (aus Warschau)
7. Februar 2026

Wlodzimierz Czarzasty hatte Donald Trumps Wunsch, die Bemühungen um den Friedensnobelpreis zu unterstützen, abgelehnt und den US-Präsidenten scharf kritisiert. Der US-Botschafter bricht Kontakte zum "Sejm-Marschall" ab.

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Auf dem Foto steht ein Mann, der eine Brille, einen dunklen Anzug und eine rote Krawatte trägt, hinter zwei Mikrofonen; im Hintergrund sind eine weiß-rote und eine blaue Flagge mit gelben Sternen darauf zu sehen
Wlodzimierz Czarzasty, der Vorsitzende der Partei Neue Linke, ist seit November 2025 Präsident des polnischen Parlaments Bild: Albert Zawada/PAP/picture alliance

Der Post des Botschafters der Vereinigten Staaten in Polen, Tom Rose, schlug am Donnerstag (5.02.2026) im politischem Warschau wie eine Bombe ein. Der US-Diplomat teilte auf X mit, er habe "mit sofortiger Wirkung" die Kontakte zum polnischen Parlamentspräsidenten Wlodzimierz Czarzasty abgebrochen.

Der Politiker der mitregierenden Partei Neue Linke (Nowa Lewica) habe den US-Präsidenten Donald Trump "empörend und ohne Grund" beleidigt, schrieb Rose zur Begründung. Dadurch seien die "ausgezeichneten Beziehungen" zur polnischen Regierung unter dem liberalkonservativen Premier Donald Tusk "schwer beschädigt". Die Beleidigung Trumps, des "größten Freundes, den Polen jemals im Weißen Haus hatte", sei unzulässig, legte Rose in einem weiteren Post nach.

Gegen Friedensnobelpreis für Trump

Seit seinem Amtsantritt als "Marschall" des polnischen Abgeordnetenhauses ("Sejm") im November 2025 hat sich Czarzasty als selbstbewusster Politiker profiliert, der eine klare Sprache spricht. Er scheut keinen Konflikt mit Polens Präsidenten Karol Nawrocki, der im Sommer 2025 gewählt wurde.

Auf dem Foto ist ein Mann in einem dunklen Anzug mit weißem Hemd und gestreifter Krawatte zu sehen, der vor einer unscharfen, hellen Innenraumkulisse steht. Hinter ihm befindet sich eine Flagge mit einem weißen oberen und einem roten unteren Streifen
Der nationalkonservative Politiker Karol Nawrocki ist seit August 2025 Präsident PolensBild: Yauhen Yerchak/SOPA Images/Sipa USA/picture alliance

Auch gegenüber Trump zeigte der 65-jährige Czarzasty eine klare Kante. "Ich werde den Antrag auf die Vergabe des Friedensnobelpreises an Trump nicht unterstützen, weil er ihn nicht verdient hat", so Czarzasty am Montag (2.02.2026) im Parlament. Er kritisierte auch Trumps Idee eines Friedensrates und sprach sich für die Stärkung der Europäischen Union, der NATO, der Vereinten Nationen (UN) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus. Trump destabilisiere durch seine "Politik der Stärke" die bestehenden internationalen Organisationen, so Czarzasty weiter.

Czarzasty bleibt hart

Auf einem Treffen mit polnischen Soldaten, die an Friedensmissionen beteiligt waren, kritisierte Czarzasty Trump scharf für dessen frühere Aussage, in der er die Kampfbereitschaft der NATO-Soldaten in Afghanistan in Frage stellte. Von der Kritik des US-Botschafters Rose zeigte sich Czarzasty unbeeindruckt.

Auf X versicherte Czarzasty, dass er die Vereinigten Staaten unverändert als Schlüsselpartner Polens respektiere. "In den für Polinnen und Polen fundamentalen Fragen allerdings werde ich meinen Standpunkt nicht ändern", stellte der Sejm-Marschall fest. "Achtung erfordert Achtung", kommentierte Czarzasty Roses Vorwürfe.

Regierungschef Donald Tusk stellte sich hinter den Parlamentspräsidenten. "Verbündete sollten sich achten und nicht belehren", mahnte der Premier auf X den US-Diplomaten Rose. "So jedenfalls verstehen wir Partnerschaft", ergänzte Tusk.

Opposition: Parlamentschef soll zurücktreten

Die scharfe US-Kritik an Czarzasty ist Wasser auf die Mühlen von Präsident Nawrocki und der oppositionellen nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Sie wollen den linken Politiker zum Rücktritt zwingen, was die Regierungskoalition schwächen würde. Die rechten Medien führen seit Wochen eine Kampagne gegen den unbequemen Parlamentschef und unterstellen ihm suspekte Kontakte nach Russland.

Auf einem historischen Schwarz-Weiß-Foto stehen uniformierte Soldaten mit Helmen und Ausrüstung auf schlammigem Boden vor einem gepanzerten Militärfahrzeug. Ein weiterer Soldat steht auf einer provisorischen Brückenrampe am Wasser, im Hintergrund sind weitere Teile der Brückenkonstruktion zu sehen
Sowjetische Soldaten bei einer Übung auf der polnischen Seite der Oder 1981. 48 Jahren lang waren die Truppen Moskaus in Polen stationiertBild: picture-alliance/PAP

Wegen seiner Vergangenheit - Czarzasty gehörte bis 1990 der kommunistischen polnischen Regierungspartei PZPR an - ist er für seine konservativen Kritiker für das zweithöchste Amt im Staate nicht geeignet. Auf Wunsch von Nawrocki soll die Personalie auf der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in der kommenden Woche besprochen werden. Im Gegenzug verlangte Czarzasty, dass auch die früheren Verbindungen des amtierenden Präsidenten zur Hooliganszene auf die Tagesordnung kommen.

Der außenpolitische Berater des Präsidenten, Marcin Przydacz, warf Czarzasty vor, dass er das polnisch-amerikanische Bündnis gefährde. Polen sieht in den USA immer noch den wichtigsten Garanten seiner Sicherheit. Im Land sind rund 10.000 US-Soldaten stationiert. Die polnische Armee setzt auf US-amerikanische Waffen, unter anderem Abrams-Panzer und Kampfflugzeuge vom Typ F-35. Dazu kommt, dass das rechte Lager in Polen enge Beziehungen zur MAGA-Bewegung unterhält und in Trump seinen Mentor sieht.

Kritik auch aus den USA

Der Politologe Antoni Dudek vermutet, der US-Botschafter versuche, mit seinen X-Beiträgen "den guten Tusk vom schlechten Czarzasty" zu trennen, um Zwietracht in Polens Regierungskoalition zu säen: "Die Posts von Rose sind in der Geschichte der polnisch-amerikanischen Beziehungen beispiellos. Wenn Polen ein ebenbürtiger Partner der USA wäre, sollte der Botschafter zur Persona non grata erklärt und ausgetauscht werden", so Dudek gegenüber der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Tusk werde aber eine direkte Konfrontation mit Washington vermeiden - und versuchen, den Streit zu entschärfen.

Schärfer klingt das in der links-liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza: Botschafter Rose habe "Mangel an Achtung für Polen gezeigt" und "sich in die inneren Angelegenheiten des Landes eingemischt", kritisiert der stellvertretende Chefredakteur Bartosz Wielinski. "Seine Arroganz erinnert an das Verhalten sowjetischer Stellvertreter, die in alten Zeiten in Warschau residierten", so der Kommentator weiter. Von Rose verlangt Wielinski eine Entschuldigung: "Sonst sollte er nach Hause gehen".

Auch in den USA stieß der diplomatische Fauxpas des amerikanischen Botschafters auf Kritik. Der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon sprach sich für die Abberufung Roses aus. "Es ist Zeit für einen neuen Botschafter", zitierte PAP den US-Politiker am Freitag.

Porträt eines Mannes mit grauem Haar vor einem Regal mit Büchern
Jacek Lepiarz Journalist in der polnischen Redaktion mit Schwerpunkt auf deutsch-polnischen Themen.