Die Straße von Hormus und das Öl | Wirtschaft | DW | 14.06.2019
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Erdöltransporte

Die Straße von Hormus und das Öl

Nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Öl-Tanker im Golf von Oman spitzt sich der Streit zwischen den USA und dem Iran zu. Für die weltweite Ölversorgung hat die Straße von Hormus große Bedeutung.

Der Preis für Öl der Sorte Brent legte am Freitagmorgen in London um mehr als zwei Prozent zu auf 61,31 US-Dollar, in New York stieg die US-Sorte West Texas Intermediate ebenfalls um rund zwei Prozent auf 52,28 Dollar.

"Es ist ein gefährlicher Moment für die Region", sagte Elizabeth Dickinson, Analystin der International Crisis Group. "Jede Fehleinschätzung und jedes Mißverständnis könnte die Lage eskalieren lassen."

Erst Mitte Mai war es in der Straße von Hormus zu Zwischenfällen gekommen, als Saudi-Arabien meldete, zwei Öltanker seien bei Sabotage-Angriffen beschädigt worden. Am Donnerstag nun waren zwei Öltanker durch mutmaßliche Angriffe schwer beschädigt worden. Die USA machten Iran dafür verantwortlich.

Karte der Straße von Hormus

Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Wasserwege weltweit, der vor allem für Öltransporte aus der Golfregion eine zentrale Rolle spielt.

Rund ein Fünftel der Öl-Transporte weltweit gehen durch die Straße von Hormus. In der ersten Hälfte des letzten Jahres waren das rund 17,4 Millionen Barrel pro Tag. Der weltweite Öl-Bedarf liegt nach Angaben von Analysten der Beratungsfirma Vortexa bei rund 100 Millionen Barrel pro Tag. Nicht weniger wichtig ist die Straße von Hormus als Transportroute für Flüssiggas LNG aus Katar. Das Emirat ist der weltweit größte Lieferant von Flüssiggas.

Neuralgische Route

Die Schiffsroute verbindet so unterschiedliche Mächte und Erdölplayer wie Saudi-Arabien und den Iran, die Vereinigten Emirate, Kuwait und den Irak. Dabei ist die Straße von Hormus an der engsten Stelle keine 50 Kilometer breit. Die eigentliche Fahrrinne für die riesigen Tanker misst allerdings lediglich rund drei Kilometer Breite in jeder Richtung. Damit wird die Wasserstraße zum leicht kontrollierbaren, neuralgischen Punkt.

Immer wieder taucht sie denn auch in den Konfliktszenarien streitender Mächte in der Region auf. Erst unlängst warnte der iranische Generalstabschef Mohammed Bagheri, die Seestraße von Hormus könnte ganz geschlossen werden, sollten die "Feindseligkeit" zunehmen. Gemeint war die Sanktionspolitik der USA gegen sein Land wegen des Streits um den Atomvertrag mit Iran. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Isna zufolge sagte Bagheri: "Wenn unser Öl nicht durch die Straße transportiert wird, wird das Öl anderer Länder die Straße sicher auch nicht durchqueren."

Begleitschiffe des Flugzeugträger USS Abraham Lincoln im Sueskanal vor der Küste von Ägypten (picture-alliance/Mass Communication Specialist 3r/U.S. Navy/AP/dpa)

Begleitschiffe des US-Flugzeugträgers Abraham Lincoln - am Sonntag im Suezkanal Richtung Iran

Auf amerikanischer Seite mehren sich derweil beunruhigende Anzeichen: So verlegt die US-Armee B-52-Bomber nach Katar an den Persischen Golf und beorderte Anfang des Monats den Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" in die Region, der dort eine andere Einheit ablösen soll. Bei der Gelegenheit warnte der Sicherheitsberater des Weißen Hauses, John Bolton, den Iran: "Jeder Angriff auf Interessen der USA oder ihrer Verbündeten wird unnachgiebig beantwortet."

Säbelrasseln mit Folgen

Besorgniserregender Hintergrund: Der Kongress in Washington hatte dem US-Präsidenten vor Jahren zwar eine Kriegsvollmacht in Sachen Iran gegen dessen reguläre Armeekräfte verwehrt - nicht aber gegen Terroristen. Im vergangenen Monat nun stufte die US-Regierung die iranischen Revolutionsgarden - eine Eliteeinheit der Streitkräfte - als ausländische Terrororganisation ein.

Es war das erste Mal überhaupt, dass die USA eine militärische Einheit eines anderen Staates auf die Liste der Terrororganisationen setzte, auf der sonst Gruppen wie der IS oder Al-Kaida stehen. Dabei sind die Revolutionsgarden sind die eigentliche Streitmacht im Iran, weitaus wichtiger als die klassische Armee. 

Allein das Säbelrasseln in der Region hat Folgen für die Weltwirtschaft. So urteilte Wayne Gordon, Rohstoffexperte bei einer UBS-Tochterfirma unlängst: "Alle geopolitischen Spannungen, die wir nicht vorhersehen, können den Ölpreis auf 100 Dollar pro Barrel treiben." Das wäre fast ein Drittel mehr als zu Beginn dieser Woche.

ar/bea/hb (ap, rtr, dpa – Archiv)

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