Die Peruaner feiern Papst Franziskus | Aktuell Amerika | DW | 19.01.2018
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Peru

Die Peruaner feiern Papst Franziskus

Der Chile-Besuch war für den Papst kein leichter. Dafür scheint Peru, die zweite Reisestation in Lateinamerika, zum Fest zu werden - auch wenn die von Franziskus angesprochenen Themen weiß Gott keine leichte Kost sind.

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Papst Franziskus macht Station in Peru

In Perus Hauptstadt Lima wurde Papst Franziskus mit fast volksfesthafter Stimmung empfangen. Im Unterschied zu seiner ersten Station in Chile waren hier die Fassaden mit unzähligen "Papa Francisco"-Transparenten behängt. Nach Kirchenangaben sind knapp 90 Prozent der 31 Millionen Einwohner Perus katholisch. Die Menschen zogen auf die Straßen, um die Ankunft ihres Papstes zu feiern. "Unidos por la esperaza", "Vereint in der Hoffnung", ist das Motto des dreitägigen Besuchs.

Der Pontifex im Urwald 

Der erste Termin des Papstes galt nicht Präsident Pedro Pablo Kuczynski, der ihn am Flughafen mit militärischen Ehren empfing. Vor der obligatorischen Visite in dessen Palast reiste Franziskus ins anderthalb Flugstunden entfernte Puerto Maldonado im Herzen des peruanischen Regenwalds. Dort traf er mit Bewohnern des Amazonasgebiets zusammen - vor allem mit den Indigenen.

Begrüßung des Papstes auf dem Flughafen von Puerto Maldonado (Foto: Reuters/O. Romano)

Unverkennbar ein hochwillkommener Gast: Begrüßung des Papstes auf dem Flughafen von Puerto Maldonado

Was den Papst bewegt, zeigt sich beim Anflug auf Puerto Maldonado: Immer häufiger klaffen ockerfarbene Lücken in der grünen Walddecke am Rio Madre de Dios. Illegale Goldschürfer roden große Flächen. Gold, zusammen mit Kupfer, Silber, Zink und Blei sowie Erdöl und Erdgas sind die Säulen des wirtschaftlichen Wohlstands. Peru lebt vom Rohstoffexport - vor allem nach China und in die USA.

Aufgrund hoher Weltmarktpreise drängten in den vergangenen Jahren immer mehr Bergbau- und Erdölfirmen, Forstunternehmen und Großfarmer nach Amazonien, die mit dem Rückhalt der Regierung auch gegen deren eigenes Umweltressort rechnen können. Hinzu gesellten sich Glücksritter, Kriminelle, Privatmilizen, Zuhälter. Der Staat glänzte durch Abwesenheit und trat, statt sich vor die Opfer zu stellen, sogar als Aggressor auf.

Gier nach Öl, Gas, Gold und Monokulturen verurteilt 

Franziskus thematisierte die Probleme ohne Umschweife. Im Sportpalast des Coliseo Regional Madre de Dios verurteilte er die Gier nach Öl, Gas, Gold und Monokulturen, die die Völker Amazoniens mehr bedrohten als je zuvor. Es gelte mit der historischen Sicht zu brechen, in der Region nur eine "unerschöpfliche Schatzkammer" zu sehen, in der sich Staaten rücksichtslos bedienten. Zugleich wandte sich der Papst gegen einen zu radikalen Naturschutz, der den Einheimischen die Nutzung ihrer Ressourcen verbieten wolle.

Der Papst trifft in Puerto Maldonado mit Indigenen aus Peru, Brasilien und Bolivien zusammen (Foto: Getty Images/AFP/V. Pinto)

Der Papst trifft in Puerto Maldonado mit Indigenen aus Peru, Brasilien und Bolivien zusammen

Die indigenen Völker erinnerten daran, dass die Konsumgier Grenzen haben muss, so der Papst. Er sprach von einer "Massenvernichtung" des Naturraums. Doch er sieht noch eine andere "Zerstörung von Leben": sklavische Arbeitsverhältnisse, sexuelle Ausbeutung, oft von minderjährigen Mädchen. Ölsucher und Holzfäller seien kein zimperliches Volk. Und der Lockruf des Goldes vergifte die alten Sitten wie das Quecksilber der Schürfer die Flüsse. Amazonien müsse vor "neuen Kolonialismen" geschützt werden. "Wehrt euch gegen kulturelle Uniformierung, hört die Weisheit der Alten", mahnte der Papst.

Gegen die Macho-Kultur

Der Papst verurteilte schließlich die "endlose Gewalt" gegen Frauen. Es sei "schmerzhaft" zu sehen, dass "in diesem Land" so viele Frauen "herabgewürdigt, schlechtgemacht und Gewalt ausgesetzt werden", sagte Franziskus. "Gewalt gegen Frauen kann nicht als 'normal' behandelt werden, indem eine Macho-Kultur aufrecht erhalten wird, die blind für die führende Rolle der Frauen in unseren Gemeinschaften ist." 

Die katholische Kirche sieht sich als Unterstützerin der Amazonasbewohner und der Indigenen bei deren Anliegen. Doch sie steht auch vor der Frage, wie sie mit immer weniger Personal ihrer Aufgabe in dem riesigen Gebiet gerecht werden kann. So dürfte neben Menschenrechten, Ökologie und Glaubensverkündigung auch die Frage nach der Priesterehe wieder aufkommen.

sti/kle (afp, dpa, kna)

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