Finanzaufsicht Bafin bekommt neuen Chef | Wirtschaft | DW | 22.03.2021
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Finanzaufsicht

Finanzaufsicht Bafin bekommt neuen Chef

Nach dem Wirecard-Skandal kämpft die Aufsichtsbehörde Bafin um ihren Ruf. Der Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht, Mark Branson, soll es nun richten und die Bafin erneuern.

Der Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, Mark Branson, soll neuer Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) werden. Nach Berichten des Handelsblatt bestätigte das Finanzministerium die neue Leitung. Die Bafin selbst nahm zu der Personalie nicht Stellung.

Branson soll seinen Posten spätestens am 1. August antreten. Wie das Handelsblatt berichtete, hatten Finanzminister Olaf Scholz und Staatssekretär Jörg Kukies wochenlang Überzeugungsarbeit geleistet, um Branson zum Wechsel zu bewegen. Mit der Reform der Bafin steht er vor einer Mammutaufgabe.

Die Bafin war zuletzt im Bilanzbetrugsskandal um das frühere Dax-Unternehmen Wirecard heftig in die Kritik geraten. Der bisherige Chef Felix Hufeld wurde im Januar von Finanzminister Scholz entlassen. Der Skandal um die Wirecard AG habe offenbart, dass die deutsche Finanzaufsicht eine Re-Organisation brauche, um ihre Aufsichtsfunktion effektiver erfüllen zu können, so Scholz damals. 

Felix Hufeld | Sondersitzung des Finanzausschusses im Bundestag

Er musste wegen des Wirecard-Skandals gehen: Felix Hufeld

Die Bafin soll unter anderem mit Experten für Wirtschaftsprüfung und Bilanzanalyse verstärkt werden. Weder der Finanzaufsicht noch den Wirtschaftsprüfern von EY war der mutmaßliche jahrelange Milliardenbetrug von Wirecard aufgefallen.

Applaus auch aus der Opposition

"Ich bin hocherfreut, dass es uns gelungen ist, mit Mark Branson einen erfahrenen, international hoch anerkannten Fachmann für die deutsche Finanzaufsicht zu gewinnen", kommentierte Scholz laut Mitteilung nun die Bekanntgabe der neuen Führung. 

Bei der Opposition im Bundestag kam die Personalie gut an. "Mark Branson bringt gute Voraussetzungen mit, um die Bafin zurück zu neuer Autorität und neuer Schlagkraft zu führen", sagte der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar. Die Bundesregierung müsse nun dafür sorgen, dass er auch ein Team bekomme, das die Bafin tatsächlich reformieren wolle. 

Das Versagen der Wirtschaftsprüfer

Der Finanzpolitiker der Grünen, Danyal Bayaz, bezeichnete Branson mit seiner internationalen Kapitalmarkterfahrung als "viel versprechenden Personalvorschlag". Sein Kollege von den Linken, Fabio De Masi, wies allerdings auch darauf hin, dass die Schweizer Finanzaufsicht nicht als besonders streng gelte. "Branson sollte sich einer öffentlichen Befragung im Deutschen Bundestag stellen", forderte er.

Der Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, der frühere Grünen-Abgeordnete Gerhard Schick, betonte: "Hut ab!" Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies hätten einen erfahrenen Fachmann gewinnen können. "Es ist gut, dass Herr Branson von außen kommt und Probleme lautstark thematisieren sowie engagiert angehen kann", so Schick.

Gehalt bei der Bafin wohl niedriger als zuvor

Branson arbeitet seit 2010 bei der Schweizer Finanzaufsicht. Seit 2014 in der Leitung. Zuvor musste sich der frühere Manager der Großbank UBS gegen Kritiker wehren, die an seiner Unabhängigkeit gezweifelt hatten. Doch Branson ging in seiner Amtszeit gegen die UBS und weitere Banken vor, sodass diese Bedenken schnell in den Hintergrund traten.

Gleichzeitig genoss der 1968 geborene britische und Schweizer Doppelbürger bei Banken und Versicherern eine breitere Unterstützung als sein Vorgänger. Branson hatte an der Eliteuniversität Cambridge Mathematik und Management studiert und später auch bei der Credit Suisse gearbeitet.

Als Chef der Schweizer Finanzaufsicht verdient Branson derzeit 552.000 Schweizer Franken. Was der Bafin-Präsident genau verdient, ist öffentlich nicht bekannt. Die Summe dürfte aber deutlich darunter liegen, schreibt das Handelsblatt.

nm/ehl (dpa, rtr) 

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