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DFB-Team: Die "Aura" des Manuel Neuer

Thomas Klein Winston-Salem
15. Juni 2026

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich bei der WM 2026 viel vorgenommen. Pünktlich zum ersten Spiel ist auch Welttorwart Manuel Neuer wieder fit. Dennoch bleibt ein Rest-Risiko für die DFB-Elf.

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Torwart Manuel Neuer jubelt nach einem Tor gegen WM-Neuling Curacao.
Torwart Manuel Neuer gilt mit 40 Jahren immer noch als einer der besten Torhüter der WeltBild: Christian Charisius/dpa/picture alliance

Der beeindruckende 7:1-Sieg gegen Curaçao im ersten Spiel bei der Weltmeisterschaft ließ Manuel Neuer unweigerlich in Erinnerungen schwelgen. "Wir wissen", sagte der der Nationaltorwart, "das war jetzt kein Halbfinale gegen Brasilien."

Und dennoch wollte er den perfekten Start in Houston nicht kleinreden: "In der Höhe muss man auch erstmal so gewinnen." Zwölf Jahre nach der legendären Gala in Belo Horizonte bei der WM 2014 stieg der einzig im DFB-Team verbliebene Weltmeister mit seinen 40 Jahren und 79 Tagen am Sonntag zum ältesten deutschen Nationalspieler auf.

"Das war wie ein erstes Spiel. Ich freue mich darüber, als wenn es jetzt meine erste WM wäre", sagte Neuer. Sein 125. Länderspiel hätte ein perfekter Abend werden können, wäre nicht das ärgerliche Gegentor zum 1:1 gewesen.

Neuer, der ansonsten weitgehend ungeprüft blieb, musste einen abgefälschten Schuss von Livano Comenencia passieren lassen: "Wäre Jo [Kimmich, Anm.d.R.] nicht dran gewesen, hätte ich ihn gehabt", sagt Neuer.

Trotz des Gegentores gegen den WM-Neuling Curaçao blickte Neuer zuversichtlich auf den weiteren Verlauf des Turniers. Es gebe "einfach die richtigen Charaktere in unserer Mannschaft. Das stimmt mich alles positiv", so Neuer.

Der größte Torhüter aller Zeiten

Neuers Rückkehr ins Nationalteam sehen viele Fans, die mit zur WM gereist sind, positiv. "Er ist der Größte aller Zeiten und ihn hier in Winston-Salem zu sehen ist, als würde ein Traum wahr werden", sagte Deutschland-Fan Pete beim ersten öffentlichen Training im Base-Camp der DFB-Elf in North Carolina.

"Ich habe das Gefühl, das Team braucht erfahrene Spieler wie ihn, die alles zusammenhalten und organisieren", ergänzte sein Kumpel Chris und freute sich: "Er wird uns einen guten Start in die WM bescheren."

Neuer gibt sich entspannt

Mit 40 Jahren ist Neuer sogar zwei Jahre älter als Bundestrainer Nagelsmann. Sein erstes Länderspiel bestritt er im Juni 2009. Das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada ist bereits die fünfte Fußball-Weltmeisterschaft, an der er teilnimmt.

2014 wurde er in Brasilien Weltmeister, nach der Europameisterschaft vor zwei Jahren beendete er dann aber seine Nationalmannschafts-Karriere und trat zurück. Beim FC Bayern zeigte Neuer jedoch weiter starke - aber manchmal auch schwankende - Leistungen, die ihn wieder in den Fokus von Nagelsmann rückten. Kurz vor der Nominierungsfrist im Juni holte ihn der Bundestrainer schließlich zurück in den Kader der DFB-Elf.

"Er muss sich in seinem Alter nicht eingewöhnen. Er kommt mit der Drucksituation klar", sagte Nagelsmann zu seiner Rückholaktion. Unterstützung bekam der 38-Jährige von DFB-Sportdirektor Rudi Völler. "Die meisten Spieler kennt er auch von Bayern München. Er ist schon so lange dabei, ihn bringt sowieso nichts aus der Ruhe", so der 66-Jährige.

Degradierter Torhüter Baumann: "Anfangs war es hart"

Die Diskussionen um den "Welttorhüter" und vor allem um seine "Wade" bestimmten die letzten Tage vor dem ersten WM-Spiel der DFB-Elf gegen Curaçao die Schlagzeilen. Lange Zeit war unklar, ob der Schlussmann rechtzeitig fit wird, denn der 40-Jährige hatte sich in der Schlussphase der Bundesliga-Saison an der Wade verletzt und konnte zunächst weder an Trainingseinheiten noch an den letzten beiden Testspielen des DFB gegen Finnland und die USA teilnehmen.

Für ihn spielte Oliver Baumann, der auch in der WM-Qualifikation als Nummer eins eingesetzt wurde und starke Leistungen zeigte. Bis vor wenigen Wochen waren demnach alle davon ausgegangen, dass der Hoffenheimer Torwart auch im WM-Tor stehen würde. Doch es kam anders. Nagelsmann degradierte Baumann nach Neuers Rückkehr und setzte ihn wieder auf die Ersatzbank.

"Anfangs war es natürlich hart. Das war nicht ganz cool von meinem Gefühl her", gab Baumann nach der WM-Generalprobe gegen die USA zu: "Mir war aber sofort klar, dass ich fürs Team da sein werde und mitgehe."

"Der beste Torhüter aller Zeiten"

Nun ist Neuer zurück beim DFB, doch seine Rückkehr birgt auch ein Risiko. Aufgrund seiner Verletzung war der Schlussmann erst vor wenigen Tagen ins Mannschaftstraining der Nationalelf eingestiegen - zuvor konnte er nur individuell trainieren.

Bundestrainer Julian Nagelsmann und Manuel Neuer umarmen sich auf dem Spielfeld.
Für Bundestrainer Julian Nagelsmann (r.) ist Manuel Neuer (li.) nach wie vor die Nummer eins im DFB-TorBild: Christian Charisius/dpa/picture alliance

Die Fragen nach Neuers Gesundheitszustand hatten sich bei den Pressekonferenzen dementsprechend gehäuft. Doch der DFB blieb ruhig und betonte immer wieder, dass man der alten und neuen Nummer eins die nötige Zeit geben wolle, um die Verletzung komplett auszukurieren.

"Kein Risiko" lautete die Devise. Das Risiko einer erneuten Verletzung sollte unbedingt vermieden werden. Denn Neuers "Wade" hat eine Vorgeschichte. Dreimal zwangen ihn Wadenprobleme in der vergangenen Saison bereits zu unfreiwilligen Verletzungspausen.

Jonathan Tah: "Neuer hat besondere Ausstrahlung"

Auch wenn der Torhüter zuletzt auch gerne mal patzte, so zählt er immer noch zu den Besten seiner Zunft. Sportlich kann Neuer der Mannschaft also definitiv helfen. Neben seiner nach wie unbestrittenen sportlichen Qualität, kommt aber noch eine weitere psychologische Variable hinzu, die zu einem Vorteil für die DFB-Elf werden könnte: Manuel Neuers Aura.

Torwart Manuel Neuer trainiert nimmt den Ball beim Training mit der Brust an
Wird Manuel Neuer wieder zu einer Stütze im deutschen Team?Bild: Federico Gambarini/dpa/picture alliance

"Er hat diese besondere Ausstrahlung und diese besondere Aura", erklärte Abwehrchef Jonathan Tah. Für Kapitän Joshua Kimmich stand ohnehin fest, dass Neuer "der beste Torhüter aller Zeiten ist."

Die beiden spielen bereits seit elf Jahren zusammen beim Rekordmeister in München und kennen sich gut. Auch deswegen stand für den 31-jährigen Mittelfeldspieler nie in Frage, dass Neuer - wenn er fit ist - zurück ins Team kommt. "Wir stehen vor einer WM, und da müssen die Besten spielen", sagte Kimmich.

Manuel Neuer wird DFB-Rekordspieler

Obwohl es nur noch wenige Rekorde gibt, die Neuer in seiner Karriere noch nicht erreicht, sind bei dieser WM noch weitere Meilensteine hinzugekommen. Mit seiner fünften Teilnahme an einer Weltmeisterschaft stellt der 40-Jährige den deutschen Rekord von Lothar Matthäus ein. Zudem ist der Torwart nach seinem Einsatz gegen Curaçao auch der älteste deutsche Nationalspieler - bisher war auch das Matthäus (39 Jahren und 91 Tage).

In Winston-Salem gibt Manuel Neuer wartenden Fans Autogramme.
Manuel Neuer gehört bei den Fans immer noch zu den beliebtesten Spielern im DFB-TrikotBild: Federico Gambarini/dpa/picture alliance

Das erste Spiel gegen die WM-Debütanten war bereits sein 20. WM-Einsatz und damit hat Neuer den Franzosen Hugo Lloris als Rekordtorwart bei einer Weltmeisterschaft eingeholt. Und für die Fans der DFB-Elf steht ohnehin bereits fest, dass Neuer erneut Weltmeister wird - damit wäre er der erste Deutsche, dem das gelingen würde.

"Dieses Team hat eine tolle Fanbase, das wird ihnen beim Turnier helfen", glaubt Pete. "Neuer hat unsere Herzen gewonnen. Ich glaube ans Team und hoffe, sie werden den ganzen Weg gehen", so Chris. Kai ergänzte nach dem ersten WM-Spiel: "Es ist atemberaubend, was er alles erreicht hat." Und Julian fügte an, dass Neuer super ehrgeizig sei und dass sein Einsatz zeige, "dass man im hohem Alter noch auf dem Niveau spielen kann."

Und wer weiß, wie sich Manuel Neuer nach der WM entscheiden wird und welche Rekorde er als nächstes anpeilt. Für Kai Havertz ist jedenfalls sicher: "Wenn der 70 ist und noch für die Nationalmannschaft spielen will, kommt der hier auch noch unter."

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