Deutschlands Ukraine-Hilfe gerät unter Druck
14. April 2026
Seit dem Iran-Krieg haben in der Ukraine Befürchtungen zugenommen, der Krieg im eigenen Land könne in den Hintergrund treten. US-Präsident Donald Trump will unterdessen einen schnellen Friedensschluss zwischen Russland und der Ukraine und hat die US-Hilfen drastisch gekürzt. Damit wächst die Rolle Deutschlands und anderer europäischer Länder.
Nach der Wahlniederlage von Viktor Orbán in Ungarn am Sonntag dürfte es auf europäische Seite weniger Widerstände gegen eine fortgesetzte Ukraine-Unterstützung geben. Und auch bei den deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen an diesem Dienstag in Berlin dürfte die Bundesregierung beruhigen: auf Deutschland ist Verlass.
Was ist der Stand?
Nach den USA ist Deutschland mit großem Abstand der zweitgrößte bilaterale Geber für die Ukraine. Die Bundesregierung hat das Land seit Kriegsbeginn mit fast 100 Milliarden Euro unterstützt (Stand Anfang 2026). Deutschland leistet militärische, finanzielle, technische und humanitäre Hilfe. Auch die Aufnahme von weit mehr als einer Million ukrainischer Flüchtlinge zählt dazu.
Militärische Hilfe
Die Bundesregierung hat der Ukraine nach eigenen Angaben Militärhilfe in Höhe von rund 55 Milliarden Euro geleistet oder für die kommenden Jahre bereitgestellt (Stand: 31.12.2025).
Sie umfasst Ausrüstungs- und Waffenlieferungen aus Bundeswehrbeständen sowie Lieferungen der Industrie, die vom Staat finanziert werden. Dazu zählt die ganze militärische Bandbreite: von Flugabwehr‑, Artillerie‑ und Gefechtsfahrzeugen wie Panzern bis hin zu Handfeuerwaffen und Sanitätsmaterial.
Darüber hinaus hat Deutschland seit Kriegsbeginn mehr als 24.000 ukrainische Soldaten in Deutschland ausgebildet.
Allerdings hat sich im Laufe des Krieges der Schwerpunkt deutlich verschoben. So spielen zum Beispiel die Kampfpanzer, die Deutschland erst nach langem Zögern lieferte, heute kaum noch eine wichtige Rolle. Stattdessen dominieren Kampfdrohnen das militärische Geschehen. Kampfdrohnen für die Ukraine kommen auch aus Deutschland oder werden von deutschen Firmen in der Ukraine hergestellt.
Die seit Jahren diskutierte Frage, ob Deutschland der Ukraine Taurus-Marschflugkörper schicken soll, stellt sich nach Meinung von Bundeskanzlers Friedrich Merz inzwischen nicht mehr. Die Ukraine verfüge heute über Langstreckenwaffen aus eigener Herstellung, sagte der Kanzler Ende März bei einer Regierungsbefragung im Bundestag. Die Ukraine sei "heute besser bewaffnet als je zuvor". Das Problem sei eher Geldmangel, bei dem Deutschland aber helfen wolle.
Zivile und humanitäre Hilfe
Die bilaterale zivile Unterstützung Deutschlands (es gibt auch noch Hilfe im Rahmen der EU) beläuft sich nach Regierungsangaben auf rund 39 Milliarden Euro. Dazu zählt alles an nichtmilitärischer Hilfe, was das Durchhaltevermögen und die Funktionsfähigkeit des ukrainischen Staates stärkt.
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Energieversorgung, die Russland verstärkt angreift. Insgesamt hat die Bundesregierung seit Kriegsbeginn über 1,2 Milliarden Euro an Unterstützung allein für den Energiesektor geleistet und ist damit auch hier zweitgrößter Geber nach den USA. Es geht dabei zum einen um Reparaturen und Notmaßnahmen bei zerstörten Anlagen.
Zum anderen arbeiten deutsche Fachleute gemeinsam mit ukrainischen Partnern auch an einem Wiederaufbau der Energieinfrastruktur mit Schwerpunkten bei Energieeffizienz und dem Ausbau der erneuerbaren Energien.
Humanitäre Hilfsaktivitäten werden in enger Zusammenarbeit mit internationalen und Nichtregierungsorganisationen finanziert, so dass medizinische Versorgung, Lebensmittel, sauberes Wasser und weitere Nothilfen vor allem Menschen in Frontnähe schnell erreichen.
Hilfe für Geflüchtete
Mehr als eine Million ukrainische Geflüchtete, vor allem Frauen und Kinder, haben seit Beginn des Krieges in Deutschland Schutz gefunden. Die Bundesregierung unterstützt Länder und Kommunen bei der Unterbringung und Versorgung der Menschen, etwa direkt finanziell oder durch die Bereitstellung bundeseigener Gebäude als Unterkünfte.
Geflüchtete bekommen zum Beispiel Deutschkurse, Weiterbildungs- und Eingliederungsangebote sowie Hilfe bei der Arbeitssuche. Inzwischen sind laut Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom Februar 2026 rund die Hälfte der ukrainischen Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter in Arbeit.
Wiederaufbau und Reformen
Die Bundesregierung plant gemeinsam mit der Ukraine sowie den Partnern in EU und G7 schon jetzt den Wiederaufbau der Ukraine. Der soll mit einer Modernisierung von Staat und Wirtschaft einhergehen und den EU-Beitrittsprozess der Ukraine im Blick haben, den Deutschland grundsätzlich unterstützt.
Es hat bereits mehrere internationale Wiederaufbau-Konferenzen (Ukraine Recovery Conference, URC) gegeben, 2024 auch eine in Deutschland. Für 2026 übernimmt Polen die Ausrichtung der URC, die Ende Juni in Danzig stattfinden soll.
Widerstände von rechts und links
Nicht jeder in Deutschland ist mit der Form und dem Umfang der Ukraine-Unterstützung einverstanden. Sollte Deutschland in Zukunft noch mehr gefordert sein, weil sich die USA zunehmend von der Ukraine-Hilfe verabschieden, dürften auch die Widerstände noch zunehmen.
Die Ressentiments in der deutschen Bevölkerung gegen ukrainische Flüchtlinge sind eher gering, auch weil die Menschen als relativ gut integriert gelten. Allerdings gibt es Kritik an der Tatsache, dass ukrainische Flüchtlinge sofort Bürgergeld erhielten und nicht die geringeren Asylbewerberleistungen. Im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und SPD deswegen vereinbart, dass Geflüchtete, die nach dem 1.April 2025 nach Deutschland eingereist sind, künftig geringere Leistungen erhalten.
Bei den deutschen Parteien der politischen Mitte in Deutschland ist die Ukraine-Unterstützung weitgehend Konsens. Anders sieht es am rechten und linken Rand aus. Sowohl die in Teilen rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) als auch teilweise die Linkspartei sehen die Unterstützung kritisch und streben eine Wiederannäherung an Russland an.
Das Hauptargument lautet, das Geld für die Ukraine fehle angesichts leerer Kassen und hoher Schulden für die deutsche Bevölkerung, auch brauche Deutschland wieder günstige Energie aus Russland. Gerade angesichts der hohen Kraftstoffpreise durch den Iran-Krieg gewinnt diese Argumentation im Moment an Zuspruch. Die Sorge der Bundesregierung ist, dass vor allem die AfD bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt im September daraus Kapital schlagen kann.