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PolitikIndien

Deutschland und Indien vertiefen ihre Zusammenarbeit

12. Januar 2026

Kanzler Merz trifft in Indien Premier Modi. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, die Rüstungskooperation und ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien.

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Narendra Modi und Friedrich Merz, tragen bunte Schals, liegen sich im Arm und lachen (12.01.2026)
Premier Modi und Kanzler Merz am Randes des Drachenfestivals in AhmedabadBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Zum Auftakt seines zweitägigen Besuchs in Indien ist Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz von Ministerpräsident Narendra Modi in dessen Heimatregion empfangen worden. In der Millionenmetropole Ahmedabad besuchten die beiden zunächst eine frühe Wirkungsstätte des Nationalhelden Mahatma Gandhi.

Dessen "unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Freiheit und die Würde jedes Menschen inspiriert uns bis heute", schrieb der Kanzler in das Gästebuch des Ashrams, einer Meditationsstätte, in der Gandhi von 1918 bis 1930 lebte. "Dieses Menschheitserbe verbindet Inder und Deutsche als Freunde in einer Welt, die Gandhis Lehre heute wohl nötiger hat denn je." Der Pazifist Gandhi hat Indien durch gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft zur Unabhängigkeit geführt.

Modi und Merz fuhren anschließend im selben Wagen zum traditionellen Drachenfestival, das den Übergang vom Winter- zum Sommerhalbjahr markiert und bei dem Tausende Papierdrachen in die Luft steigen. Erst danach begannen die politischen Gespräche.

Friedrich Merz undarendra Modo halten gemeinsam die Schnur eines Papierdrachen (12.01.2026)
Deutsch-indische Zusammenarbeit: Merz und Modi beim DrachensteigenBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Die Straßen der Stadt mit ihren acht Millionen Einwohnern sind gesäumt von großformatigen Plakatwänden mit den Bildern von Merz und Modi als Willkommensgruß an den Kanzler. Dass Modi den deutschen Regierungschef in seiner Heimat empfängt, wird als Zeichen besonderer Wertschätzung gesehen.

Merz ist jedoch nicht der erste hochrangige Gast dort. Seit seinem Amtsantritt 2014 hat Modi in der für ihn so besonderen Stadt unter anderem US-Präsident Donald Trump, den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie den früheren japanischen Regierungschef Shinzo Abe empfangen.

Indien hat enge Verbindungen zu Russland

Bei den Gesprächen zwischen Merz und Modi geht es um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen und die Rüstungskooperation. Das möglicherweise schwierigste Thema ist jedoch Russland.

Indien pflegt enge Beziehungen sowohl zu westlichen Partnern als auch zur Führung in Moskau. Erst im Dezember war der russische Präsident Wladimir Putin in Neu-Delhi und wurde dort von Modi bereits am Flughafen mit einer innigen Umarmung begrüßt. Das südasiatische Land bezieht einen Großteil seines Öls aus Russland, das die Einnahmen wiederum in den Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt.

Friedrich Merz und Narendra Modi stehen an einzelnen Rednerpulten und schauen sich an, im Hintergrund deutsche und indische Fahnen (12.01.2026)
Regierungschefs Merz und Modi bei Pressekonferenz in AhmedabadBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Die russische Invasion hat Indien - anders als die meisten anderen Länder in der UN-Vollversammlung - nicht verurteilt. Andererseits könnte Modi mit seinem Draht zu Putin an diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs mitwirken. Merz dürfte all dies mit Modi erörtern.

Größere Zusammenarbeit bei Rüstungsprojekten

Deutschland und Indien wollen ihre Kooperation im Rüstungsbereich ausbauen. Eine entsprechende Absichtserklärung der Verteidigungsministerien wurde in Ahmedabad unterzeichnet. Verträge über konkrete Projekte wurden zunächst nicht abgeschlossen.

Indien plant jedoch, in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) in Mumbai sechs U-Boote im Wert von acht Milliarden Euro zu bauen. Die Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung wird in Kürze erwartet und könnte als Türöffner für weitere Kooperationen dienen.

Indien gilt nach der jüngsten Statistik des Friedensforschungsinstituts SIPRI als größter Rüstungsimporteur der Welt. Zwischen 2019 und 2023 bezog das Land noch 36 Prozent seiner Rüstungsgüter aus Russland - wenn auch mit rückläufiger Tendenz. Deutsche Rüstungsexporte nach Indien könnten somit auch die Abhängigkeit von Russland verringern.

Fachkräftemangel: Deutschland setzt auf Azubis aus Indien

Zahlreiche Vereinbarungen zwischen Deutschland und Indien

Insgesamt wurden am Rande der Gespräche zwischen Merz und Modi sowie mit etlichen Unternehmen beider Länder 27 Absichtserklärungen und Ankündigungen unterzeichnet. Das Wirtschaftsministerium vereinbarte mit dem indischen Bergbauministerium eine Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien. Das Forschungsministerium plant mit seinem indischen Pendant ein Innovationsexzellenzzentrum für Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Supercomputer und Batterietechnologie sowie den Ausbau von Austausch- und Studienprogrammen.

Der Deutsche Hockey Bund und Hockey India wollen ihre Kooperation in der Jugendentwicklung vertiefen. Das Gesundheitsministerium wiederum unterzeichnete eine Vereinbarung zur Anwerbung indischer Fachkräfte im Gesundheitssektor.

Indien Ahmedabad 2026 | Friedrich Merz und Narendra Modi in einer Limousine am Gandhi Ashram (12.01.2026)
Enger Austausch: Gesprächspartner Merz und ModiBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Die Anwerbung von Fachkräften aus Indien wurde bereits von den Vorgängerregierungen vorangetrieben. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Inderinnen und Inder in Deutschland ist zwischen 2015 und 2025 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit von knapp 25.000 auf rund 170.000 gestiegen. Mit knapp 60.000 stellt Indien zudem die größte Gruppe ausländischer Studierender in Deutschland.

Freihandelsabkommen schon Ende Januar?

Indien liegt unter den deutschen Handelspartnern bislang nur auf Platz 23. Einen deutlichen Schub könnte der Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Indien bringen. Die Verhandlungen darüber begannen vor 18 Jahren und wurden zwischenzeitlich für mehrere Jahre unterbrochen.

Bundeskanzler Merz erklärte nun überraschend, er halte es für möglich, dass die EU und Indien bereits Ende des Monats ein geplantes Freihandelsabkommen unterzeichnen könnten. "Die Präsidentin der Europäischen Kommission und der Präsident des Europäischen Rates werden Ende des Monats nach Indien reisen und dieses Abkommen, wenn es denn bis dahin abgeschlossen ist, auch unterzeichnen", sagte Merz. "Sie werden jedenfalls einen weiteren großen Fortschritt unternehmen, damit dieses Freihandelsabkommen zustande kommt."

Bislang war mit einem Abschluss der Verhandlungen erst bis Jahresende gerechnet worden. Nach den "sehr intensiven Gesprächen" zwischen Merz und Modi gebe es jedoch "hohe Erwartungen", dass Ende Januar tatsächlich schon ein Abkommen unterzeichnet werden könne, hieß es in deutschen Regierungskreisen.

Als Grund für die neue Bewegung gilt auch der zunehmende amerikanische Zolldruck auf Indien. Ohne Länder wie die USA oder China namentlich zu nennen, sagte Merz, gerade Deutschland und Indien schade die "Renaissance des unseligen Protektionismus". Deshalb müsse man enger zusammenarbeiten.

Für die EU wäre eine Unterzeichnung ein weiterer großer Erfolg - nach dem Abschluss des EU-Mercosur-Abkommens mit südamerikanischen Staaten in der vergangenen Woche.

pgr/AR (dpa, afp, rtr)

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